Sorge um das Urlaubsidyll: Palmen-Killer auf dem Vormarsch

21.05.2008 | 20:35

Das Palmensterben bei Almuñécar an der südspanischen Costa del Sol begann 1994. Von der Mitte aus wurden die Blätter strohgelb, reihenweise ließen die Bäume "den Kopf hängen", wie es Einwohner und Touristen beschrieben. Innerhalb weniger Wochen war die gesamte Palmenkrone tot. Die Experten standen damals vor einem Rätsel. Inzwischen ist bekannt, dass die Bäume dem Roten Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus) zum Opfer fielen. Doch auch 14 Jahre danach ist noch kein wirksames Mittel gegen diesen Schädling gefunden. Der Käfer hat sich stark ausgebreitet und bedroht nun vielerorts die zum Symbol für unbeschwerten Urlaub gewordenen Palmen - auch auf Mallorca, wo er zur Plage erklärt wurde.

Jetzt, wenn es wärmer wird, ist die Gefahr besonders groß. Von Mai bis Oktober hat der ursprünglich aus Asien stammende Palmrüssler seine "Hochsaison", erklärt der Zoologe José Angel López von der Universität Murcia. "Wenn die Symptome des Befalls sichtbar werden, ist es für die Bäume bereits zu spät. Dann müssen sie ausgerissen und verbrannt werden, damit der Käfer nicht noch auf weitere Palmen übergreift", erläutert der Experte das Dilemma im Kampf gegen den Parasiten. Entlang der gesamten spanischen Mittelmeerküste sowie auf den Kanaren sind deshalb bereits tausende der stattlichen Bäume gefällt worden.

Nach Überzeugung von López ist das jedoch nur die Spitze des Eisbergs. "Die Lage ist kritisch", meint auch die Biologin Mabel Hidalgo, die die Unwissenheit vieler Behörden beklagt. Einig sind sich die beiden Fachleute, dass die Bedrohung vielerorts nicht ernst genug genommen werde. So habe er selbst auf dem Campus seiner Universität beobachtet, wie dort vor kurzem Palmen beschnitten wurden, sagt López. Das ist ein tödlicher Irrtum, denn die Duftstoffe, die durch diese Wunden austreten, ziehen den Käfer erst recht an. Deshalb gilt die Vorschrift, die Bäume nur im Winter zu stutzen. So auch auf Mallorca, wo bislang rund 120 Palmen vernichtet werden mussten.

Auf der spanischen Ferieninsel ist der Palmrüssler in Pollença, Cala D' Or, Sa Rápita und Alaró festgestellt worden. Die Gefahr gehe vor allem von Privatgärten in Feriensiedlungen aus, sagte der Pflanzenschutzbeauftragte der balearischen Regierung, Josep Rosselló, der örtlichen Presse. In diesen Gärten sind die Kontrollen schwierig, weil die Besitzer ein Großteil des Jahres nicht da sind. In der Touristenhochburg El Arenal ist bislang nur eine befallene Palme entdeckt worden. Sie stand auf dem Gelände eines Hotels. Das Urlaubsidyll am Strand von Palma sieht Rosselló aber nicht in Gefahr. Dort sind Echte Dattelpalmen (Phoenix dactylifera) gepflanzt, und die sind gegen die Plage relativ resistent.

Besonders anfällig sind dagegen die Kanarischen Dattelpalmen (Phoenix canariensis). Der etwa daumengroße Käfer und die Larven leben versteckt im Palmenstamm, von der Krone aus fressen sie meterlange Gänge durch den Baum, bis dieser schließlich abstirbt. Für den Laien ist der Befall erst nach ein bis zwei Jahren sichtbar. Fachleute dagegen hören den Stamm mit Spezialgeräten ab und können so die Fressgeräusche der Schädlinge feststellen.

Der Palmrüssler stammt ursprünglich aus den Tropen in Asien, durch unkontrollierte Importe gelangte er nach Europa und breitete sich dann in der gesamten Mittelmeerregion aus. Hoffnung auf ein wirksames Mittel kommt jetzt aus Alicante: An der dortigen Universität experimentieren Wissenschaftler mit Pilzen, die dem Käfer auf natürliche Weise das Garaus machen sollen.

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