EM-Training auf Mallorca: Hightech-Matratzen für EM-Kicker

23.05.2008 | 09:10

Joachim Löw sorgt sich trotz der erneuten bitteren Final-Enttäuschung für Michael Ballack nicht um die Antriebskraft seiner EM-Lokomotive. Im Trainingscamp auf Mallorca hatten der Bundestrainer und die deutschen Fußball-Nationalspieler vor einem Großbildschirm mit dem im Champions-League-Finale unglücklich gescheiterten Kapitän mitgelitten. Trotzdem strich Löw die starke Leistung Ballacks als positives Signal für die in knapp zwei Wochen beginnende Europameisterschaft heraus. "Er wird schon zwei, drei Tage daran zu knabbern haben, die Enttäuschung ist natürlich groß. Aber jetzt gibt es ein neues Ziel für ihn", sagte der DFB-Chefcoach, der an diesem Freitag die nächste, wesentlich härtere Phase der EM-Vorbereitung startet.

Nach der Abreise der Frauen, Freundinnen und Kinder von der Ferieninsel beginnt für die Nationalspieler die schweißtreibende Trainingsarbeit auf dem Platz. "Ich freue mich, dass es losgeht und endlich mal wieder Fußball gespielt wird", sagte am Donnerstag Neuling Marko Marin. Der 19-jährige Gladbacher hat bei Löw bereits einen enormen Eindruck hinterlassen: "Der Kleine ist wahnsinnig positiv." Doch die Entscheidung darüber, ob Marin das harte Ausleseverfahren "23 aus 26" übersteht und im EM-Kader bleibt, wird erst nach den Trainings-Eindrücken der nächsten Tagen fallen.

Löw nutzte die gemeinsame TV-Beobachtung des Champion-League- Endspiels zwischen Chelsea und Manchester United in der Lobby des Teamhotels "Son Vida" nochmals, um seine Spieler auf die hohen EM- Ansprüche aufmerksam zu machen. Die "unglaubliche Intensität" wie beim Moskauer Endspiel erwartet der Bundestrainer auch beim Turnier in der Schweiz und Österreich: "Jeder Zentimeter wird bearbeitet." Gerade die körperliche Verfassung würde daher eine große Rolle spielen. Der leidende Ballack bekam als Aufmunterung schon jetzt bescheinigt, "physisch stärker als bei der WM 2006" zu sein.

Als Fitmacher hat der DFB wie schon vor der WM 2006 die US- Spezialisten von "Athletes' Performance" verpflichtet. Diese forderten auch am dritten Trainingstag im Stadion von Real Mallorca an Hightech-Geräten die Profis individuell. "Wir verbessern die Spieler so, wie es für das System von Trainer Joachim Löw notwendig ist", erklärte Fitness-Guru Mark Verstegen, der sich wie schon unter Löw-Vorgänger Jürgen Klinsmann auch ausgefallener Motivations- Methoden bedient. "Wir sind ein Team", feuert Verstegen die Spieler wie schon 2006 an. Als zusätzlicher Anreiz hängen in der umgebauten Turnhalle große Jubel-Fotos von der WM vor zwei Jahren und Plakate mit der Aufschrift: "Gesucht: Ein Team von Ballermännern."

"Frischling" Marin staunte über die professionelle und gewöhnungsbedürftige Rundumbetreuung: "Alles ist top-organisiert. So etwas habe ich noch nicht erlebt." Bei den Übungseinheiten etwa werden die Herzfrequenz-Werte permanent auf einen zentralen Computer übertragen. Im Mannschaftshotel ließ der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Betten der Spieler mit modernen Matratzen ausstatten, per Fernbedienung kann die Härte der Schlafunterlage verändert werden. "Schlafen ist das wichtigste Thema in Zusammenhang mit der Regeneration", begründete Fitness-Coach Oliver Schmidtlein die Neuerung. Auch im EM-Quartier in Ascona werden diese Matratzen ausgelegt. "Der DFB denkt an alles", bemerkte René Adler.

Im Vordergrund aber steht auch für den 23-jährigen Leverkusener die Trainingsarbeit auf dem Platz. "Der Konkurrenzkampf im Team wird schon großgeschrieben, auch weil uns leider noch drei Spieler verlassen müssen", sagte Adler. Obwohl der Bundestrainer die Rangfolge im Tor aktuell noch nicht festlegte, will der Länderspiel- Neuling öffentlich keine Ansprüche anmelden. "Ich bin Realist und sehe Jens als Nummer 1", betonte Adler. Löw selbst hat diese Rolle auch für den Reservisten von Arsenal London vorgesehen, macht Lehmann aber durch den besten Bundesliga-Keeper der abgelaufenen Saison Druck. Lehmann muss ackern und sich im Training sowie den Testspielen in eine Top-Verfassung bringen. Dann könne man davon ausgehen, "dass er unsere Nummer 1 ist", sagte Löw.

Lehmann dient auch als positives Beispiel für Ballack. Vor der WM 2006 hatte der Arsenal-Torhüter ebenfalls ein Champions-League- Endspiel verloren, war sogar vom Platz geflogen. "Jens Lehmann musste noch eine schwierigere Situation meistern nach seiner Roten Karte. Alle haben damals gefragt, wie geht er damit um. Jens hat das weggesteckt - Michael wird das auch wegstecken", erklärte Löw, der sich möglichst bald bei Ballack melden wollte, um zu erfahren, "ob alles okay ist". Erst am Montag wird der Kapitän in Kaiserslautern zum Testspiel gegen Weißrussland zum Nationalteam stoßen. 2002 hatte Ballack schon einmal bewiesen, dass er Enttäuschungen wegstecken kann: Nach dem verlorenen Champions-League-Finale mit Bayer Leverusen gegen Real Madrid schoss er Deutschland ins WM-Finale.

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