Die Expo des Wassers ist zu Ende: Zaragoza hat ein neues Gesicht

15.09.2008 | 11:09

Anfangs herrschte eine gewisse Ebbe, doch am Ende erlebte die Weltausstellung im nordspanischen Zaragoza eine wahre Menschenflut. Das ging so weit, dass der Ticketverkauf wegen des großen Andrangs zeitweise eingestellt werden musste. "Die Leute haben Torschlusspanik bekommen", erklärte eine der Hostessen auf dem Gelände den Ansturm zum Abschluss der Expo an diesem Sonntag. Dennoch werden die Veranstalter Schätzungen zufolge das ursprüngliche Ziel von 6,5 Millionen Besuchern um etwa eine Million verfehlen.

Drei Monate lang hat sich auf der ersten Weltausstellung in Europa seit der Expo 2000 in Hannover alles um das Motto "Wasser und nachhaltige Entwicklung" gedreht. Die 104 teilnehmenden Nationen stellten auf dem 25 Hektar großen Gelände am Ufer des Flusses Ebro sich selbst sowie die Probleme und Lösungen ihrer Länder im Umgang mit dem (Trink-)Wasser vor.

Einige Länder setzten das Thema freilich besser um als andere. So lautete einer der Kritikpunkte, die Expo sei eher eine Tourismus- Messe. In der Tat glichen manche Pavillons einem großen Basar - feilschende Teppichhändler inklusive. Etliche andere versetzten die Besucher mit prächtigen Bauten ins Staunen. Für viele Gäste ärgerlich waren jedoch die langen Schlangen, vor allem bei über 30 Grad Hitze. "Das lässt sich einfach nicht vermeiden", räumte Expo-Chef Roque Gistau ein. Alles in allem bekam die Schau vom Publikum aber gute Noten: Im Schnitt 7,9 auf einer Skala bis 10.

Der deutsche Pavillon, der mit einer futuristischen Floßfahrt durch die Welt des Wassers und innovativer Wassertechnologie lockte, zählte nach Angaben der Veranstalter mit denen von Japan und Marokko zu den beliebtesten Zielen auf der Expo. "Wir sind mit unserer Beteiligung sehr zufrieden. Die Besucher aus aller Welt waren von der Mischung aus Unterhaltung und Information begeistert", sagte Pavillonkommissar Dietmar Schmitz vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie angesichts von mehr als eine halben Million Gäste - bis zu vier Stunden Wartezeit nahmen die Besucher für den Rundgang durch den sechs Millionen Euro teuren Pavillon der Bundesrepublik in Kauf.

Für die alte Königsstadt Zaragoza hat sich die Expo allemal gelohnt. Hatten die rund 650 000 Einwohner bislang mit dem Rücken zum wasserreichsten Fluss Spaniens gelebt, bietet der Ebro auf 16 Kilometern Länge nun Uferpromenaden, Grünanlagen, einen 120 Hektar großen Park, Strände und Radwege. Selbst Ausflugsboote schippern nun in seinen Fluten. Hinzu kommen neue Brücken, ein neues Flughafenterminal oder ein neuer Kongresspalast.

"Die Expo ist ein Sprung 15 Jahre nach vorne", sagte Bürgermeister Juan Alberto Belloch stolz. Immerhin 3,5 Milliarden Euro öffentliche und private Investitionen sind anlässliche der Weltausstellung in die fünftgrößte Stadt des Landes geflossen.

Zu Zaragozas neuem Gesicht gehört auch der imposante Brückenpavillon der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid, der in Form einer sich öffnenden Gladiole den Ebro überspannt, oder der 80 Meter hohe "Wasserturm", der innen einen Hohlraum so groß wie eine gotische Kathedrale besitzt. Zudem hat die Schau der Stadt Europas größtes Süßwasseraquarium beschert. Nach der Expo wird das Gelände in ein modernes Gewerbegebiet und in ein Ausgehviertel mit Museen und Restaurants verwandelt.

Kritik kam von Umweltschützern. Sie empfanden es als heuchlerisch, dass ausgerechnet ein Land mit einer so großen Wasserverschwendung wie Spanien eine Expo rund um das lebenswichtige Element veranstaltete. "Das ist nicht nachhaltig, sondern unhaltbar", meinte etwa die Organisation Ecologistas en Acción. Ein "grünes" Thema habe als Vorwand gedient, um tonnenweise Beton zu verbauen und ein riesiges Spekulationsobjekt hochzuziehen.

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