Spanien

ETA in Nöten - Militärchef festgenommen, Kluft in der Anhängerschaft

18-11-2008  
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Als die Polizei anrückte, lagen Txeroki und seine Begleiterin im Schlaf. Der mutmaßliche Militärchef der baskischen Terrororganisation ETA und seine Komplizin hatten gehofft, in dem Pyrenäenort Cauterets bei der französischen Wallfahrtsstätte Lourdes unentdeckt zu bleiben. Denn das an der spanisch-französischen Grenze gelegene 1300-Seelen-Dorf lockt viele Spanier zum Skifahren an. Dennoch kamen die Fahnder dem meistgesuchten Terroristen Spaniens in dem Bergdorf auf die Spur und nahmen ihn fest.

Wie Spaniens Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba mitteilte, hatte ein gestohlenes Auto mit gefälschten Nummernschildern die Ermittler auf der richtige Fährte gebracht. Txeroki, der mit bürgerlichem Namen Mikel Garikoitz Aspiazu Rubina heißt, war anscheinend ein Fehler unterlaufen. Dabei hatte der ETA-Chef als "Sicherheitsfanatiker" gegolten. Der 35-Jährige war stets peinlich darauf bedacht, keine Spuren zu hinterlassen, er wechselte permanent seinen Wohnsitz und schlief häufig sogar in Wäldern oder auf Campingplätzen. Er unterhielt ein eigenes Netz von Waffenverstecken und beschränkte den Kontakt mit den anderen ETA- Terroristen auf das Notwendigste. Damit wollte er verhindern, von infiltrierten Geheimagenten aufgespürt zu werden.

"Die Festnahme ist ein entscheidender Schlag gegen die ETA", sagte der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. Txeroki war nach Polizeiangaben seit mehr als vier Jahren für die Organisation der Terrorzellen zuständig und derjenige gewesen, der den Terroristen die Befehle gab. Er dürfte auch den verheerenden Autobomben-Anschlag auf den Madrider Großflughafen angeordnet haben, der zwei Menschen in den Tod riss und ein Parkhaus in ein Trümmerfeld verwandelte.

Der Anschlag Ende 2006 setzte einer "Waffenruhe" der ETA und Verhandlungen mit der spanischen Regierung ein Ende. Damit zerstörte er die Hoffnungen der Spanier auf eine Friedenslösung für das Baskenland. Der Hardliner Txeroki gilt als ein typischer Vertreter einer neuen Generation von ETA-Terroristen. Diese zeichnen sich nach Medienberichten dadurch aus, dass sie schlechter ausgebildet und ideologisch weniger beschlagen sind als die alte Garde, dafür aber skrupelloser im Umgang mit der Gewalt.

Die von Txeroki eingeleitete Rückkehr der ETA zur Strategie der Gewalt riss eine tiefe Kluft in die Szene des baskischen Separatismus. Viele inhaftierte ETA-Terroristen sprachen sich gegen die Linie des Militärchefs aus. Auch die Anhänger der verbotenen Separatistenpartei Batasuna (Einheit) waren gegen den Abbruch der Verhandlungen mit Madrid. Nach einer Umfrage billigen heute nur noch zwei Prozent der Batasuna-Sympathisanten den Terror der ETA. Vor zwölf Jahren waren es noch 20 Prozent.

Auch die Idee eines unabhängigen baskischen Staates scheint an Anhängern zu verlieren. Nur noch 22 Prozent der Basken sind nach einer Umfragen der Regionalregierung für die Unabhängigkeit. Vor zwei Jahren waren es noch 28 Prozent gewesen.

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