Nachruf

"Wurstkönig" Horst Abel: Metzger zwischen den Kulturen

27.11.2008 | 01:00
Horst Abel.
Horst Abel.

"Ich habe bisher Glück gehabt: Trotz mancher riskanter Situationen auf Mallorca habe ich überlebt. Die Insel ist mir zur Heimat geworden, mit all ihren Fehlern", schrieb Horst Abel vor zwei Jahren in seiner Autobiografie ?Der Wurstkönig von Mallorca packt aus". Am
25. November erlag der 69-jährige Unternehmer in Palma einer schweren Krankheit.

Mit Horst Abel (Fulda, 1939) stirbt nicht nur einer der schillerndsten Mallorca-Residenten, ein unermüdlicher Visionär, mitunter Provokateur, ein stets kompromissloser aber auch geachteter Geschäftsmann. Mit Horst Abel stirbt nach "Bierkönig" Manfred Meisel und "Mietwagen-König" Hasso Schützendorf auch der letzte der drei großen Unternehmer-Pioniere auf der Insel - und vor allem ein ganz großes Stück deutsch-mallorquinischer Zeitgeschichte.

Die oft turbulente Beziehung zwischen Abel und Mallorca begann 1969. Zusammen mit einem Freund war der Metzgermeister und Unternehmer - Abel hatte es mit dem Verkauf von Heizdecken, Reinigungsmitteln und Waschautomaten bereits zu einem kleinen Vermögen in Deutschland gebracht - auf die Insel gekommen, um ein paar Tage auszuspannen. Beim Vorbeifahren entdeckte Abel in Arenal die bis dahin einzige deutsche Metzgerei auf der Insel und witterte, wie so oft zuvor, ein ganz großes Geschäft. Schon am nächsten Tag kaufte er den kleinen, unscheinbaren Laden für rund 30.000 DM und legte damit den Grundstein für sein späteres "Wurst-Imperium" auf der Insel.

"Mallorca war in der Zeit Francos ein wirtschaftlich weitgehend unterentwickelter Fleck", erinnert sich Abel in seinem Buch. Bereits nach wenigen Wochen habe er erkannt, dass ihm seine deutsche Gesetzestreue in der damals oft von Beamtenwillkür geprägten Diktatur nur wenig weiterbringen würde. "In dieser Zeit war alles möglich, wenn man nur Mumm genug hatte". So begann er, die unter Androhung von Gefängnisstrafe bestehenden Importbeschränkungen einfach zu umgehen, indem er Gewürze und Maschinen im Autoanhänger eigenhändig auf die Insel schmuggelte.

1971 nagelte Abel sich aus Schwartenbrettern seine erste Imbissstube am Strand von Peguera zusammen. Dort, im "Alt Frankfurt", ver­kaufte er Frikadellen und Bockwurst, die bereits in der eigenen Fabrik in Palmas Industriegebiet hergestellt wurden. Abels Kunden waren damals hauptsächlich deutsche Pauschalurlauber, die sich noch nicht an den Geschmack von Paella und Tintenfisch gewöhnen wollten. Mit viel Ehrgeiz und Geschäftsgeist baute der Metzger sein Unternehmen im Laufe der Zeit immer weiter aus. Bereits 1973 verbuchte Abel einen Jahresumsatz von umgerechnet einer Million DM. Bis Ende der 80er Jahre gab es über ein Dutzend ?Abel´s" Imbisslokale und Gastrobetriebe auf der Insel. Die Fleischfabrik belieferte zahlreiche Hotels und mallorquinische Metzgerläden.

Anfang der 90er Jahre kaufte Abel die Discothek "Carussel" (heute "Almrausch") in der Bierstraße, die er mehrere Jahre später mit einer eigenen Hausbrauerei-Anlage bestückte. Im Oktober 1997 geriet er ins Fadenkreuz der Presse. Bei einem Interview mit dem deutschen Privatsender RTL, der ihn über den bis heute ungeklärten Mord an seinem Freund Manfred Meisel befragte, erwähnte Abel, dass er gerade die Gründung einer deutschen Partei auf Mallorca plane. ?Ich suchte damals lediglich nach einer Möglichkeit, die Interessen der auf der Insel lebenden Deutschen besser vertreten zu können", meinte er später. ?Man hat mich dabei missverstanden." Die ?Bild-Zeitung" hatte Abels Randbemerkung sofort aufgegriffen und verkündete bereits am nächsten Tag, dass die politische Machtübernahme von Deutschen auf Mallorca nur noch eine Frage der Zeit sei.

Auf der Insel schlug diese Schlagzeile hohe Wellen. In einigen Orten kam es zu Protestkundgebungen gegen Abel, bei denen sogar zum Boykott seines Unternehmens aufgerufen wurde. Der Presserummel und die öffentliche Kritik an seiner Person wurden Abel schnell zuviel - er begrub die Pläne, auf der Insel politisch aktiv zu werden. 2001 gründete er stattdessen den deutsch-mallorquinischen Kulturverein AAM, der sich seitdem um ein besseres Zusammenleben zwischen Deutschen und Mallorquinern bemüht.

Anfang 2005 überließ Abel schließlich die Führung der Geschäfte seinen vier Kindern und begab sich mit Ehefrau Larissa in seinem Haus in Son Vida in den Ruhestand. In seinem Buch schreibt er: "Ich lebe gerne auf Mallorca. Hier achtet man mich, weil ich meinen Weg ehrlich und ohne falsche Kompromisse gegangen bin."

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