Skandal um Bestechung weitet sich auf Spaniens 1. Fußball-Liga aus

05.12.2008 | 08:52

Der Skandal im spanischen Profi-Fußball um angebliche Bestechung und manipulierte Spielausgänge hat sich ausgeweitet. Nach Berichten über eine mögliche Schiebung im Aufstiegskampf der 2. Liga soll nun auch bei einer Partie der Primera División Korruption im Spiel gewesen sein. Der Präsident des früheren Erstligisten UD Levante, Julio Romero, behauptete gar, die oberste Spitze des spanischen Fußballverbands RFEF sei in die Manipulation eingeweiht gewesen.

"Der spanische Fußball steht möglicherweise vor einem der schwärzesten Kapitel seiner Geschichte", befürchtete das Sportblatt "Marca". Bei der angeblich verschobenen Erstliga-Partie geht es um das Spiel Athletic Bilbao gegen UD Levante (2:0) am letzten Spieltag der Saison 2006/2007. Aus der Tonbandaufnahme eines Telefongesprächs zwischen Romero und Levantes damaligem Kapitän Iñaki Descarga geht hervor, dass UD Levante die Partie gegen Bezahlung absichtlich verlor. Der baskische Traditionsclub Bilbao sicherte sich mit dem Sieg den Klassenerhalt, für Levante ging es um nichts mehr.

Levantes Clubchef sagte nach dem - vom Fernsehsender Popular TV veröffentlichten - Tonband, dass er den RFEF-Präsidenten Angel María Villar von der Schiebung unterrichtet habe. "Er (Villar) sollte sehen, dass wir nicht gegen seine Leute sind", betonte Romero unter Anspielung auf Villars Mitgliedschaft bei Athletic Bilbao. "Wenn wir den Pakt nicht eingehalten hätten, hätten wir unser Leben lang Athletic als Todfeind gehabt."

Die Leidtragenden waren damals die Profis von Celta de Vigo, die ihre drei letzten Ligaspiele gewannen, aber trotzdem abstiegen. Ex- Kapitän Descarga sagte in dem Telefonat: "Wenn Du das Spiel siehst, kommst Du gar nicht auf die Idee, dass es verschoben war. Wir haben sogar mehrere Torchancen herausgespielt."

Aus dem Mitschnitt geht auch hervor, dass nicht alle Levante- Profis an der angeblichen Manipulation beteiligt waren. Strikt dagegen soll nach Angaben der Zeitung "El País" Torwart José Francisco Molina gewesen sein. Der Keeper, der lange Zeit bei Atlético Madrid und Deportivo La Coruña im Tor gestanden hatte, bestritt in Bilbao das letzte Spiel seiner Karriere. Er hielt, was nur zu halten war. Ein Mitglied von Levantes damaligem Trainerstab hatte laut "El País" schon vor Monaten gesagt, dass vor der Partie mehrere Spieler der Elf bestochen worden seien.

Für Levante spielte damals auch Félix Ettien, der kürzlich ein Probetraining beim Bundesligisten Energie Cottbus absolvierte. Der Ivorer sagte dem Sender Radio Marca: "Ich habe damals kein Geld kassiert. Bei meinen Mitspielern weiß ich das nicht." Allerdings hätten ihm damals Kameraden zugerufen, er solle nicht so viel rennen.

Am Montag hatte bereits ein anderes Tonband mit Bestechungsvorwürfen für Wirbel gesorgt. Danach soll beim Aufstieg des FC Málaga in die 1. Liga Bestechung im Spiel gewesen sein. Die Südspanier sollen bei ihrem 2:1-Sieg über CD Teneriffa am letzten Zweit-Liga-Spieltag im Juni 2008 ihrem Gegner Schmiergelder gezahlt haben. Dies jedenfalls behauptete Teneriffas damaliger Profi Jesuli in einem aufgezeichneten Telefongespräch. Er nahm seine Aussage aber später zurück. Die Bestechungsvorwürfe beschäftigen mittlerweile die Justiz. Der RFEF schaltete die Staatsanwaltschaft ein.

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