Finanzskandale werfen Schatten auf Guggenheim-Museum in Bilbao

28.12.2008 | 19:09

Das Guggenheim-Museum in Bilbao galt bislang als ein beispielloser Erfolg. Das an ein riesiges Traumschiff erinnernde Bauwerk des Architekten Frank O. Gehry lockt nicht nur eine Million Besucher pro Jahr in die baskische Industriemetropole, sondern es leitete auch eine wirtschaftliche Wiedergeburt der Stadt im Norden Spaniens ein. Elf Jahre nach der Eröffnung der Pinakothek werfen jedoch Finanzskandale einen Schleier auf den Glanz des Museums.

Das baskische Parlament zog auf der Grundlage des Berichts eines Untersuchungsausschusses nun eine verheerende Bilanz. "Bei den Finanzen des Museums fehlte es an jeglicher Kontrolle", stellten die Abgeordneten fest. Der Hauptverantwortliche für die aufgedeckten finanziellen Unregelmäßigkeiten sei Museumsdirektor Juan Ignacio Vidarte. Diesem mangele es es an "professionellen Qualitäten". Die Opposition forderte den Rücktritt der baskischen Kulturministerin Miren Azkarate.

"Das Guggenheim-Museum in Bilbao setzt Rost an", schrieb die Zeitung "El País" unter Anspielung auf die Dachkonstruktion aus silbern funkelndem Titan. Begonnen hatten die Skandale mit einem missglückten Dollar-Geschäft. Das Museum hatte im Jahr 2004 eine Serie von Werken des US-Bildhauers Richard Serra für 16 Millionen Euro erstanden und den Preis ein Jahr im Voraus in Dollar vertraglich vereinbart. Es setzte darauf, dass der Dollar-Kurs danach ansteigen würde. Der Kurs brach jedoch ein, und durch die "unnötige Spekulation" entstand dem Museum, wie das Parlament nun feststellte, ein Verlust von 8,4 Millionen Euro.

Die Aufdeckung der Dollar-Affäre hatte dazu geführt, dass die Verantwortlichen die Finanzen des Museums genauer unter die Lupe nahmen. Dabei kam heraus, dass der Finanzchef in den Jahren 1998 bis 2005 unbemerkt Gelder aus der Kasse des Museums auf seine privaten Konten geschleust hatte. Der Manager veruntreute insgesamt mehr als eine halbe Million Euro.

Die Stiftung des Guggenheim-Museums in Bilbao wies die Vorwürfe des Parlaments als "überzogen und ungerecht" zurück. Sie stellte sich öffentlich hinter Vidarte und würdigte den "Enthusiasmus und die Professionalität" des Direktors. Vidarte selbst wies darauf hin, dass der Finanzmanager sofort nach der Aufdeckung seiner Unterschlagung entlassen worden sei und einen großen Teil des entwendeten Geldes zurückgezahlt habe.

Die Kulturministerin betrachtet die Kritik des Parlaments als ein vorgezogenes Wahlkampfmanöver. "Die Abgeordneten rühren in der Scheiße, weil (im März) im Baskenland Wahlen anstehen", sagte sie.

Allerdings sorgt im Baskenland noch ein zweiter Kulturskandal für Aufregung, der ebenfalls die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Folge hatte. Dabei geht es um das Prestige-Projekt, ein Museum für die Werke des großen baskischen Modeschöpfers Cristóbal Balenciaga (1895-1972) zu errichten. Das Bauwerk in Balenciagas Geburtsort Getaria sollte 4,8 Millionen Euro kosten und 2003 eingeweiht werden. Das Vorhaben verschlang mittlerweile 20 Millionen Euro und ist längst nicht fertiggestellt.

Im Gegenteil: Die Bauarbeiten ruhen seit mehr als einem Jahr. Die Verantwortlichen, darunter der Ex-Bürgermeister von Getaria, sollen Gelder unterschlagen, falsche Rechnungen ausgestellt und negative Expertengutachten über die Baupläne verheimlicht haben. "Wenn Balenciaga mit seinen Schöpfungen ein solches Pfuschwerk abgeliefert hätte, wie die Planer des Museums für seine Kleidungsstücke dies tun, wäre er nie mehr als ein jämmerlicher Dorfschneider geblieben", schrieb "El País".

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