Spanien

´Reals Watergate´ - Enthüllungen bringen Vereinspräsidenten in Nöte

14.01.2009 | 15:08

Die Enthüllungen über einen angeblichen Wahlbetrug bei Real Madrid bringen den Vereinspräsidenten Ramón Calderón immer mehr in Nöte. Die spanische Sportzeitung "Marca" veröffentlichte am Mittwoch die Namen von zehn "falschen" Delegierten, die auf einer Generalversammlung des spanischen Fußballmeisters dem Clubchef ohne Stimmberechtigung zu einer Mehrheit verholfen haben sollen.

Besonders pikant: Einer dieser Calderón-Anhänger ist nach Darstellung des Blattes eingeschriebenes Mitglied beim Lokalrivalen Atlético Madrid. Die anderen nahmen, wie "Marca" anhand von Fotos dokumentierte, an den Abstimmungen teil, obwohl sie keine gewählten Delegierten und einige nicht einmal Real-Vereinsmitglieder waren.

Calderón werde es ähnlich ergehen wie dem früheren US-Präsidenten Richard Nixon, der aufgrund der Enthüllungen in der Watergate-Affäre zurücktreten musste, prophezeite Spaniens auflagenstärkste Zeitung. "Dieser Skandal riecht ganz nach dem Watergate des Real-Präsidenten."

Die Generalversammlung der "Königlichen" hatte am 7. Dezember 2008 unter chaotischen Umständen und mit knapper Mehrheit Calderóns Budget für die vorige und die laufende Saison bewilligt. Die Zeitung wirft dem Real-Präsidenten vor, bei dem Treffen gezielt eigene Leute eingeschleust zu haben, um sich die Mehrheit zu sichern. Nach spanischem Gesetz kann Wahlschwindel mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Der Clubchef wies den Vorwurf des Wahlbetrugs zurück. "Ich schwöre bei meiner Ehre, dass ich die Abstimmung nicht manipuliert habe", sagte er dem Radiosender Cadena SER. Allerdings bestritt der Real- Präsident nicht, dass es bei der Versammlung zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. Damit habe er aber nichts zu tun gehabt. Einen Rücktritt schloss er aus. Allerdings sei offen, ob er bei der nächsten Präsidentenwahl in anderthalb Jahren kandidieren werde. "Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, würde ich nein sagen."

Real hatte eine Untersuchung des angeblichen Wahlschwindels angekündigt. Allerdings meinte "Marca": "Wenn die Ermittlungen ernsthaft geführt werden, muss Calderón sich selbst aus dem Verein ausschließen."

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