Sant Antoni: An diesem Wochenende geht es in Sa Pobla heiß her

16-01-2009  
Bei Sant Antoni haben die Teufel das Sagen.
Bei Sant Antoni haben die Teufel das Sagen. Foto: DM

KARL-HEINZ EIFERLE Versteckter und finsterer könnte der Treffpunkt für ihre Zusammenkünfte kaum sein. Ein dunkler Weg führt zu einem kleinen Raum unter der Zuschauertribühne des Fußballstadions von Sa Pobla. Wer ihn nicht kennt, findet die unbeschriftete Türe nie. Die Wände sind nackt und unverputzt. Ein kleiner Elektroradiator versucht erfolglos, gegen die kalte Nacht anzuheizen. Wasser tropft in die Katakombe, und das "Wischkommando" kommt mit seinen Schwämmen und Feudeln kaum nach, den Boden wenigstens halbwegs trocken zu halten. Vielleicht ist es in der Hölle nicht gemütlicher, aber wärmer und trockener ist es dort bestimmt.

Doch derlei Widrigkeiten des irdischen Daseins stören die Teufel von Sa Pobla nicht. Mit langen Stöcken schwingend, tanzen elf Männer um einen Zwölften in deren Mitte herum. Einige Frauen singen dazu alte Weisen. Für ­Außenstehende ist das ein eher befremdliches, bizarres Ringelreihen. Die Teufel tragen bei ihrem Training Jeans und karierte Hemden.
Seit Wochen schon treffen sie sich an diesem unwirtlichen Ort, weit außerhalb des Dorfes. Zuerst wöchentlich, mit zunehmender Nähe des Sant-Antoni-Festes deutlich öfter. Schließlich soll am 16. Januar, dem großen Tag der dimonis, alles sitzen. Dann ziehen sie den ganzen Tag tanzend durch die Straßen von Sa Pobla.

Dafür, dass beim Fest im wortwörtlichsten Sinne keiner aus der Reihe tanzt, sorgt Manolo Sánchez (46). Zumindest in der Theorie. Seit nunmehr fast 30 Jahren hält er aktiv die Teufelstradition im Dorf aufrecht. Die Hälfte davon als Chef der Truppe. Manolo zeigt auf einen Stadtplan in seinen Händen, der mit kleinen Kugelschreiberkreisen übersät ist. Um die 60 Stellen sind darauf markiert. An jedem Kringel ist bei der ­Fiesta der Teufel los.

"Doch im Prinzip", sagt Manolo, "ändert sich von Fest zu Fest nicht viel." Hin und wieder würden neue Lieder eingeführt. Sonst tanzten die Teufel um den heiligen Antonius herum, erschreckten Kinder und brächten Frauen zum Kreischen. "So wie sie das in Sa Pobla schon seit 75 Jahren am Tag des heiligen Antonius tun."

Der Legende nach widerstand Antonius allen irdischen Versuchungen. Als er als Eremit in der Wüste lebte, hatte er Visionen. Der Satan zeigte sich ihm mal als schwarzer Knabe, mal als verführerische Frau. Dämonen präsentierten ihm alle erdenklichen Reichtümer. Der Teufel erschien ihm auch in Form von tierischen Bestien, um ihn zu peinigen und zu quälen. Doch Antonius ließ sich nicht von seinem gottergebenen Leben abbringen. Er scharte Schüler um sich, wurde der erste christliche Mönch und Abt. Daher auch sein Name: Antonius Abbat.
Auf Bildern ist dieser Antonius Abbat häufig mit einem Schwein abgebildet. Er gilt deshalb unter anderem als Schutzpatron der Bauern und Nutztiere, der Schweinehirten und Metzger - daher auch die Tradition der Tiersegnungen. Sa Pobla ist das landwirtschaftliche Herz Mallorcas.

Diesen Antonius Abbat - sowie stellvertretend den Rest der bei der Fiesta versammelten Menschheit - zu peinigen, das nun ist Aufgabe von Manolo und seinen elf Teufeln. Früher habe er noch versucht, eine gewisse Ordnung in den Ablauf zu bringen, aber das hat er schon lange aufgegeben. "Die Choreografie klappt nur im Übungsraum." Und selbst da nicht immer. "Auf der Straße sind dann alle außer Rand und Band. Teufel lassen sich halt nicht bändigen."
Zumal sie sich ja auch unters Volk mischen. Auch das ist teilweise maskiert. Wenngleich die caparrots genannten Figuren nicht die lange Tradition der dimonis haben, gehören sie doch schon seit vielen Jahren zum festen Bestandteil der Sant-Antoni-Fiesta im Ort. Es sind Figuren mit überdimensional großen Köpfen, deren Motive frei erfunden sind - oder aber von Walt Disney kopiert wurden. Sie sollen das teuflische Fest ein wenig auflockern. Jeder im Ort kann sich unter den Masken verstecken. Vor dem Fest wird unter den zahlreichen Bewerbern ausgelost, wer auf der Fiesta schwitzen darf. Auch Kinder ziehen mit kleineren Gips- und Pappmaschee-Köpfen
durchs Dorf.

Und so ist die Hölle los, beim Sant-Antoni-Fest in Sa Pobla. In den 30er Jahren waren es nur zwei bis drei Teufel, die durch den Ort zogen. Heute ist es ein gutes Dutzend. Die Zeiten ändern sich. Die alten Masken werden zwar immer noch getragen, aber es sind auch neue hinzugekommen. Manolo Sánchez trägt als Meister das einzige schwarze Kostüm in der Gruppe, die anderen sind rot. Und manche schleppen sich richtig ab.
"Die schwerste Maske wiegt mehr als 30 Kilo." Ihr Träger tanzt nicht. Das ginge in dem Aufzug nicht. Schon ein normaler Teufel verliere am Sant-Antoni-Tag bereits zwischen zwei und drei Kilo Körpergewicht. Der Dicke mit der 30-Kilo-Maske würde acht Stunden tanzen, rennen und erschrecken wohl nicht überleben, meint Manolo Sánchez.

Dass so viel Umtrieb hungrig macht, versteht sich von selbst. Zu Abend gegessen wird aber erst nach dem großen Feuerwerk am Rathaus. Dann laden sich viele poblers, wie die Bewohner von Sa Pobla genannt werden, gerne gegenseitig zu den traditionellen und nicht minder deftigen espinagadas ein. Dabei handelt es sich um Hefeteigtaschen, die mit Spinat, Mangold und Schweinelenden gefüllt sind. Oder auch mit Aalen, die ursprünglich in der nahe gelegen Albufera gefangen wurden, heute aber eher vom spanischen Festland importiert werden.
Nur über die Feuer springen, das tun die Teufel von Manolo Sánchez nicht. Da gebe es ein zu hohes Restrisiko. In anderer Hinsicht hat die teuflische Gruppe keine Überlebenssorgen. An Nachwuchsteufeln herrscht kein Mangel. "Aber die meisten bleiben lange bei uns. Der eine fünf Jahre, der andere zehn, wieder andere noch länger." Je nach dem, wann familiäre oder berufliche Verpflichtungen dem teuflischen Spaß ein Ende setzen. Teufel sind wie Fußballer. Irgendwann setzen auch sie sich zur Ruhe.

Auch wenn Sa Pobla besonders spektakulär feiert, das Exklusivrecht auf Sant Antoni hat das Dorf natürlich nicht. In vielen Inselgemeiden wird zu Ehren des Heiligen ein großes Fest veranstaltet.

Freitag, 16. Januar:
10 Uhr: Holz für die Lagerfeuer wird zusammengetragen
15 Uhr: Die Teufel beginnen mit ihren Tänzen quer durch den Ort
19.00 Uhr: Offizielle Fest-eröffnung am Rathausplatz
20.00 Uhr: Messe
21.30 Uhr: Umzug mit Teufeln und Maskengruppen
22 Uhr: Großes Feuerwerk am Rathaus
22.15: Tanz und Umzug der Teufel und Maskengruppen

Samstag, 17. Januar:
15.30 Uhr: Tiersegnung vor der Kirche
16.30 Uhr: Fest-Umzug


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