Spanien

´Wilddieb´ im spanischen Kabinett - Jagd bringt Minister um sein Amt

24-02-2009  
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Für die prominenten Besucher hatte die Dorfbürgermeisterin von Torres eigens einen Feldweg asphaltieren lassen. Spaniens Justizminister Mariano Fernández Bermejo und der Ermittlungsrichter Baltasar Garzón hatten sich zu einem Jagdausflug in der südspanischen Ortschaft angesagt. Sie machten reichlich Beute: Die Jagdgesellschaft erlegte acht Mufflons und fünf Wildschweine. Die Jagdpartie vor zwei Wochen sollte jedoch Folgen haben - nicht nur für das erlegte Wild. Der Minister sah sich aufgrund des Ausflugs gezwungen, sein Amt in der Regierung niederzulegen.

Sechs Tage vor den mit Spannung erwarteten Regionalwahlen in Galicien und im Baskenland musste nun Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sein Kabinett umbilden. Der Sozialist ernannte am Montag den Verfassungsrechtler Francisco Caamaño Domínguez zum neuen Justizminister.

Für Bermejo hatte sich das gemeinsame Jagdvergnügen mit Garzón als ein schwerer politischer Lapsus erwiesen. Spaniens berühmtester Richter ermittelt nämlich in einem Korruptionsskandal, in den mehrere Politiker der oppositionellen Volkspartei (PP) verwickelt sein sollen. Als die Jagdpartie publik wurde, äußerte die konservative PP sogleich den Verdacht, auf der Pirsch habe der Minister mit dem Richter ausgekungelt, wie der politische Gegner mit Korruptionsvorwürfen in Verruf gebracht werden könne. Der PP-Parlamentarier Federico Trillo hielt den beiden Hobbyjägern vor: "Bei Ihnen sieht es ganz so aus, als visierte der eine das Ziel an und der andere drückte ab."

Aber damit nicht genug. Es stellte sich nämlich heraus, dass Bermejo ("Mit dem Jagdgewehr verstehe ich umzugehen") zwar ein erfahrener Weidmann ist, für die südspanische Region Andalusien aber keinen Jagdschein besitzt. Nun droht ihm eine Geldbuße von bis zu 4000 Euro. Obendrein musste sich der 61-Jährige von den Konservativen als "Wilddieb" verhöhnen lassen.

Die Jagdpartie wurde für die PP zur wichtigsten Waffe im Wahlkampf in Galicien und im Baskenland. Den regierenden Sozialisten (PSOE) war die Sache äußerst peinlich. "Ein Minister sollte bei einer Jagd die erforderliche Lizenz besitzen, ebenso wie man zum Autofahren einen Führerschein benötigt", meinte der PSOE-Vizeparteichef José Blanco.

Bermejo war Konflikten nie aus dem Wege gegangen, weder als Staatsanwalt noch später als Minister. Mit seiner ruppigen Art brachte er Spaniens Richter gegen die Regierung auf, so dass diese erstmals in der Geschichte des Landes in den Streik traten. Als junger Mann hatte der Minister in einer Pop-Band am Bass gespielt und zwei Schallplatten aufgenommen. Zudem war er als Fußballer so erfolgreich auf Torejagd gegangen, dass er beinahe ins Profi-Lager gewechselt wäre.

Die Aufregung um den Jagdausflug nahm derweil Garzón so sehr mit, dass der Richter am vorigen Wochenende wegen eines Angstanfalls im Krankenhaus behandelt werden musste. Dabei war der Jurist bislang vor niemandem zurückgeschreckt. Er ermittelte gegen ETA-Terroristen, Drogenkartelle und ehemalige Militärherrscher in Lateinamerika. Vor gut zehn Jahren erwirkte er die Festnahme des chilenischen Ex- Diktators Augusto Pinochet.

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