Spanien

Spaniens Bischöfe machen gegen Reform der Abtreibungsgesetze mobil

19.03.2009 | 09:11

Im Kampf gegen eine Reform der Abtreibungsgesetze in Spanien greift die katholische Kirche zu einem drastischen Vergleich: Pflanzen und Tiere seien im Land besser geschützt als das ungeborene menschliche Leben. Die spanischen Bischöfe verweisen dabei auf die strengen Schutzbestimmungen für den vom Aussterben bedrohten Pardelluchs. Im ganzen Land lässt die Bischofskonferenz Plakate kleben, auf denen ein kleiner Luchs und ein Baby zu sehen sind. Dem Menschenkind werden die Worte in den Mund gelegt: "Und ich? Schütze mein Leben!"

Der Sprecher der Bischofskonferenz, Juan Antonio Martínez Camino, begründete die Aktion so: "Es ist gut, dass Tiere geschützt werden. Aber das ungeborene Leben eines menschlichen Wesens muss einen noch besseren Schutz erhalten." Spanische Tierschützer bezeichneten die Kampagne als "geschmacklos". Christdemokratische Parteien wie die der katalanischen und baskischen Nationalisten gingen auf Distanz zu den Bischöfen und wiesen die Plakataktion als "extremistisch" zurück.

Die Kampagne der Kirche richtet sich gegen Pläne der Regierung, die bisher in Spanien geltende Indikationsregelung durch eine Fristenlösung zu ersetzen. Nach dem von einem Expertenkomitee vorgelegten Reformentwurf sollen Abtreibungen bis zur 14. und in Sonderfällen bis zur 22. Woche der Schwangerschaft erlaubt werden. 16- und 17-jährige Teenager sollen Schwangerschaftsabbrüche ohne Erlaubnis der Eltern vornehmen lassen dürfen.

Die Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hatte lange Zeit einen Bogen um das heikle Thema der Abtreibung gemacht. Zapateros Sozialisten (PSOE) hatten in ihrem Wahlprogramm 2004 eine Reform versprochen, das Versprechen dann aber nicht eingelöst. Die Beziehungen zur katholischen Kirche waren aufgrund der Legalisierung der Homo-Ehe schon gespannt genug, so dass Zapatero sich keinen zusätzlichen Ärger mit den Bischöfen einhandeln wollte. In seiner zweiten Amtszeit wagt der Regierungschef sich nun doch an das heiße Eisen heran. Im Verhältnis zur Kirche drohen nun wieder stürmische Zeiten. Dabei hatten beide Seiten sich zuletzt um eine Entspannung bemüht, aber die Ruhe sollte nur von kurzer Dauer sein.

Bisher gilt in Spanien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine restriktive Regelung. Nach dem Gesetz aus dem Jahr 1985 sind Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich verboten und nur in drei Ausnahmefällen straffrei: bei Vergewaltigungen, bei Missbildungen des Fötus sowie bei Gefahren für die physische oder psychische Gesundheit der Frau. Das Gesetz wird in der Praxis jedoch eher lasch angewandt. Pro Jahr werden in Spanien über 110 000 Abtreibungen vorgenommen, zumeist auf einer rechtlich unsicheren Grundlage. In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als 30 Ärzte und schwangere Frauen wegen illegaler Abtreibungen verurteilt.

Mit der Reform will die Regierung nun Rechtssicherheit schaffen. "Niemand ist für Abtreibungen", sagte der sozialistische Fraktionschef José Antonio Alonso. "Aber Frauen, die die schwere Entscheidung eines Schwangerschaftsabbruchs getroffen haben, dürfen nicht obendrein mit Haft bestraft werden." Die konservative Volkspartei (PP) ist gegen die Reform. "Damit wird jungen Leuten der falsche Eindruck vermittelt, als wären Abtreibung eine Form der Empfängnisverhütung", meinte die PP-Fraktionschefin Soraya Sáenz de Santamaría. Allerdings schlagen die Konservativen in der Debatte einen längst nicht so harschen Ton an wie die Bischöfe. Die PP weiß, dass ein Teil ihrer Wähler für eine Fristenlösung ist.

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