Spanien feiert Ende der Eiszeit in US-Beziehungen

08-04-2009  

Auf diesen Moment hatte Spanien fünf Jahre lang gewartet. US-Präsident Barack Obama legte dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero die Hand auf die Schulter und sagte: "Ich bin froh, ihn einen Freund nennen zu können." Das Treffen am Rande des Gipfels der Europäischen Union und der USA in Prag markierte das Ende der "Eiszeit" in den Beziehungen zwischen Madrid und Washington. Es war die erste offizielle Begegnung des spanischen Regierungschefs mit einem US-Präsidenten.

Obamas Vorgänger George W. Bush war Zapatero stets aus dem Weg gegangen. Er hatte sich von dem Sozialisten brüskiert gefühlt und dies dem Spanier nie verziehen. Zapatero war in Washington bereits unangenehm aufgefallen, als er noch nicht Regierungschef war. Bei einer Militärparade zum spanischen Nationalfeiertag blieb der damalige Oppositionschef aus Protest gegen den Irak-Krieg auf seinem Stuhl sitzen, als die US-Flagge vorbeigetragen wurde.

Nach seinem ersten Wahlsieg im März 2004 ordnete er den Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak an. Damit nicht genug: Wenig später rief er andere Länder dazu auf, dem Beispiel Spaniens zu folgen. 2005 vereinbarte Zapatero ein Waffengeschäft mit Venezuela. Der Deal wurde von den USA gestoppt, weil die zum Verkauf angebotenen Flugzeuge amerikanische Technologie enthielten.

Zapatero wartete fast fünf Jahre lang vergeblich auf eine Einladung nach Washington oder einen Anruf des US-Präsidenten. Bei internationalen Gipfeltreffen ließ Bush es bei einem lakonischen "Holá amigo" (Hallo, mein Freund) bewenden, wechselte ansonsten aber kaum ein Wort mit dem Spanier. Der spanische König Juan Carlos versuchte vergeblich, die Beziehungen zu Washington zu verbessern.

Das Treffen von Obama und Zapatero dürfte nun eine neue Ära in den Beziehungen zwischen den USA und Spanien einleiten. Beide Politiker scheinen sich auch persönlich gut zu verstehen. Obama und Zapatero hatten konservative Machthaber abgelöst und eine neue Form des Regierens versprochen. Beide haben am 4. August Geburtstag und teilen die Leidenschaft für den Basketball. "Wir sollten mal ein paar Bälle auf den Korb werfen", stachelte Zapatero den US-Präsidenten an.

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