934 Maßnahmen für mehr Katalanisch

01.04.2009 | 10:31

Die Mitte-Links-Regierung der Balearen bereitet eine weitere Offensive zum verstärkten Gebrauch des Katalanischen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens auf den offiziell zweisprachigen Inseln vor. Der Maßnahmen-­Katalog aus der Sprachpolitik-Abteilung des Govern soll am 2. April als ?Plan de Normalización Lingüistica" verabschiedet werden.

Dann hat die Leiterin der Sprachbehörde, Margalida Tous, freie Hand. Tous´ Partei, die PSM, zählt zu den eifrigsten Sprachförderern auf Mallorca und hat das Projekt maßgeblich vorangetrieben. Unterstützt wird es aber von allen Parteien des Bündnisses, wie Regierungssprecherin Joana Barceló (PSOE) betonte. Mit den Maßnahmen solle das Gesetz zur sprachlichen Normalisierung aus dem Jahr 1986 umgesetzt werden und Aspekte, die darin nicht behandelt sind, ebenfalls geregelt werden.

Die Liste ist lang, insgesamt werden 934 Sprachziele verfolgt. So will die Balearen-Regierung beispielsweise erreichen, dass Fernseh- und Radiostationen auf den Inseln mindestens 50 Prozent ihres Programms auf Katalanisch senden. Auch sollen private Unternehmen, Gewerkschaften und Banken mit Subventionen dazu angeregt werden, Katalanisch sprechende Mitarbeiter einzustellen und Texte auf Katalanisch zu verfassen.

Neu im Fokus der Katalanisch-Förderer sind Kirche, Justiz und Sport: Nach den Vorschlägen der Regierung soll etwa das Bistum eine bestimmte Anzahl von Messen in katalanischer Sprache garantieren. Auch im Religionsunterricht und weiteren Bildungs- oder Freizeitangeboten der Kirche soll Katalanisch gesprochen werden. Um dies zu erreichen, sollen neu eingestellte Dozenten und Betreuer der Kirche Katalanischkenntnisse vorweisen.

Ähnliches ist für den Sportbereich vorgesehen. So sollen Sprachschützer den Gebrauch des Katalanischen in Vereinen vorantreiben, die Vergabe von Subventionen mit einer Katalanisch-Pflicht gekoppelt werden und sämtliche Funktionsträger wie Ausbilder und Trainer zum Nachweis von Katalanisch-Kenntnissen verpflichtet werden.

Besorgt sind die Sprachförderer aber offenbar auch um die Außenwirkung des Katalanischen. Gemäß der Pläne sollen Internetseiten von Behörden künftig durchweg statt mit .es mit .cat enden. Die Ortsangabe bezieht sich auf den Verbund der sogenannten Països Catalans (Katalanischen Länder), zu dem auch Katalonien und Valencia gerechnet werden.

Mit einer Eingabe bei der Zentralregierung soll erreicht werden, dass künftig staatliche Dokumente wie Ausweis, Führerschein, Briefmarken und Lottoscheine neben Spanisch auch in den Regionalsprachen beschriftet werden. Kurios erscheint ein weiterer Vorschlag: Mit TV-Serien und Comics soll Rest-Spanien ?über die historische, kulturelle und sprachliche Realität des Katalanischen" auf den Balearen informiert werden.

Die konservative Volkspartei (PP) hat sich gegen die Umsetzung der Vorschläge bereits in Stellung gebracht. Die geplanten Maßnahmen würden zu einer Spaltung der Gesellschaft auf den Balearen führen, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der Partei auf den Balearen, José Ramón Bauzà. Der Sprachgebrauch würde damit nicht mehr natürlich sein. Die Balearen-Regierung mache aus der Sprache Konfliktstoff, kritisierte Soraya Sáenz de Santamaría, PP-Sprecherin im spanischen Parlament.

Indessen wird im Gesundheitsbereich bereits heftig um die Verwendung des Katalanischen gestritten. Gemäß einer neuen Verordnung sollen die Angestellten von IB-Salut spätestens in zwei Jahren Kenntnisse der Stufe B (Mittelstufe) nachweisen müssen. Die Gewerkschaften der Ärzte und des Pflegepersonals machen gegen diese Vorschrift mobil. Der Generalsekretär der Ärzte-Gewerkschaft, Isidre Torres, kritisierte, dass die Regelung gesuchte Spezialisten abschrecken könnte, nach Mallorca zu kommen. ?Die Balearen sind dadurch keine gastfreundlichen Inseln mehr." Es könne nicht sein, dass nach vielen Berufsjahren die berufliche Zukunft von den Katalanisch-Kenntnissen abhänge. Nach Protesten im vergangenen Herbst wollen Ärzte und Pflegepersonal am 1. April in Palma erneut gegen die Verordnung demonstrieren.

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