Tourismus

Betrunken nach Mallorca: Promille-Check vor Abflug

13.05.2009 | 17:48

Montagmorgen (4.5.) in München, der Condor-Flug DE 7366 ist voller Mallorca-Reisender. Alle sitzen schon auf ihren Plätzen. Da meldet sich der Pilot aus dem Cockpit. „Unser Abflug nach Palma verzögert sich noch leicht. Wir müssen das Gepäck eines Passagiers ausladen. Der Mann war sehr stark betrunken und wir haben uns entschlossen, ihn nicht mitzunehmen."

Da wartet man doch gerne ein paar Minuten. Wer will schon mit einem potenziellen Sicherheitsrisiko im Flugzeug sitzen. Betrunkene, Pöbler oder geistig Verwirrte können Besatzung und Gäste nicht nur belästigen, sondern zu einer echten Gefahr werden. Im Extremfall muss zwischengelandet werden, um einen Störer abzuladen. Vorfälle dieser Art kommen immer öfter vor. „Es gibt zunehmend Probleme mit verhaltensauffälligen Passagieren", sagt Martin Gaebges, Generalsekretär des Airline-Verbandes Barig. Als Vertreter von fast allen in Deutschland aktiven Fluglinien bekommt Gaebges Informationen von Branchen-Insidern.

Die Fluggesellschaften selbst sprechen nicht gern über unangenehme Passagiere. Absolute Einzelfälle seien das, sagen die beliebten Mallorca-Airlines Air Berlin, Condor, Germanwings und Tuifly übereinstimmend. Statistiken darüber würden nicht geführt. „Es kommt vor, dass Leute beim Check-in so stark alkoholisiert sind, dass sie nicht mitgenommen werden. Auch an Bord gab es schon alkoholisierte Mitreisende, die aber den Anweisungen der Crew folgten", sagt Air Berlin-Sprecherin Diane Daedelow.

Für den Ernstfall hält die Crew Handschellen bereit. Konkrete Vorfälle auf Mallorca-Flügen kann Daedelow nicht benennen. Dabei können Vielflieger meist von diversen Erfahrungen mit Urlaubern berichten, die sich auf dem Weg zum Ballermann schon über den Wolken in Stimmung bringen oder mit deutlicher Fahne am Check-in aufkreuzen.

„Wenn jemand Alkohol getrunken hat, ist das noch kein Grund, die Mitnahme zu verweigern. Das passiert dann, wenn jemand offenbar zur Gefahr für sich und andere werden kann. Wenn sich jemand zum Beispiel im Flugzeug übergeben muss, kann man nicht sofort ärztliche Behandlung organisieren", erklärt Condor-Sprecherin Nina Kreke. Die Crew werde in ihrer Ausbildung aber auch auf derartige Probleme vorbereitet.

Bekannt für Alkoholexzesse im Flugzeug sind vor allem Passagiere aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Beim Versuch, eine unangenehme Situation an Bord zu vermeiden, kam es am vergangenen Montag (4.5.) zu mächtig Ärger am Frankfurter Flughafen. Der böse Bube war in diesem Fall kein Geringerer als der ukrainische Innenminister Juri Luzenko. Der 44-Jährige und sein Sohn Oleksandr (19) waren auf dem Weg nach Südkorea in Frankfurt zwischengelandet. Als der Pilot den offensichtlich stark alkoholisierten Ukrainern den Weiterflug verweigerte, wurden die Männer aggressiv und schließlich von der Polizei abgeführt. Die Lufthansa sprach von Fluggästen, die „deutlich randalierten".

Für Schlagzeilen sorgte auch ein betrunkener Manager im Oktober 2006 auf einem KLM-Flug von Amsterdam nach Hof. Der Mann ärgerte sich über eine geänderte Flugroute und beschimpfte und bedrohte den Piloten, so dass sich dieser dazu gezwungen sah, den eigentlich gestrichenen Zwischenstopp in Augsburg durchzuführen. Dort wurde der 55-jährige Mann festgenommen. Ein 46-Jähriger wütete im Februar 2006 bei einem LTU-Flug von München nach Bangkok so sehr, dass er gefesselt werden musste. Der Betrunkene beleidigte Crew-Mitglieder, schlug seinen Vordermann und brüllte: „Ich will Schnaps."

Aber auch nüchterne Passagiere können zum Problem für Besatzung und Mitreisende werden. „Die Leute rauchen auf der Toilette oder auch ganz offen, sie schalten ihre Handys nicht aus, schnallen sich nicht an oder fangen an, andere Fluggäste zu belästigen, bis hin zu Handgreiflichkeiten", sagt Jörg Handwerg, Lufthansa-Pilot und Sprecher der Vereinigung Cockpit. Die Crew versucht, negativ auffallende Passagiere idealerweise schon vor dem Abflug auszumachen. „Die Kollegen schauen sich die Leute bei der Begrüßung gut an."

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