MZ VOR ORT 

Tränen und Wutausbrüche auf Demo in Palmanova

03-08-2009  
Demonstration auf Mallorca: Tausende gegen die ETA.
Demonstration auf Mallorca: Tausende gegen die ETA. Foto: Efe

SILKE DROLL Ein wütender Mann hält ein Plakat mit den Gesichtern ermordeter ETA-Opfer in die Fernsehkameras. „Wie lang soll das noch weitergehen", schreit er mit hochrotem Gesicht. Er ist einer von rund 4.000 Bürgern auf Mallorca, die am Freitagabend (31.7.) zur Trauer-Kundgebung in Palmanova gekommen sind, nachdem am Vortag zwei Menschen bei dem Attentat ums Leben gekommen waren . Es ist 19 Uhr abends, aber noch heiß wie am Nachmittag - eigentlich Strandwetter. Aber die Bombe, die zwei Guardia Civil-Beamten das Leben kostete, treibt die Menschen auf die Straße. Die jungen Männer waren das 822. und 823. Opfer der seit Jahrzehnten in Spanien mordenden ETA, beim ersten Attentat der Gruppe mit tödlichem Ausgang auf Mallorca.

„Es ist das mindeste, was wir tun können", sagt Maria Redondo (52). Die Hotel-Angestellte wohnt ganz in der Nähe und hat die Explosion auf dem Weg zur Arbeit gehört. „Wir haben einen Riesen-Schrecken bekommen", sagt sie. Jetzt steht sie mit ihrer Tochter Cristina (20) in mitten der Menschenmenge. Immer wieder werden Schreie laut: „Mörder!" - Klatschen. „Es lebe die Guardia Civil!" – Klatschen. „Todesstrafe für Terroristen!" – Klatschen. Manche haben sich in schwarz gekleidet oder tragen Trauerschleifen. Einige tragen Plakate oder die spanische Fahne. Viele Medien sind da, darunter auch die deutschen Fernsehsender ZDF und N24.

In unmittelbarer Nähe zur alten Guardia-Civil-Kaserne des Orts ist ein Podium aufgebaut worden. Dort versammeln sich Balearen-Präsident Francesc Antich, der Präsident des Baskenlandes Patxi López, die Generalsekretärin der sozialistischen Partei Leire Pajín und der Vertreter der Zentralregierung auf den Balearen, Ramón Socias. Der Bürgermeister Calviàs, Carlos Delgado (PP), verurteilt schließlich in einem Manifest die Attentate. Dabei richtet er sich auch speziell an Ausländer und Touristen. Wer nach Mallorca komme, könne sich hier zuhause fühlen. „Wir sind eine friedliche Gesellschaft." Seine kurze Rede beendet er mit dem Ruf „Es lebe die Guardia Civil, es lebe der König, es lebe Spanien!"

Danach ergreift einer der Brüder des ermordeten Mallorquiners Diego Salva das Mikrofon. „Gestern morgen bin ich noch mit sieben Geschwistern aufgewacht" sagt er. Eine junge Frau, offenbar die Freundin des ETA-Opfers, bricht in lautes Schluchzen aus. Sie wird ebenfalls nach vorne geführt und sagt: „Das einzige, worum ich bitte, ist Gerechtigkeit. Man hat mir genommen, was ich am meisten liebte – Diego Salva." Die Menschen klatschen, dann tritt Stille ein.

In den Gesichtern liegt Betroffenheit. Für viele ist die Kundgebung zu schnell vorüber gegangen. Ein Demonstrationsmarsch war nicht vorgesehen. Dennoch ziehen einige weiter zur Kaserne, dem Ort des Attentats. Andere bleiben noch lange stehen, fangen an, über das zu reden, was sie erst allmählich begreifen. „Wir haben doch immer geglaubt, hier, auf der Insel kann das nicht passieren. Auf so einen Anschlag sind wir überhaupt nicht vorbereitet", sagt die 72 Jahre alte Ana Martín Marroig aus Illetes. Andere diskutieren weiter darüber, wie die Terror-Organisation endlich zerschlagen werden kann. Frauen beginnen heftig zu streiten. Die Nerven liegen blank. Der Mann mit dem Plakat mit den Gesichtern der ETA-Opfer schreit, dass die Angehörigen der Terroristen getötet werden sollen. „Damit sie wissen, wie sich das anfühlt."

Am Rand der Menge steht die Schwedin Josefine mit zwei Freundinnen. Sie streicht einem der Guardia Civil-Beamten, die zur Absicherung der Kundgebung gekommen sind, tröstend über den Arm, gibt ihm einen Kuss. „José ist mein Freund, er arbeitet in der Kaserne, wo das Attentat passiert ist. Der Schmerz ist riesig", sagt sie. Jetzt wolle er alles dransetzen, die Mörder seiner Kollegen zu finden. Josefine spricht ein bisschen deutsch. Sie trällert auf einmal „Ein bisschen Frieden", das Lied mit dem Nicole 1982 den Grand Prix gewonnen hat und dann erzählt sie noch, dass eine Gruppe Deutscher dem Guardia-Civil-Beamten in Palmanova eine besonders schöne Beileidskarte geschrieben hat.

Wegen des Attentats wurden unterdessen auch mehrere Dorffeste auf Mallorca abgesagt, die am Wochenende stattfinden sollten. Betroffen sind unter anderem die Ortsfeste von Maioris, Cala Pi, Vallgornera, Es Pas und Llucmajor. Auch Konzerte und Ausstellungen in Palma wurden abgesagt.

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