Blonder Fiesling auf Mallorca: Schauspieler Götz Otto im Interview

08.07.2009 | 16:41
In Wahrheit ganz lieb: der Schauspieler Götz Otto.
In Wahrheit ganz lieb: der Schauspieler Götz Otto.

Der Schauspieler Götz Otto (41) ist dem Kinopublikum insbesondere als wasserstoffblonder Fiesling aus dem Bond-Film „Der Morgen stirbt nie" von 1997 bekannt: „Stamper" ist der Assistent des machtgierigen Medienunternehmers Elliot Carver und macht Bond-Darsteller Pierce Brosnan über den Dächern von Hamburg das Leben schwer. Im Repertoire hat Otto aber auch andere Rollen – zum Beispiel als Beinahe-Lover von Penélope Cruz. Der Sohn eines Bäckers aus dem hessischen Dietzenbach ist verheiratet und hat vier Kinder. Auf Mallorca engagiert er sich für die Delphin-Therapie.

Wie wurden Sie zum Nachfolger des legendären ´Beißers´ aus den historischen James-Bond-Filmen?
Zum ersten Casting am Piccadilly Circus in London wurde ich von einem livrierten Chauffeur mit der Limousine abgeholt. Ich hatte 20 Sekunden Zeit für meine Vorstellung mit den Worten ´I´m big. I´m bad, I´m bold. I´m German. That´s five seconds, keep the rest.´ Das kam bei der jungen Produzentin offensichtlich nicht schlecht an, obwohl ich damals ´nur´ Theater-Schauspieler war.

Wann spielen Sie bei Bond wieder einmal den Fiesling?

Leider nie wieder, denn ich bin ja tot. Am Ende von ´Der Morgen stirbt nie´ explodiere ich mit einer Cruise Missile. Genauso wie die Bond-Girls sind die Bösen immer nur einmal mit dabei. Einzige Ausnahme war Richard Kiel. Er durfte zweimal den Beißer spielen. Gefühlt dürften es für das Publikum zwar 44 Mal gewesen sein. Tatsächlich gab es den Beißer aber nur in ´Der Spion, der mich liebte´ sowie in ´Moonraker´ Ende der 70er Jahre.

Wer war für Sie der beste Bond aller Zeiten?
Sean Connery war für mich eine Bond-Ikone. Danach hat jeder Darsteller eine eigene Figur kre-iert und auf seine Art auch gelungen interpretiert. Daniel Craig hat mir in ´Casino Royale´ ganz gut gefallen. ´Ein Quantum Trost´ war nicht so mein Geschmack, weil der Film sehr ernst, böse und tough ist und wahnsinnig viel Action bringt. Auf der anderen Seite fehlen ganz viele Sachen, zum Beispiel der Witz und der Tüftler ´Q´ mit seinen technischen Tricks. Das sind aber genau die Dinge, die den geistreichen Charme von Sean Connery oder Roger Moore ausgemacht haben. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Worin liegt die Faszination der Bond-Filme?
Die Handlung ist irgendwie größer als das normale Leben. Außerdem wurde mit Bond das Genre Action-Film ganz neu erfunden. Auch heute bedienen sich noch ganz viele Produktionen an diesem Grundmuster.

Was hat sich bei James Bond verändert?
Vor allem die Bösewichte. Statt schwarz-weiß sind sie jetzt eher grau. Die negativen Figuren werden viel differenzierter und anspruchsvoller. ´Dominic Greene´ alias Mathieu Amalric im neuesten Film gibt sich ja zum Beispiel als Umweltschützer und Menschenfreund.

Ein KZ-Scherge in ´Schindlers Liste´, SS-Mann Otto Günsche in ´Der Untergang´. Warum spielen Sie immer die Bösen?
Das kann man sich als Schauspieler nicht immer aussuchen. Ich wähle natürlich die interessantesten Angebote aus, bin aber schon ein bisschen in dieser Schublade. Auch wegen meiner Größe von 1,98 Meter bin ich auf spezielle Rollen festgelegt. Ich spiele aber auch am Theater und in internationalen Filmen zum Beispiel in skandinavischen Produktionen oder bei Fernando Trueba. In ´La niña de tus ojos´ verliebt sich zum Beispiel Penélope Cruz in mich. Leider kommen wir nicht zusammen, weil ich einen Schwulen spiele. Übrigens kann ich weder Spanisch noch Schwedisch. Damit die Sätze aus dem Drehbuch gut klingen, übe ich mit einem Dialog-Trainer.

Wird man als Darsteller in ­Nebenrollen Millionär?

Natürlich nicht, aber es ist ein schöner Beruf. Weil ich international unterwegs bin, spüre ich die Krise nicht so wie andere. RTL hat zum Beispiel wegen der niedrigeren Werbeeinnahmen zurzeit alle Fernsehfilme auf Eis gelegt. Soziales Engagement ist auch dann wichtig, wenn man keine Millionen verdient. Ich engagiere mich zum Beispiel für die SOS-Kinderdörfer, für Waisenkinder in Rumänien und natürlich für ´Dolphin Aid´.

Warum die Delphin-Therapie?

Weil es eine tolle Idee ist. Ich bin Botschafter von ,Dolphin Aid´, weil diese Art der Therapie für Kinder eine echte Initialzündung sein kann. Das beweisen auch Studien. Ich setze mich dafür ein und errege Aufmerksamkeit für die Stiftung.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem
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