Mietwagen auf Mallorca: Das Ende der Schnäppchen

18-11-2009  
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Mallorca-Rundfahrt im Cabrio: Nicht nur wer Sonderwünsche hat, sollte rechtzeitig reservieren.
Mallorca-Rundfahrt im Cabrio: Nicht nur wer Sonderwünsche hat, sollte rechtzeitig reservieren.  Foto: Tui

FRANK FELDMEIER Während für viele Touristen der Mallorca-Urlaub noch in weiter Ferne liegt, machen die Mietwagen­firmen bereits die Flotte für die kommende Saison klar. Dabei haben sie mit massiven Schwierigkeiten zu kämpfen, wie Estanislao de Mata sagt, Vorsitzender des Branchenverbands Baleval und Spanien-Chef des Autovermieters Sixt. „Die derzeitigen Verhandlungen mit den Herstellern gestalten sich sehr viel komplizierter als noch vor zwei Jahren."

Denn die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise hat in der Branche ihre Spuren hinterlassen, und von den Folgen werde man sich auch 2010 nicht erholen. Nach Spekulation, Überangebot und Dumping-Preisen werde die in diesem Jahr eingesetzte Ernüchterung weiter anhalten. „Auch im Mietwagen-Sektor auf Mallorca ist eine Blase geplatzt", bestätigt Ramon Reus, Sprecher des zweiten Branchenverbands Aevab, in dem vor allem Mallorcas kleinere Firmen vertreten sind. Die Entwicklung habe aber auch ihr Gutes, „sie rückt vieles wieder zurecht".

Tatsächlich hat die Krise einen Kreislauf unterbrochen, der Mallorcas Mietwagenmarkt bislang mit Unmengen leicht finanzierbarer Fahrzeuge versorgt hat. Die Hersteller haben ihre Produktion drastisch zurückgefahren und zeigen sich insbesondere bei den früher üblichen Rücknahme-Garantien für Mietautos sehr zurückhaltend, erklärt Michael Knapp, General Manager für Mietwagen beim Reiseveranstalter Tui, der auf Mallorca Autos des Kooperationspartners Europcar vermittelt. Die Mietwagen können nach ihrem Einsatz zudem nur mit Schwierigkeiten auf einem ebenfalls zusammengebrochenen Gebrauchtwagenmarkt abgesetzt werden.

Da auch die Mietwagenfirmen den Kauf über Kredite finanzieren müssen, gibt es noch ein weiteres Problem. Banken und Sparkassen leihen nach wie vor nur zögerlich Geld, und „der Einkauf von Mietwagen wird vonseiten der Banken sehr kritisch beurteilt", sagt Knapp.

Immerhin: Firmenpleiten halten sich bislang nach Angaben von de Mata in Grenzen. Es handle sich bislang um Einzelfälle, die Probleme seien im jeweiligen Unternehmen zu suchen. Um die schwierigen Zeiten zu überbrücken, habe man Gespräche mit dem balearischen Tourismusministerium aufgenommen, um ­beispielsweise zinsverbilligte Kredite zu erhalten. „Wenn Sie hundert Autos kaufen, sind Sie schon über eine Million Euro los", rechnet de Mata vor. Konkrete Zusagen der Politik stünden aber bislang aus.

Und so ist gut möglich, dass die Mietwagen-Flotte auf Mallorca weiter schrumpft. Von rund 60.000 Fahrzeugen im Sommer 2008 seien schon jetzt nur noch rund 45.000 unterwegs, sagt Reus. Das seien ­allerdings immer noch genug, so der Verbandssprecher von Aevab. Ähnlich sieht das auch sein Kollege de Mata, der die Zahl der Mietwagen auf Mallorca etwas niedriger angibt. Auch wenn die Gesamtzahl der Wagen zurückgehe, sei bei rechtzeitiger Reservierung kein Engpass zu befürchten.

Die Betonung liegt auf rechtzeitiger Reservierung. Michael Knapp vom Reiseveranstalter Tui empfiehlt eine Vorlaufzeit von zwei Monaten, insbesondere bei Reisezeiten zu Ostern, Pfingsten oder im Juli und August. Bereits diesen Sommer waren zu Ferienbeginn praktisch alle günstigen Mietwagen vergeben.

Wo das Angebot schrumpft, steigen die Preise: Einigkeit herrscht in der Branche, dass Dumping-Angebote der Vergangenheit angehören. „Eine Woche Automiete auf Mallorca unter hundert Euro – daran verdient kein Anbieter mehr etwas", sagt Knapp. „Wir hatten hier auf Mallorca vor der Krise sogar Preise von 70 Euro pro Wagen und Woche", erinnert sich Reus. Für den Unternehmer aber sei ­Autoverleih erst ab 25 Euro pro Tag rentabel.

Und auch, dass Urlauber vermehrt auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, wie Leser im MZ-Internet-Forum vorschlagen, können sich die Manager nicht vorstellen. Keine abgesteckte Route, die Badesachen im ­Auto, spontan einen Stopp einlegen – „die Kunden sind wenn möglich lieber individuell unterwegs", weiß Knapp.

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