Erstes Chor-Festival auf Mallorca

Nach 15 Jahren Singtourismus holt das Reisebüro Elan Touristik ein Dutzend Ensembles auf die Insel

11.02.2010 | 02:00
Konzerte sind die Höhepunkte im Reiseprogramm: Der Projektchor Bon(n) Sol aus dem Rheinland vor der Kathedrale.
Konzerte sind die Höhepunkte im Reiseprogramm: Der Projektchor Bon(n) Sol aus dem Rheinland vor der Kathedrale.

Kulturtourismus aktiv: Weil das Interesse deutscher Chöre an Mallorca-Reisen in den vergangenen Jahren laufend zugenommen hat, kam der deutsche Reiseveranstalter Elan Touristik auf die Idee, für die gesangsfreudigen Kunden ein Festival zu veranstalten.

Das Ergebnis: Ab Donnerstag (18. 2.) werden zwölf Ensembles die Insel genießen und insgesamt elf Konzerte geben sowie acht Messen singen. Weil das Festival international angelegt ist, sind auch ein polnischer und ein italienischer Chor dabei.

Evi Guiscafré, die das Mallorca-Büro der Firma betreibt, steht eine anstrengende Woche bevor. Aber eigentlich hat sie sich das selbst eingebrockt. Die musikbegeisterte Deutsche, die mit einem mallorquinischen Arzt verheiratet ist, begann vor 15 Jahren, neben „normalen" Touristen auch Gesangsvereine zu betreuen, die beschlossen hatten, ihren Vereinsausflug auf Mallorca zu genießen.

„Die wollten auch Konzerte geben, und das habe ich organisiert." Offenbar nicht allzu schlecht. Sänger sind eine kommunikative Spezies und bei diversen Treffen sprach sich herum, dass die Insel der Stille für ihresgleichen ein ideales Reiseziel ist.

Warum ideal? Weil Mallorca nah ist, die Nebensaison billig, und weil mit den zahlreichen Residenten auch ein interessiertes Publikum vorhanden ist. „Viele fragen mich auf der Straße: Wann kommen Sie denn mit Ihren
Chören?" berichtet Guiscafré.

Was 1995 mit einem Polizeichor begann, ist heute für Calvià, wo die Sängerinnen und Sänger ihre Quartiere beziehen, fast schon ein Wirtschaftsfaktor: 10 bis 15 Chöre empfängt Guiscafré pro Jahr, darunter auch Großensembles.

Für eine mehr als 200 Köpfe starke Gruppe (Chormitglieder und Begleiter) mussten da schon mal zwei Flüge gechartert werden. Und Guiscafré hat die Tricks raus. Sie weiß zum Beispiel, in welche Restaurants sie gehen kann, ohne dass es beim zwangsläufig klangvollen Abschluss zu Dissonanzen kommt.

Aber auch in Bezug auf Veranstaltungsorte pflegt sie beste Kontakte. Besonders begehrt: die Kathedrale. Dreimal steht La Seu auf dem Programm des Festivals. Für Konzerte mit heimischen Ensembles sondiert Guiscafré Übereinstimmungen im Repertoire, damit zumindest ein oder zwei Lieder gemeinsam gesungen werden. „Das schweißt zusammen und führt zu Gegeneinladungen."

Die Touristikdame hat schon mallorquinische Chöre nach Deutschland begleitet. So eng sind die Bande mittlerweile, dass viele deutsche Ensembles ein Lied draufhaben, dass eigentlich jeder Mallorquiner kennen sollte: „La Balanguera", die Hymne der Insel.

Das Festivalprogramm finden Sie auf Seite 68 der Printausgabe vom 11. Februar (Nummer 310). In der Ausgabe lesen Sie außerdem:
- Kulturtourismus aktiv: Das internationale Chorfestival
- Fröhlichkeit, Schönheit, Melancholie: Leipziger Opernballett in Palma
- Der Primat der Kunst: Marcelo Viquez und die „Monkey Show"

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