Zugunglück auf Mallorca: Neues System zur Erkennung von Hindernissen

Bei der Entgleisung vor dem Bahnhof von Sineu am 19. Mai waren 28 Menschen verletzt

25-05-2010  
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Die Waggons werden geborgen.
Die Waggons werden geborgen. Foto: DM

Nach der Entgleisung eines Zuges bei Sineu im Zentrum von Mallorca, bei der 28 Personen verletzt wurden, soll ein System zur automatischen Erkennung von Hindernissen auf den Gleisen installiert werden. Das hat der Geschäftsführer der Eisenbahn-Gesellschaft auf Mallorca (SFM), Jaume Jaume, am Montag (24.5.) angekündigt. Mit dem neuen System wäre die auf die Gleise gestürzte Stützmauer rechtzeitig bemerkt worden, so Jaume. Die öffentliche Ausschreibung zur Erwerbung des neuen Systems werde aber erst nach einer Überprüfung der Stützmauern auf der gesamten Strecke in Angriff genommen.

Derzeit wird noch untersucht, ob beim Bau der Bahnstrecke oder bei späteren Instandhaltungsarbeiten gepfuscht worden ist. Nach Einschätzung der balearischen Landesregierung kommt dies als wahrscheinlichste Erklärung für den Unfall in Frage. Untersucht werde zudem, inwieweit die starken Regenfälle der vergangenen Wochen zum Einsturz der Stützmauer geführt haben könnten.

Die zwischen 2002 und 2003 gebauten Mauern an der Zugstrecke sollen nun genau überprüft werden, bevor der Zug wieder den Betrieb aufnimmt. Falls sich herausstellen solle, dass der Unfall hätte vermieden werden können, sollen auch die Verantwortlichen belangt werden, sagte Verkehrsminister Gabriel Vicens. Bei den regelmäßig ausgeführten Wartungsarbeiten sei nichts aufgefallen, was auf den baldigen Einsturz der Mauer hingedeutet hätte. Laut Verkehrsstaatssekretär Antoni Verger wies die Mauer „keinen einzigen Riss oder sonstiges Zeichen von Beeinträchtigung" auf. Bis zum Abschluss der Untersuchungen soll das betroffene Teilstück der Zugstrecke geschlossen bleiben, gab Vicens auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwochvormittag bekannt.

Eine über Nacht eingestürzte Stützmauer am Rand des Gleises war den Passagieren des ersten Zugs von Manacor nach Palma am Mittwochmorgen (19.5.) zum Verhängnis geworden. Gegen 6.44 Uhr brauste der Zug auf die auf den Schienen liegenden Erd- und Steinbrocken. Da sich das Hindernis hinter einer Kurve befand, hatte es der Lokführer offenbar zu spät bemerkt. Drei der insgesamt fünf Waggons wurden so rund 500 Meter vor Sineu in der Inselmitte zum Entgleisen gebracht. Bei dem abrupten Aufprall verletzten sich 28 der insgesamt etwa 50 Fahrgäste in dem Zug. Den Lokführer selbst erwischte es am schlimmsten. Er zog sich schwere Brust- und Schädelverletzungen zu und musste in der Intensivstation des Krankenhauses Son Dureta behandelt werden. Der Schaffner verletzte sich ebenfalls schwer. Die übrigen Leichtverletzten wurden in verschiedenen Krankenhäusern und im Gesundheitszentrum in Sineu behandelt. Deutsche befanden sich laut Angaben des Verkehrsministeriums nicht unter den Opfern.

Um die Verletzen aus dem auf die Seite gekippten Zug zu befreien, musste die Feuerwehr Leitern aufstellen. Nach dem Unfall wurde das Teilstück Sineu-Manacor der Zugstrecke gesperrt. Zwischen den Ortschaften wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Schon in der Vergangenheit hat es zahlreiche Probleme mit den Zügen auf Mallorca gegeben. Im Jahr 2009 waren zeitweise 14 defekte Waggons in den Reparatur-Werkstätten statt auf den Gleisen. Im Mai war ein Zug nach Sa Pobla am Bahnhof Verge de Lluc in Brand geraten. In Sóller war es zu einer Kollision mit der historischen Straßenbahn gekommen. Ende März 2008 waren elf Fahrgäste leicht verletzt worden, als ein Zug im Bahnhof von Manacor gegen einen Prellbock fuhr und entgleiste. Im Juli brachten technische Probleme einen aus Sa Pobla kommenden Zug kurz vor Palma mit 200 Passagieren zum Stehen.

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