Sachlich oder geschmeidig? Kulturelle Unterschiede im beruflichen Umgang

Deutsche und Spanier ähneln sich – und sind doch ganz anders. Alexandra Metzger trainiert den Umgang mit diesen Unterschieden

18.04.2013 | 09:37
Alexandra Metzger
Alexandra Metzger

Zehn Jahre lang arbeitete Alexandra Metzger für Volkswagen und führte dabei ein internationales Team. Dabei merkte sie, wie wichtig der Umgang mit kulturellen Unterschieden für die Geschäfts­bilanz ist. Seit 2007 widmet sie sich diesen Unterschieden hauptberuflich und bietet speziell Seminare zur Geschäftskultur in Spanien an. Ihre Erfahrungen hat sie im Handbuch „Geschäftskultur Spanien kompakt" zusammengefasst ­(Conbook Verlag, 9,95 Euro).

Wenn sich deutsche und spanische Geschäftspartner bei einem ersten Treffen kennenlernen, kommt es oft zu Missverständnissen. Welches Gefühl bleibt nach dem Treffen beim Deutschen zurück?
Häufig unbefriedigende Oberflächlichkeit. Deutsche, die auf Geschäftsreise nach Spanien kommen, haben meist ganz konkrete und ­detaillierte Zielvorgaben im Gepäck. Das Gespräch mit dem Partner bleibt für den deutschen Geschmack aber oft sehr unkonkret, sehr unbefriedigend. Man ist Essen gegangen, hat viel gequatscht, aber am Ende gibt es nichts Handfestes und nichts Schriftliches, was man dem Chef daheim vorlegen könnte.

Und was denkt der Spanier nach demselben Gespräch?
Der denkt vielleicht: Was ist denn das für ein Typ? Der denkt ja nur ans Geschäft. Den interessiert nichts anderes. Mit mir als Mensch will der gar nichts zu tun haben.

Woher das Missverständnis?
Die meisten Spanier wollen erstmal wissen, mit wem sie es zu tun haben. Die persönliche Ebene spielt eine große Rolle. Beim Essengehen wird über Privates geredet. Vielleicht auch über die schöne Natur, das Wetter in Spanien, die Fußball­liga oder eine neue Yacht.

Das ist den Deutschen suspekt.
Ja, die haben vielleicht sogar das Gefühl, der Partner will ablenken, etwas verbergen oder dass er die Zusammenarbeit gar nicht ernst meint. Noch dazu ist die Gesprächskultur eine ganz andere. Spanier unterbrechen gerne mal, fallen einander ins Wort. Ein Deutscher kommt da womöglich gar nicht zum Sprechen.

Wie sehr sollte man sich denn an fremde Kulturen anpassen?
Das ist schwierig. Sehr oberflächliche Sachen kann man leicht lernen und übernehmen. Die unterschiedlichen Essenszeiten zum Beispiel. Andere Sachen haben aber mit Werten zu tun. Da ist es schwer, gegen seine eigenen Werte zu verstoßen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Schon das Begrüßungsküsschen kann schwer sein. In Deutschland hat Küssen eher mit Sexualität zu tun als mit Begrüßung. Gerade im beruflichen Umfeld sind Berührungen und Körperkontakt tabu.

Ist das nicht nur eine andere Art, Höflichkeit auszudrücken? Sind das wirklich verschiedene Werte?
Deutlicher wird es vielleicht bei der Ehrlichkeit. In deutschen Geschäftsbeziehungen werden Wahrheit und Ehrlichkeit über die Höflichkeit gestellt. Es gilt als wichtig, dem anderen ehrlich und sachlich die Meinung zu sagen, ihn auch mal direkt zu kritisieren. In Spanien wird Kritik eher indirekt angedeutet. Die Höflichkeit geht immer vor.

Aber wer als Deutscher bei einem mallorquinischen Unternehmen arbeitet, muss sich doch diesem Wertesystem anpassen, oder?
Vielleicht. Aber wer auf Dauer gegen seine eigenen Werte handeln muss, kann dabei ganz schön Bauchschmerzen bekommen.

Hier auf der Insel gibt es viele Deutsche, die über die Jahre ganz schön spanisch geworden sind. Auch viele Kinder aus Mischehen und Spanier, die als Gastarbeiterkinder in Deutschland aufgewachsen sind. Kann man da überhaupt noch vom typischen Deutschen oder Spanier reden?
Natürlich gibt es Menschen, die sich in beiden Kulturen zu Hause fühlen und Verständnis für Verhaltens­weisen auf beiden Seiten haben. In meinen Trainings verwende ich einen Test, mit dem die Teilnehmer sich über ihre kulturelle Prägung klar werden können.

Nach welchen Kriterien ist dieser Test ausgerichtet?
Zum Beispiel wird die Improvisation im Geschäftsleben von Deutschen eher als ´negativ´ oder ­´neutral´ bewertet. Spanische Unternehmer halten sie fast durchweg für ´positiv´.

Was sollten Deutsche von Spaniern lernen?
Flexibilität. Auch in Deutschland kommt es oft vor, dass der ursprüngliche Plan nicht genau eingehalten werden kann. Das ist dann oft ein Problem, alle wirken wie gelähmt. Spanier gehen mit Plänen viel flexibler um und können sich schneller auf Veränderungen einstellen.

Und die Spanier ...
... könnten etwas von der effizienten deutschen Planung lernen. Wer sich aus beiden Kulturen das Positive herausnimmt, kann viel erreichen.

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