Dubioser Arbeitsvermittler: Der fleißige Herr Honemann

Mehrere Inselresidenten zahlten eine Gebühr an einen Mann, der angeblich 14 Stunden am Tag für seine Kunden arbeitet – einen Job bekam keiner von ihnen

11.12.2015 | 10:17
Vorsicht vor dubiosen Angeboten!

Eine Fünf-Tage-Woche als Empfangschef in einem Hotel in Palma, dafür ein Nettogehalt von 2.300 Euro und 28 Tage Urlaub – von solchen Arbeitsbedingungen können die meisten Menschen auf Mallorca nur träumen. Matthias Hafner (Name geändert) schickte also schnell eine E-Mail, um sich auf die Stellenausschreibung, die er Anfang Oktober auf einem Anzeigenportal im Internet entdeckt hatte, zu bewerben. Dazu überwies er an einen gewissen Rainer Honemann 50 Euro für die Erstellung einer professionellen Bewerbungsmappe, die der vermeintliche Arbeitsvermittler dem Arbeitgeber vorlegen wollte. Nachdem Hafner die Gebühr bezahlt hatte, hörte er nie wieder von der „RH Arbeitsvermittlung Mallorca".

So wie ihm und etlichen anderen Inselresidenten erging es auch Alexandra Koller (Name geändert), die sich zusammen mit ihrem Mann als Hausmeisterpaar für eine Finca bewerben wollte. Prompt erhielt auch sie von Herrn Honemann Antwort – mit weiteren Details zum Stellenangebot: In Schuss zu halten sei ein großes Anwesen im Wert von mehreren Millionen Euro mit Meerblick, neben einem Nettogehalt von 3.800 Euro pro Person dürften die beiden ein großes Haus auf dem selben Grundstück bewohnen sowie den Fuhrpark der Eigentümer nutzen. Der Arbeitsvertrag sei unbefristet, und eine Probezeit gebe es nicht. Dann hieß es in der Mail noch: „Sie beide besitzen alle Qualifikationen für den Job, und wir würden Sie gerne schnell vermitteln." Spätestens nach diesem Satz kam Alexandra Koller die Sache mehr als spanisch vor – wusste der vermeintliche Arbeitsvermittler angesichts der kurzen Nachricht, die sie und ihr Mann geschickt hatten, doch so gut wie gar nichts über die Bewerber. Stutzig machte die Deutsche außerdem der Hinweis, dass für die Erstellung der Bewerbung und die Übersetzung der eingereichten Dokumente eine „kleine Gebühr" anfallen würde.

Koller hakte nach und teilt Herrn Honemann ihre Zweifel an der Seriosität seines verlockenden Angebots mit. Dieser wirkte auch sichtlich bemüht, Unklarheiten zu klären. In einer weiteren Mail teilte er den Interessenten mit, dass das Anwesen sich im Raum Llucmajor befindet, die Fincaverwalter eine 180-Quadratmeter-Wohnung mit Garten zur Verfügung gestellt bekämen – und nun bitte schnellstmöglich eine Gebühr von 89 Euro auf ein Konto bei der Deutschen Bank Spanien überweisen sollten.

Daneben verwies Herr Honemann auf seine 14-Stunden-Arbeitstage und bis 22 Uhr ausgeweiteten Bürozeiten, auf haufenweise Anfragen und sein weltweites Engagement – wobei allein in Spanien über 50 Prozent der freien Stellen über seine Agentur vermittelt würden. Dass Herr Honemann trotzdem kein Telefon und seine Firma nicht einmal einen Internetauftritt besitzt, erscheint angesichts eines so erfolgreichen Unternehmens reichlich seltsam. Auch die MZ fragte deshalb beim vermeintlichen Arbeitsvermittler nach – und erhielt bereitwillig Auskunft, diesmal jedoch von der „Arbeitsvermittlung international": Man verlange keine Vermittlungsgebühr, sondern biete den Bewerbern lediglich eine Übersetzung der Unterlagen an, was aber nicht in Anspruch genommen werden müsse, hieß es. Zudem arbeite man rund um die Uhr daran, Bewerber zu vermitteln – und zwar in sichere Jobs, nicht an schwarze Schafe, von denen es auf der Insel leider viele gebe –, während angebliche Konkurrenten seit Wochen in den sozialen Netzwerken Negativpropaganda gegen seine Firma betrieben.

Wie diese Firma genau heißt, wollte der angebliche Herr Honemann aber nicht verraten. Zu erfahren ist lediglich, dass sich der Firmensitz im südafrikanischen Kapstadt befindet. Auch eine Website sei gerade nicht verfügbar, da diese überarbeitet werde, schreibt der vermeintliche Arbeitsvermittler weiter. Telefonisch sei er im Moment leider ebenfalls nicht zu erreichen: Da vor wenigen Tagen seine Mutter gestorben sei, möchte er im Moment nur per Mail Auskunft geben. Eine Verkettung tragischer Umstände also.

Über Facebook stößt man auf eine mies gemachte Website namens service-rh.de, auf der sich einige Stellenanzeigen für Jobs auf Mallorca finden, die den beiden geschilderten Fällen in nichts nachstehen: Putzfrauen bekommen demnach einen Netto-Stundenlohn von 15 Euro plus Fahrtkostenzuschuss. Neben den erwähnten Hausverwaltern werden auch gut bezahlte Lkw-Fahrer in Kanada oder Telefonisten in Thailand gesucht. Ob die Internetseite mit der dubiosen Arbeitsvermittlung, deren Anzeigen auch sporadisch auf verschiedensten Online-Jobbörsen auftauchen, zu tun hat, ist unklar. Das Facebook-Profil, von dem aus auf die Seite verlinkt wird, gehört allerdings einem gewissen Rainer Peter Kai Honemann – bei dem es sich anderen Facebook-Beiträgen zufolge um einen ganz besonders sympathischen Zeitgenossen handelt: Er unterstützt den Ku Klux-Clan und hetzt gegen Schwarzafrikaner.

Alexandra Koller, die die geforderte Gebühr am Ende „aus Neugier" überwiesen hat und den Verlust verschmerzen kann, hegt inzwischen nicht mehr den geringsten Zweifel, dass sie einem Betrüger aufgesessen ist. „Ich war ja von Anfang an kritisch, zumal ich schon vor unserem Umzug nach Mallorca gelesen habe, dass hier am häufigsten Deutsche andere Deutsche übers Ohr hauen." Nun hofft sie, dass ihre Lektion auch anderen Arbeitssuchenden eine Lehre ist.

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