Arbeitsplatz Check-in: Sie bleibt am Boden

Die Schwedin Elisabeth Jensen fertigt am Flughafen hauptsächlich skandinavische Passagiere ab. Das hat Vorteile.

25.08.2016 | 08:42
Blonde Mallorquinerin: Elisabeth Jensen, hier am Check-in, lebt seit 35 Jahren auf der Insel. Foto: Nele Bendgens
Blonde Mallorquinerin: Elisabeth Jensen, hier am Check-in, lebt seit 35 Jahren auf der Insel. Foto: Nele Bendgens

Sie lächelt. Auch dann noch, wenn die Schlangen am Check-in lang, die Schichten spät und die Wartenden müde und gereizt sind. „Das gehört zu unserer Firmenpolitik – freundlich sein, ein nettes Wort für die Leute haben", sagt Elisabeth Jensen.

Elisabeth Jensen spricht Spanisch wie eine Spanierin: schnell, fließend und so gut wie akzentfrei. Wenn da nicht der Nachname und die hellen Haare wären. „Ich bin Schwedin, aus Stockholm, aber schon seit 35 Jahren auf Mallorca." Angefangen hat alles mit einem Praktikum. Sie studierte Pädagogik in Stockholm und kam für ein Praktikum auf die Insel – und blieb. Als die damalige schwedische Schule in Palma, in der sie unterrichtete, schloss, ging sie zu Thomas Cook Scandinavia, als Bodenpersonal. Dort arbeitet sie bis heute.

Die 59-Jährige leitet ein kleines Team von circa sieben Leuten, koordiniert die Schichten, schaut, dass alles rundläuft. Aber Jensen packt auch mit an und checkt selbst Passagiere ein. Die Schichten beginnen um acht Uhr morgens. „Das Schöne an unserem Job ist: Skandinavier
reisen gerne bequem, Flüge um 5 Uhr morgens sind ihnen ein Graus. Nicht wie die Engländer, die auch um 4 Uhr morgens fliegen", sagt sie.

Auch Elizabeth Jensen erlebt, wie der Flughafen an seine Kapazitätsgrenzen gerät. „Aktuell ist es heftig, wir könnten noch mehr Schalter öffnen, aber der ´Kampf´ darum ist hart. Auch die slots, die Zeitfenster zum Abheben und Landen, sind quasi ausgeschöpft." Sie könne gut mit Stress umgehen, sagt die Schwedin. „Wenn ich am Limit bin, steigt mein Adrenalin und gibt mir einen positiven Schub. Wie anstrengend es war, merke ich oft erst nach der Arbeit. Dann fühle ich mich manchmal wie ein Ballon, kurz vorm Platzen."

Richtig stressig kann es zum Beispiel werden, wenn ein Flugzeug mit 450 Passagieren außerplanmäßig nicht starten kann und alle spontan in Hotels gebracht werden müssen. „Das ist natürlich keine schöne Situation, aber auch dann kann ich gut ruhig und freundlich bleiben", sagt Elisabeth Jensen. Einen Acht-Stunden-Bürojob kann sich die Schwedin nicht vorstellen. „Ich brauche den direkten Kontakt mit den Menschen. Thomas Cook verkauft eher im Paket, also ganze Urlaubsreisen. Die Kunden sind angenehm, Overbooking gibt es bei uns nicht."

Obwohl sie schon so lange hier ist, vermisst sie Stockholm. „Sehr sogar", betont sie. Ihr liegt die schwedische, diskrete Art. „Ich war eher schüchtern, als ich hier ankam. Um nicht unterzugehen, passt du dich an und sprichst auch mal etwas lauter." Überhaupt ist sie etwas spanischer geworden. Das merkt sie vor allem bei Besuchen in ihrer Heimat. „Ich rede mehr, ich unterbreche öfter, das macht man dort nicht." Ihr 25-jähriger Sohn liebt die Fliegerei ebenfalls. Er arbeitet neben dem Studium als Flugbegleiter.

Und dann zeigt Elisabeth Jensen noch einmal ihre spanische Seite. „Was ich sonst so gerne mache? Na, das, was alle machen", und rattert in lupenreinem Spanisch runter: „an den Strand gehen – nur nicht im vollen August – weggehen, Freunde treffen ?" /dk

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