Schuften in der Wäscherei: 40 Wochenstunden bei 50 Grad für 900 Euro

Betriebsbesuche unerwünscht: In den Großwäschereien auf Mallorca herrschen knallharte Arbeitsbedingungen. Auch hier beginnen nun Tarifverhandlungen

13.10.2017 | 11:32
Schwerstarbeit – auf Mallorca und den Nachbarinseln sind rund 3.000 Menschen in Wäschereien tätig.

Wenn die Lastwagen auf die Vorhöfe der Großwäschereien auf Mallorca einfahren, dann bringen sie Arbeit – tonnenweise. Wie viele Textilien jährlich in den lavanderías industriales gereinigt werden, ist kaum zu beziffern. Es sind Krankenhäuser, die hier ihre Bettbezüge, Laken und Handtücher waschen lassen, vor allem aber große Hotels. Direkten Kontakt zu den Urlaubern haben die Mitarbeiter in den Wäschereien nicht, und doch ist ihre Arbeit für den Tourismus unerlässlich.

Auf rund 3.000 schätzt José García die Anzahl der Angestellten in der Wäscherei-Branche auf Mallorca. Der Gewerkschafter der UGT steht in regem Kontakt zu den Arbeitern, denn obwohl die Abläufe auch in der Rekordsaison einwandfrei funktionieren, läuft die vermeintlich weiße Weste der lavanderías immer mehr Gefahr, öffentlich beschmutzt zu werden. „Die Mitarbeiter sind es satt, zu schlechtesten Bedingungen zu schuften und obendrein nicht angemessen entlohnt zu werden", sagt García.

Ab dem 18. Oktober wird er an der Aushandlung eines neuen Tarifvertrags für die Wäschereien teilnehmen. „Das ist mehr als überfällig", findet er und mag recht haben: Die aktuell geltenden Tarifverträge stammen aus dem Jahr 1991. Seit einer Revision im Jahr 2004 hat sich nichts getan, viele neuere arbeitsrechtliche Bestimmungen sind in dem Tarifvertrag nicht enthalten. Umso mehr wollen die Gewerkschaften jetzt erreichen: „Eigentlich muss der ganze Tarifvertrag erneuert werden", so José García.

Ein zentrales Anliegen sind die Gehälter. Der Grundbetrag liege derzeit bei etwa 690 Euro. Mit Zusatzzahlungen kämen die Mitarbeiter auf maximal 900 Euro brutto im Monat. „Und das bei 40 Wochenstunden. Das ist einfach nicht zeitgemäß", sagt García. Ähnlich verhalte es sich bei den Gleichstellungs-Bestimmun­gen zwischen Männern und Frauen und bei den Arbeitsschutz-Regelungen. „Die Angestellten stehen an großen Maschinen und müssen schwere Textilien heben", sagt García. Regelmäßig käme es zu Unfällen.


Hinter verschlossenen Türen

Der Gewerkschafter selbst schaffte es erst ein einziges Mal, eine Großwäscherei von innen zu besichtigen. MZ-Anfragen zum Besuch einer Wäscherei wimmelten alle neun angefragten Betriebe ab, auch Aussagen zu den geplanten Gehaltsverhandlungen wollte kein Verantwortlicher treffen. „Das wundert mich gar nicht. Einen guten Eindruck machen die Bedingungen in den Werkshallen nämlich nicht", so García. Am schlimmsten sei die Hitze. Mehr als 50 Grad herrsche in den Wäschereien, die Arbeiter müssten diese täglich ertragen.
Mari Carmen Jiménez kann das bestätigen – aus eigener Erfahrung. Schon seit 22 Jahren ist sie bei der Firma Amalia tätig. Rund 200 Angestellte arbeiten mit ihr zusammen in den Hallen in Can Picafort. Ein Großteil von ihnen hat eine Behinderung, denn Amalia gehört zu dem spanienweit operierenden Konzern Ilunion, der vom Festland aus verwaltet wird und sich für sein soziales Engagement brüstet. Auf seiner Website wirbt Ilunion mit einer menschlich anmutenden Unternehmensphilosophie. Von „sozial-wirtschaftlichem Gleichgewicht" ist die Rede, und davon, dass man auf die Mitarbeiter eingehen wolle.

Das geht auf die Knochen

Wenn die Tarifverhandlungen am18. Oktober beginnen, dann wird auch Mari Carmen Jiménez als Betriebsratsmitglied dabei sein. Nicht, dass sie ihren Arbeitgeber verteufeln möchte. „Ich denke, man könnte es noch schlimmer treffen als bei uns, wir haben noch Glück", sagt sie. Von Idealzustand könne aber bei Weitem nicht die Rede sein. „Vor ein paar Monaten haben sie eine neue Klimaanlage installiert", so Jiménez. Jetzt sei die Hitze nicht mehr ganz so unerträglich. Trotzdem schmerzen ihr, wie auch vielen anderen Mitarbeitern, schon lange die Knochen. „Vor allem die Arme tun weh vom Wäschefalten", berichtet sie. Dabei habe der technische Fortschritt schon einiges an körperlicher Anstrengung abgenommen. „Früher wurde noch viel mehr mit den Händen bewerkstelligt, mittlerweile übernehmen die Maschinen einiges."

Jiménez' Grundgehalt beträgt 700 Euro. Da freue man sich beinahe über bezahlte Überstunden, berichtet sie. „Immerhin bin ich das ganze Jahr über beschäftigt, viele meiner Kollegen werden nur in der Sommersaison benötigt." Jiménez schätzt sich zudem glücklich, dass ihr bei Amalia Arbeitsschutzversicherungen garantiert werden. Selbstverständlich sei das im Wäschereisektor nicht.

Unternehmen vom Festland

„Das ist ein weiteres Problem, denn viele große Wäschereibetriebe greifen gern auf Menschen mit Behinderung zurück, die es noch mehr vor schlechten Arbeitsbedingungen zu schützen gilt", findet Gewerkschafter José García. Auch die Tatsache, dass die meisten Betriebe Unternehmen auf dem Festland angehören, erschwere die Vertragsverhandlungen, die speziell für die Balearen geführt werden sollen.

Trotz der kniffligen Ausgangslage: Die Gewerkschaften CCOO und UGT sind zuversichtlich, dass schon zum kommenden Frühjahr eine Einigung mit den Arbeitgebern erzielt werden könnte. Immerhin hat auch die balearische Landesregierung ein Wörtchen mitzureden, denn einige der Auftraggeber der lavanderías sind öffentliche Krankenhäuser oder Pflegeheime. „Die größte Herausforderung wird es sein, auch die kleineren Wäschereien an die neuen Verträge zu binden", sagt García. Denn dort seien die Gehälter und Bedingungen oft besonders willkürlich gestaltet. García: „Immerhin werden wir endlich mal an einem Tisch zusammenkommen. Das ist auf jeden Fall ein Anfang."

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