17. Mai 2018
17.05.2018

Arbeiten auf Mallorca? In der IT-Branche!

Im Schatten des Touristik-Geschäfts boomt auf der Insel die Digitalisierung. Der Weg an die Weltspitze ist frei, wäre da nicht ein Problem

17.05.2018 | 13:10
Auf der Jagd nach dem Praktikanten (li.): das Leitungsteam von TravelgateX mit (v.li.) Óscar Pérez, Luisa Brücher, Francisco Cobos und Pedro Brücher.

Mallorca als Standort für Technologie-Unternehmen – diese Idee ploppt immer wieder mal auf. Erst jüngst hat die Balearen-Regierung wieder unter dem Motto „Sol y datos" eine entsprechende Kampagne vorgestellt. Und viele IT-Firmen wissen schon länger die Vorzüge Mallorcas zu schätzen – gerade diejenigen, die ihre Kunden in der Tourismusbranche haben.

So wie TravelgateX im Parc Bit. Das 2012 gegründete Unternehmen gehört inzwischen zu den größten in dem Technologie-Park vor den Toren von Palma. Hinter den Glastüren mit dem blauen Rahmen sieht es aus wie in einem normalen Büro. Dutzende vor allem junge Menschen sitzen an zumeist mehreren Bildschirmen gleichzeitig, kaum jemand redet. Uns empfängt Luisa Brücher, die für die Abteilung Business Division zuständig ist. Sie ist die Schwester des Firmengründers Pedro Brücher. Die beiden Brasilianer haben deutsche Vorfahren, sprechen aber kein Wort Deutsch.

TravelgateX ist eines dieser Unternehmen, die erst mit der zunehmenden Digitalisierung des Tourismus möglich geworden sind. „Wir vernetzen Käufer und Verkäufer", erklärt Luisa Brücher und meint damit, dass TravelgateX eine Software entwickelt hat, die eine Verbindung zwischen Anbietern und Käufern von Dienstleistungen im Reisebereich schafft – allerdings ausschließlich B2B, also auf Geschäftskundenebene. Mit dem Endkunden kommt man hier nicht in Berührung. Es geht vor allem darum, Zwischenhändler zu überspringen und so Provisionen zu sparen.

Entwickelt haben das Konzept im Jahr 2012 Pedro Brücher und Óscar Pérez, heute Chief Technology Officer. Zunächst hatte sie das Online-Reisebüro Logitravel angeheuert, das im Parc Bit direkt nebenan sitzt, um in das Portal Hotels und Flüge zu integrieren. „Wo sie schon mal dabei waren, eine solche Software zu entwickeln, dachten sie sich, das man das ja auch auf andere Bereiche übertragen könne", erzählt Luisa Brücher.

Und so vernetzen die Mitarbeiter von TravelgateX seit sechs Jahren tagaus, tagein die Touristikwelt. Brücher startete mit sechs Leuten, vor zwei Jahren waren es bereits 36, heute sind es 88 Mitarbeiter. TravelgateX ist nach eigenen Angaben eine der größten Firmen in diesem Bereich weltweit. „Und wir könnten noch viel schneller wachsen, wenn wir die geeigneten Leute finden würden", sagt der Personalverantwort­liche Francisco Cobos.

Daran hakt es auf der Insel gewaltig. Obwohl die ­Balearen-Universität UIB nur einen Steinwurf vom Parc Bit entfernt ist und Cobos nach eigenen Angaben engen Kontakt zur Uni unterhält, gibt es viel weniger Absolventen als benötigt.

Das Problem sei, dass viele junge Menschen zwar IT-Studiengänge beginnen würden. „Aber die Abbrecherquote in den ersten sechs Monaten ist brutal, bestimmt die Hälfte", sagt Francisco Cobos. Das führt dazu, dass bereits Praktikanten heiß umkämpft sind. „Es ist eine regelrechte Schlacht mit anderen Unternehmen um die wenigen Leute, die es gibt", sagt Cobos.

Schließlich buhlen neben TravelgateX noch etliche weitere Unternehmen um sie. Zu diesen aufstrebenden IT-Firmen gehört auch Roiback, 2010 von den Hoteliersbrüdern Vich in Palma gegründet. Ihre Mitarbeiter entwerfen Marketingstrategien für Familienhotels wie für große Ketten gleichermaßen, programmieren die Reservierungsmaske und häufig gleich die gesamte Website des Hotels. Und das so erfolgreich, dass sie 2014 von der Hotelbeds Group aufgekauft wurde, der weltweit größten Online-Bettenbank für Hotels, die am Flughafenzubringer in den schwarzen gläsernen Rundbauten beheimatet ist. Auch sonst ist Roiback global aufgestellt: Der Hauptsitz befindet sich inzwischen im kolumbianischen Medellín. Weitere Niederlassungen befinden sich etwa in Cancún oder auf Bali.

In Palma sind es 90 Mitarbeiter, darunter auffällig viele Frauen. Wie Roiback-Sprecher James Metzger der MZ sagt, hat die Firma den Vorteil, dass sie beim Anheuern von neuem Personal auf einen ­gemeinsamen Bewerberpool mit Hotelbeds zurückgreifen kann. „Das ist ein großes Glück, denn auch wir haben ständig Bedarf an qualifizierten Leuten." Vor allem Web-Entwickler würden dringend gesucht, so Metzger.

Trotz des attraktiven Standorts Mallorca sei es nicht einfach, Fachkräfte aus anderen Ländern auf die Insel zu locken, so die Gesprächspartner einhellig. „Da spielt das geringere Gehalt im Vergleich zu Nord- und Mitteleuropa die Hauptrolle", klagt Francisco Cobos. Im Falle von TravelgateX verdient ein Berufseinsteiger rund 18.000 Euro brutto. In Deutschland liegt das Einstiegsgehalt für Programmierer bei etwa 40.000 Euro. „Wir wissen, dass wir nicht mit Deutschland oder der Schweiz konkurrieren können. Aber mit Portugal oder Italien sehr wohl", sagt Cobos. Bei Roiback hält man sich bedeckt mit Aussagen über Verdienstmöglichkeiten. „Das ist bei jedem unterschiedlich, je nach Spezialität im Studium. Außerdem sind die Gehälter vertraulich", heißt es.

Deshalb sieht man bei TravelgateX wie Roiback Initiativen à la „Sol y datos" durchaus positiv. Nur: Bekannt war die Kampagne hier wie dort nicht. „Vielleicht müsste man sie offensiver bewerben", sagt Héctor Alemany, der bei Roiback für die Pressearbeit zuständig ist. „Denn wo sonst, wenn nicht auf Mallorca, sind wir direkt am Puls des Tourismus?"

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