Paddeltour um die Party-Insel Ibiza

10-07-2008  
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Die Cala d´Hort im Südwesten Ibizas ist Ausgangspunkt für eine Kajaktour zur vorgelagerten Insel
Es Vedra.
 Foto: Meyer

MANUEL MEYER Ibiza – Café del Mar, Hippiemärkte und weiße Sandstrände mit Chillout-Musik und schönen Menschen. Das ist Ibiza. Aber es gibt auch ein ganz anderes Ibiza, das nicht jeder zu Gesicht bekommt und schon gar nicht vom Land aus. Mit dem Kajak erschließt sich Abenteuer suchenden Urlaubern auf der balearischen Partyinsel ein unbekanntes Paradies aus wild zerklüfteten Felsen, Grotten und Stränden, an denen man noch ganz alleine ist.

Es ist nicht einmal schwer, dieses Naturparadies mit dem Kajak zu erkunden. Bereits ein kurzer Einführungskurs, in dem man das Ein- und Aussteigen, Balance halten und Paddeltechniken erlernt, reicht aus, um mit dem Kajak sicher in diese abgeschiedene Felswelt eintauchen zu können. Wenn man dann auch noch eine gewisse Grundkondi­tion hat, kann es direkt losgehen: Spritzdecke festziehen, vom Ufer abstoßen und lospaddeln.

Die Cala d‘Hort im Südwesten Ibizas: türkisblaues Wasser, weißer Sand und ein atemberaubender Blick auf die Insel Es Vedra. Viele Badegäste würden anscheinend auch in eines der Seekajaks steigen, um sich der mysteriösen Felseninsel ein wenig nähern zu können. Sie wirkt wie ein Magnet. Noch lange schauen die Strandbesucher den Wassersportlern zu, wie sie dem sagenumwobenen Felsen entgegenpaddeln. Und tatsächlich ist es etwas Besonderes, sich der 382 Meter hohen Felsinsel im Kajak zu nähern. Man fühlt sich klein, tritt in eine Art Parallelwelt ein – abgeschieden, ursprünglich, wild. Viele Geschichten und Legenden kreisen um diesen Ort, an dem die Jungfrau María erschienen sein soll und den manche Hippies für die Spitze des versunkenen Atlantis oder für einen Ufo-Landeplatz halten.

Nähert man sich jedoch den schroffen Felsen, wird schnell klar: Das hier ist ein von wenigen Ziegen und vielen Möwen und anderen Seevögeln bewohntes Eiland – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Einsamkeit ist bezaubernd, das Gefühl, dass hier nur selten Menschen vorbeikommen, abenteuerlich. Vorbei an bis zu 200 Meter hohen Steilklippen umrundet man das Eiland. Erst muss dazu gegen Möwen angekämpft werden, die immer wieder herabstürzen, um ihre Nester vor den Eindringlingen zu schützen. Danach sind es auf der seewärts gewandten Seite die Wellen, die einem das Leben schwer machen. Bedrohlich schmettern die Wellen nur wenige Meter entfernt gegen die Felswände.

Vorbei an der Nebeninsel Es Vedranell paddelt man zurück zur Küste an den Strand von Sa Pedrera. Der Strand ist selbst zur Hochsaison leer. Man kann ihn vom Land kaum erreichen. Kajak und Paddel werden jetzt durch Sturzhelm, Seil und Turnschuhe ersetzt. Ein kleiner Pfad führt steil hinauf zu einer Felswand. „Da müssen wir wieder runter. Es lohnt sich. Der Blick aufs Meer ist umwerfend“, erklärt der 32-jährige Kajak- und Kletterguide Domingo Díaz. Er hat Recht. Doch wenn man sich zurücklegen und an der 30 Meter hohen Felswand rückwärts hinunter gehen soll, bleibt das mulmige Gefühl anfangs nicht aus. Adrenalin pur!

Ganz in der Nähe der spektakulären Kletterwand befindet sich auch der Torre des Savinar. Die Christen erbauten zahlreiche dieser Wehrtürme entlang der Küste, um sich vor maurischen Piraten zu schützen. Vom runden Steinturm aus hat man mit Abstand die besten Postkartenblicke auf Es Vedra.

Ähnliche Wehrtürme stehen auch an der Südspitze Ibizas. Auf der Kajakfahrt von der Platja d‘en Bossa zum Ses -Salines-Strand gelten sie als gute Orientierungspunkte. Obwohl die zwei gut besuchten Strände zu den Topadressen in Sachen Beach-Party gehören, wissen nur die wenigsten, welche Naturschön­heiten es dazwischen zu entdecken gibt. Die Paddel hauen in das glasklare, türkisblaue Wasser. Zur Linken sieht man zum Greifen nah die Nachbarinsel Formentera, zur Rechten endlose Sandstrände. Zwischendurch laden kleine Felsgrotten und Höhlen immer wieder zu abenteuerlichen Erkundungsfahrten in die felsige Steinwelt ein.

Eine der schönsten Kajakrouten auf Ibiza befindet sich indes im Nordwesten der Insel. Abenteuerlicher und einsamer geht es kaum. Von der traumhaft schönen Cala Salada stechen die Kajakfahrer Richtung Norden in See. Schon kurz nach der vorgelagerten Insel Sa Illeta beginnt die sportliche Herausforderung. Bis zu den 258 Meter hohen Steilklippen vom Kap Nuno fordern Wind und Wellen höchste Konzentration. Kilometerlang streckt sich die Felsküste aus Kalkstein mit tief eingeschnittenen, menschenleeren Badebuchten.

Hier ist das Reich der Möwen und Kormorane. In den Buchten schaukeln die Kajaks ruhig im Wasser. Stille! Kein Haus, kein Boot, kein Anzeichen von Zivilisation. Schnell kommt das Gefühl auf, man entdecke gerade eine noch unbewohnte Insel – und das auf Ibiza. Kleine Süßwasserquellen treten aus den Felswänden hervor und tröpfeln ins Meer.

An diesem vom Tourismus verschonten Küstenabschnitt kann man beim Kajakfahren häufig Delfine beo­bachten, welche die Boote auch schon mal ein Stückchen begleiten. Nach einigen Kilometern erreicht die Kajak-Expedition das nur wenige Hundert Meter vom Steinstrand Ses Balandres entfernte Eiland Ses Margalides. Es macht großen Spaß, sich auf den sich hier aufbauenden Wellen durch den tor­artigen Felsbogen des Inselchens treiben zu lassen. An der weiter nördlich liegenden Punta de ses Torretes ist der einem Nadelöhr gleichende Felsspalt so eng, dass einem der gebündelte Wind kaum vorankommen lässt.

Im Osten Ibizas lockt vor allem die Küste zwischen Pou des Lleo und der Traumbucht Cala Mastella. Zunächst geht es weit hinaus aufs Meer, um das Tagomago-Eiland und seine wilden, bis zu 86 Meter hohen Felsklippen zu erkunden. Danach heißt es „powern“. Die Überfahrt zum Kap Roig ist eine wahre Herausforderung für die Kajakfahrer. Hier herrscht fast immer starker Wind. Wasser spritzt ins Gesicht. Es kommt eine Art „Der alte Mann und das Meer“-Gefühl auf. Doch der Kampf gegen die Wellen lohnt sich. Nach dem Kap Roig säumen sich traumhaft schöne Buchten, die von Pinienwäldern umschlossen sind. Ihr herrlicher Geruch ist so stark, dass selbst der Duft des Meeres ab und zu überdeckt wird.

INFOS
Nützliche Adressen und Ansprechpartner

Ibiza Mundo Activo Tel.: 676-07 57 04
E-Mail: info@ibizamundoactivo.com

Spanische Vereinigung von Wassersportanbietern Internet: www.seaspain.info

Tourismusverband Ibiza Internet: www.ibiza.travel/de/

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