Der Naturpark S&lsquoAlbufera im Feuchtgebiet bei Alcúdia

27-10-2008  
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Ein Stelzenläufer stakt durch das seichte Wasser. Bald bricht er nach Afrika auf, um dort nach Nahrung zu suchen.  Foto: Khe

KARL-HEINZ EIFERLE Während es in Mallorcas Urlauberhochburgen derzeit merklich ruhiger wird, herrscht im Naturpark S‘Albufera, am Rande von Port d‘Alcúdia, Hochsaison. Kaum ein Zweig in dem fast 1.650 Hektar großen Feucht- und Sumpfgebiet, der im späten Herbst und in den Wintermonaten nicht besetzt wäre. 271 Vogelarten, mehr als zwei Drittel aller auf den Balearen vorkommenden Spezies, leben dort im Schilf. Viele davon ganzjährig. Hinzu kommen noch Hunderttausende Zugvögel, die sich gerade – von Nordeuropa kommend –, im Anflug auf Mallorca befinden, beziehungsweise schon gelandet sind. Darunter auch Kraniche, Gänse sowie andere Sumpf- und Wasservögel aus Deutschland. Und natürlich jede Menge Stare.

„Es scheint sich in der ­Vogelwelt längst herumgesprochen zu haben, dass es sich in der S‘Albufera gut überwintern lässt“, scherzt Parkdirektor Matias Rebassa (39). Als vor 20 Jahren das Areal zum ersten Naturpark der Balearen erklärt wurde, habe sich der Andrang noch in Grenzen gehalten, erzählt der auf Ornithologie spezialisierte Biologe.

Das angenehme Klima, der Nahrungsreichtum und die geringe Zahl natürlicher Feinde machten die Schutzzone für die Tiere attraktiv. „Viele Vögel kommen seit Jahren jeden Winter wieder“, erzählt Rebassa.

Und ganz ähnlich verhält es sich mit den Hobby-Ornithologen. Hunderte birdwatcher aus ganz Europa, allen voran Deutsche und Briten, buchen ihren Mallorca-Urlaub in den Herbst und Wintermonaten. Im Sommer gebe es zwar mehr Arten, so Rebassa, aber an Masse ist der Winter nicht zu übertreffen.

„Have you seen the Ardea cinerea?“
, fragt freundlich ein mit einem riesigen Teleobjektiv bewaffneter englischer Vogelfreund den etwas ratlosen Reporter, der, nach einem intensiven Blick in die im Park kostenlos erhältliche Vogelliste der zuletzt gesichteten Exemplare, mit dem Kopf schüttelt. „Nein, ein Silberreiher ist mir nicht zu Gesicht gekommen.“

Der, so beruhigt später der Parkdirektor, sei auch gar nicht so leicht zu entdecken. Nicht weil er klein wäre. Im Gegenteil. Aber es gebe derzeit nur eine Handvoll von ihnen im Park.

Um 12.000 größere Wasservögel flattern hier im Winter herum. Hauptsächlich Reiher, Enten und Purpurhühner. Zahlenmäßig am häufigsten vertreten sind aber die Stare. Bis zu einer Million Vögel, schätzt Rebassa, stürzen sich jeden Abend auf das Schilf, um im Park zu übernachten. In riesigen Wolken fliegen sie ihre Formationen. Ein beeindruckender Anblick.

Und ein gefundenes Fressen für die Falken. Die Raubvögel stürzen sich regelrecht in die lebenden Wolken, um sich ihr Abendessen zu holen. Manche können sich angesichts der Nahrungsvielfalt um sie herum im ersten Anflug gar nicht für einen Star entscheiden. Sie brauchen ein zweiten Versuch. Die überlebenden Stare machten sich dann tagsüber wieder auf den Weg, um inselweit nach Nahrung zu suchen, erklärt Parkdirektor Rebassa.

Wie die Vögel Mallorca finden können, ist bis heute weitgehend ungeklärt. Da vom Festland aus kein Sichtkontakt zu den Balearen besteht, müssen sich die Tiere über dem Meer orientieren. Möglicherweise anhand des Erdmagnetismus oder der Sterne. Die meisten Arten, erklärt Rebassa, flögen Mallorca, aus dem Norden kommend, in südwestlicher Richtung an, um möglichst lange über Land fliegen zu können. Manche Tiere reisten im Familienverband. Die Alten zeigen den Jungen den Weg. Andere fliegen alleine oder brechen gemeinsam mit weiteren Tieren auf. Auch wenn es oft so scheint, dass sich große Schwärme für die Reise in den Süden verabreden würden, sei dem nicht so. „Das hängt eher von atmosphärischen Gegebenheiten ab. Manche Vögel warten viele Tage auf den richtigen Moment zum Aufbruch, andere nur kurze Zeit.“

Aber viel mehr wisse man über das Verhalten der Tiere nicht. Fest stehe lediglich, dass die Vögel nur indirekt wegen der Kälte die anstrengende Reise in den Süden auf sich nehmen. „Die niedrigen Temperaturen machen ihnen kaum etwas aus. Es ist vielmehr die Futterknappheit im Winter.“

Aber auch von Mallorca machen sich jetzt einige Arten auf die Reise. Sie haben den Sommer hier verbracht, ihre Brut aufgezogen und verlassen nun die Insel, um in noch wärmeren süd- und äquatorialafrikanischen Gefilden dem Insel-Winter zu entfliehen. „In ganz Europa hören wir jetzt keine Nachtigall mehr.“ Einige Stelzenläufer seien noch zu beobachten, aber auch die bereiteten sich langsam auf die Reise in den Süden vor – und machen anderen Wasservögeln Platz, die klimatisch nicht so verwöhnt sind.

Naturpark S‘Albufera: Am Ortsausgang von Port d‘Alcúdia in Richtung Can Picafort auf der rechten Seite. Dort kann auch geparkt werden. 20-minütiger Fußweg zum Park.
Besitzer der Umweltkarte Tarjeta Verde können sich kostenlos Fahrräder und Ferngläser leihen.
Der Park ist täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei.
Das Mitbringen von Haustieren ist untersagt.
Mehr Infos im Internet unter http://mallorcaweb.net/salbufera

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