Donnernde Hufe und rauschendes Meer

18-12-2008  
Brandung im Ohr, Glücksgefühle im Bauch: Ein Ausritt an der Playa kann süchtig machen.
Brandung im Ohr, Glücksgefühle im Bauch: Ein Ausritt an der Playa kann süchtig machen.  Foto: Schrieber

JUTTA CHRISTOPH Jeder, der auf Mallorca lebt und reitet, hat vielleicht schon einmal davon geträumt: eines Tages am Strand von Es Trenc entlang galoppieren! Mit seinem Pferd über den weichen Sand fliegen, die kraftvollen Bewegungen unter sich spüren und den mit Meersalz gewürzten Wind ins Gesicht wehen lassen. Es gibt nur ein Problem: Hat man das Strandreiten einmal ausprobiert, kommt man so schnell nicht wieder davon los.

Auf der Insel hat die Reit­saison mit Meerblick jetzt begonnen. Doch ist das eigentlich erlaubt? Eine offizielle Genehmigung, am Strand auszureiten, gibt es nämlich nicht. „Ein klares Verbot allerdings auch nicht“, sagt Bernd Schrieber. Der 50-Jährige wohnt seit vier Jahren auf einer Finca sechs Kilometer von Mallorcas Traumstrand an der Südküste entfernt. Er vermietet Ferienapartments und hält zehn Pferde, die Hälfte davon Einsteller, der Rest sind eigene.

„In den Sommermonaten reiten wir meist gar nicht an den Strand, höchstens ganz früh morgens“, ­erzählt der Deutsche, der auf Mallorca geboren und aufgewachsen ist. „Wir möchten Spaziergänger und Sonnenanbeter nicht stören und keinen Ärger mit den Behörden bekommen.“

Ab Oktober sind Strandausritte aber geduldet. Bernd Schrieber, der fließend Deutsch, Spanisch und Mallorquin spricht, hätte natürlich lieber eine offizielle Genehmigung. Schon seit Monaten versucht er, einen Ansprechpartner im Landesministerium zu finden. ­Bisher vergeblich. Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen aber auch nicht. „Am Es Trenc stehen mehrere Verbotsschilder für Hunde. Eins für Pferde habe ich noch nicht gesehen.“

Und deshalb wird seit Ende Oktober wieder am Strand galoppiert. Allerdings nur ein kurzes Stück. Tierliebhaber Schrieber sorgt sich nämlich um das Wohl von Reitern und Pferden. „Durch den Sand zu galoppieren, ist für Pferde anstrengend und geht auf die Fesseln.“ Spaß machen die Ausritte trotzdem. Denn wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. Das gilt auch beim Reiten.

Und der Weg von Ca‘n Bernat bis ans Meer ist wirklich eine Wucht. Vorbei an Olivenbaumgärten, reitet man über Stoppelfelder und nicht asphaltierte Wege durchs Naturschutzgebiet von Es Trenc mit seinen Salinen. Manchmal sieht man rosarote Flamingos vor den Salzbergen auf und ab spazieren. So nah kommt man mit dem Auto an die edlen Vögel gar nicht heran.

Hin und zurück dauern die Ausritte zweieinhalb bis vier Stunden, je nach Lust und Laune sowie Kondition der Reiter (Ausritt ab 40 Euro). Voraussetzung für einen Galopp am Meer: Der Reiter muss sattelfest sein und sein Pferd ­jederzeit anhalten können. „Wer ein Pferd bei mir ausleihen möchte, muss zunächst auf dem Platz vorreiten“, sagt Bernd Schrieber. Dann sieht man gleich, ob der Reiter zum Pferd passt.

Da wäre zum Beispiel Lina, eine russische Traberstute, die den Tölt-Gang beherrscht. Die feinfühlige und temperamentvolle Dame braucht allerdings einen geübten Reiter. Dasselbe gilt für Boy, einem ehemaligen Springchampion aus England. Chiqui, die bildhübsche Friesenmix-Stute mit sehr weichen Gängen, ist schon eher etwas für Reitanfänger. Der Liebling aller Kinder heißt Shirka. Die 18-jährige Traberstute hat eine unendliche Geduld und hält glücklich stundenlangen Putzarien stand. Hafi ist ein Haflinger und das einzige Pferd auf Ca‘n Bernat, das Western geritten wird. Und dann wäre da noch Burli: Der Mini-Shetty-Hengst lässt sich am liebsten den ganzen Tag knuddeln und spazieren führen.

Wer gerne am Strand ausreiten möchte, sich im Gelände aber noch unsicher fühlt, kann zunächst Reit­unterricht nehmen. Reitlehrerin Steffi trainiert Anfänger und Fortgeschrittene auf dem 20 mal 60 Meter großen Außenplatz (20 Euro pro Stunde). Ebenfalls eine gute Alternative für Kinder und Reitanfänger: Ein 800 Meter langer Rundweg führt über das 32.000 Quadratmeter große Grundstück mit Olivenbäumen, Gemüsegarten, Koppeln und Stallungen.

Wer Lust hat, hilft nach dem Reiten noch beim Füttern und Versorgen der Tiere mit. Oder macht es sich in der Reiterstube mit Bar, Sofas und Kamin bequem. Mit etwas Glück kocht Bernd Schrieber dann sogar für alle eine leckere Paella.

Weitere Informationen: www.canbernat.de Tel. 607-55 33 10

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