KARL-HEINZ EIFERLE Mehr Gegensätze als Palmas Stadtstrand kann eine Playa kaum bieten. Can Pere Antoni wird nicht nur zu beiden Seiten von Molen begrenzt, sondern auch von zwei Strandlokalen, die jeweils eine Welt für sich darstellen. Wer die schlichte „Cafetería Gabi“ am westlichen Ende besucht, wird voraussichtlich den edlen Nassau Beach Club am östlichen Ende meiden und umgekehrt.
Es ist Mittwochmittag und am Strand ist nicht viel los. Die grüne Flagge weht, der Himmel ist blau, und es herrscht ideales Badewetter. Aber viele Menschen erfrischen sich nicht im Meer. Die meisten Bewohner der Balearen-Hauptstadt müssen arbeiten, und Urlauber verirren sich kaum hierher. Dafür ist es an sonnigen Sonntagen rappelvoll. Auf den großen Steinblöcken an beiden Molen stehen Angler und versuchen trotz Hitze, das Mittagessen aus dem Meer zu holen. Theoretisch könnten sie Fischiges auch in den „Strandbuden“ bekommen. Sardinen und Doraden bei Gabi, Austern und Langusten im Nassau Beach. Dazu einen mittelprächtigen Wein hüben oder mondänen Champagner drüben – auf Wunsch auch in der Magnumflasche.
Während vor dem Nassau Beach gerade ein Porsche-Cabrio mit vier durch teure Sonnenbrillen verdeckten Augenpaaren vom abgesperrten Parkplatz fährt, fragt eine junge Mallorquinerin den Kellner im „Gabi“, ob er ein Auge auf ihren betagten Motorroller werfen könne, da sie leider kein Schloss dabei habe.
Im Beach Club relaxen die Gäste auf gepolsterten Liegen (6 Euro), innen sitzt niemand in Badekleidung. Bei Gabi gibt es keine Liegen, dafür darf man auch mit nasser Hose auf den Plastikstühlen Platz nehmen. Glaubt man dem Internetauftritt des Nassau Beach Clubs, kann man dort sein Essen selbst von der Yacht aus ordern und bekommt das Gewünschte per Serviceboot zugestellt. Vorausgesetzt, das Schiff ankert ungefähr bei den Koordinaten 39º 33‘ 39,48‘‘ N / 2º 3‘ 58,47‘‘ E.
Gabi ist weder im World Wide Web mit einer eigenen Domain vertreten, noch verfügen die Angestellten über ein Boot. Aber wahrscheinlich käme ohnehin kein Skipper auf die Idee, dort sein Essen zu bestellen.
Konkurrenz machen sich die beiden Lokalitäten daher nicht. Dafür gleichen sich weder das Angebot noch der angesprochene Kundenkreis.
Doch von dem Kontrastprogramm an den Strandenden bekommen die allermeisten Besucher ohnehin nichts mit. Viele haben eigene Getränke und Verpflegung dabei und wollen an dem 750 Meter langen und rund 20 Meter breiten Stadtstrand, der in diesem Jahr sogar mit einer Blauen Flagge ausgezeichnet worden ist, einfach nur einen angenehmen Tag verbringen. Ohne groß einzukehren.
Ob jemand im Porsche vorfährt oder auf einem Roller, ist ihnen egal. Es stört sie nicht einmal, dass der Strand direkt unterhalb des Autobahnzubringers liegt, auf dessen anderer Seite gerade der Kongresspalast hochgezogen wird, eines der derzeit größten Bauprojekte auf der Insel. Von dem Lärm bekommt man wegen Wind und Wellen ohnehin nichts mit.
Infos
Palmas Stadtstrand Can Pere Antoni ist nicht zu verfehlen. Er befindet sich, von der Kathedrale aus gesehen, keine 500 Meter in Richtung Flughafen.
Parkmöglichkeiten gibt es in den Parallelstraßen oder im Hafen von Portitxol.
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