Innenhöfe in Palma: Viel Neues zu entdecken

Wer glaubt, Palmas Innenhöfe seien ein alter Hut, wird bei den Patio-Führungen eines Besseren belehrt. Manchmal dürfen sogar Häuser betreten werden, die bei dem Rundgang gar nicht vorgesehen sind

22-10-2009  
Die Patios in der Altstadt sind für Einblicke geöffnet.
Die Patios in der Altstadt sind für Einblicke geöffnet. Foto: KHE

KARL-HEINZ EIFERLE Bislang konnten Palmas Patios nur wenige Wochen im Jahr zu Fronleichnam besichtigt werden. Erstmals stehen nun die Altstadtpaläste auch im Herbst den Besuchern offen. Vorausgesetzt, sie nehmen an den offiziellen Rundgängen teil, die noch bis zum 21. November mehrsprachig veranstaltet werden. Fünf Mal pro Woche auch auf Deutsch. Bis zum 27. Oktober werden die Innenhöfe vorgestellt, die sich unweit der Kathedrale, befinden. Die beiden anderen Touren führen zu den Herrenhäusern in der Umgebung der Plaça Sant Francesc (vom 28.10. bis 9.11.) und zu denen in Palmas Lonja-Viertel (vom 10. bis 21.11). Die MZ hat für Sie die erste Führung begleitet.

Es ist 10.30 Uhr und Jorge Lambuley (58) wartet im Touristen-Informationsbüro in der Carrer Santo Domingo auf seine wissbegierigen Schäfchen. Acht Personen haben sich angemeldet, aber um 10.45 Uhr ist klar, dass vier von ihnen wohl nicht mehr kommen werden. Den Wartenden ist das eher angenehm. Je weniger mitkommen, umso mehr Zeit hat der Guide, auf Fragen einzugehen.

Auch Lambuley gibt sich gelassen. Da der Rundgang völlig neu ins Programm genommen worden ist, meint er, müsse vielleicht etwas improvisiert werden. Möglicherweise seien doch nicht alle Patios zugänglich, weil die Besitzer oder Verwalter der schmucken Altstadthäuser nicht zu Hause seien und niemand die Türe öffnen könne.

Beim ersten Patio, gleich auf der anderen Seite in der Carrer Almudaina, braucht niemand zu Hause zu sein, denn ein Wachmann, der den Schlüssel hat, begleitet die Gruppe dorthin. Es handelt sich um den Stadtpalast Can Mesquida, der im Jahr 1576 errichtet wurde. Einer der ältesten in Palma.

„Jeder der etwa 15 Patios, die wir besichtigen werden, ist anders, hat seine Eigen- und Besonderheiten", erklärt Lambuley in ausgezeichnetem Deutsch. Und doch hätten sie auch viele Gemeinsamkeiten. So seien alle noch bis ins 19. Jahrhundert hinein halböffentliche Plätze gewesen. Treffpunkte für Geschäftsabschlüsse, Nachbarschaftstratsch oder Rendezvous.

„Die Hausbesitzer kommunizierten auch über ihre Patios." Blumen an der Türe hätten die Geburt eines Kindes angekündigt, verschlossene Eingänge den Tod eines Familienmitglieds. Allen Patios sei auch ihre Dreiteiligkeit gemein: ein opulenter Eingang, ein nach oben offener Hauptbereich und eine Treppe zu den Gemächern. Viele Häuser verfügen darüber­ hinaus noch über Seitentreppen, die zu einer Art Einliegerwohnung führen, die meist dem ältesten Sohn vorbehalten gewesen sei.

Lambuley weist auf die unterschiedlichen Baustile der Häuser hin, mit Einflüssen aus Gotik, Barock, Renaissance und sogar Jugendstil. Manchmal auch alles kunterbunt gemischt. Aufwendig gestaltete Kassettendecken aus Holz wechseln sich mit kreuzgangartigen Gewölben und Schmiedearbeiten ab. In vielen Innenhöfen prangen noch heute die filigran verzierten Familienwappen. In einem Patio sind in einer Art Rosenkranz zwei Frauenköpfe herausmodelliert, die jeweils ihren Zeigefinger senkrecht über die Lippen legen. Dies bedeute, dass hier eine reiche Frau einen mittellosen Adligen geheiratet habe. „Damit wurde sie in den Adelsstand aufgenommen, und er war wieder flüssig." Aber darüber – psssst – müsse selbstverständlich geschwiegen werden. „Die Patios sind voller Details", schwärmt Lambuley. „Es gibt immer wieder etwas zu entdecken, was man bislang übersehen hat."

Nicht zu übersehen war bei diesem Rundgang der Patio von Señora Ferrer. Er gehört nicht zum offiziellen Besuchsprogramm. Die Frau arbeitet gerade in ihrem schön begrüntem Hof, als die Gruppe an ihrem Haus vorbeikommt. Spontan lädt sie ein, auch ihren Patio zu besichtigen. Dass sie noch im Morgenmantel ist, stört niemanden, am wenigsten sie selbst. Bis 1230 ließe sich ihre Familiengeschichte zurückverfolgen und auch ihr Haus sei schon steinalt. „Das einzig Moderne hier bin ich", sagt die 80-Jährige, schmunzelt und gießt wieder ihre Pflanzen.

Infos
Bis zum 27.10. finden die Führungen rund um die Kathedrale statt.
Auf Deutsch: Mo 10.30 Uhr, Di 16.30 Uhr, Do 10.30 Uhr, Fr 16.30 Uhr, Sa 11 Uhr.
Vom 28.10. bis 9.11. sind die Patios in der Umgebung der Plaça Sant Francesc an der Reihe:
Mo 10.30 Uhr, Di 10.30 Uhr, Mi 16.30 Uhr, Fr 16.30 Uhr, Sa 11 Uhr.
Abschließend geht es ins Lonja-Viertel: Mo 10.30 Uhr, Di 10.30 Uhr, Fr 10.30, Sa 11 Uhr.
Die Führungen kosten fünf Euro (Residenten vier Euro) .
Treffpunkt ist das Touristen-Informationsbüro in der Carrer Santo Domingo, 11.
Unbedingt unter Tel.: 971- 72 07 20 anmelden und reservieren.

  Zeitungbibliothek
  MZ-Fotowettbewerb: Aktiv auf der Insel

TEXTO

DESCRIPCION
 Die Galerie anschauen »
  LERNEN SIE UNS KENNEN:  KONTAKT |  REDAKTION |  ANZEIGEN-TEAM     WERBUNG:  TARIFE
mallorcazeitung.es gehört zur Verlagsgruppe  Editorial Prensa Ibérica
Die vollständige oder teilweise Verwendung der über dieses Medium angebotenen Inhalte ohne ausdrückliche Genehmigung der Mallorca Zeitung ist untersagt. Nach Gesetz LPI, Artikel 32,1, 2. Paragraf ist jedwede Reproduktion verboten.
 


  Aviso legal
  
  
Andere Medien der Gruppe Editorial Prensa Ibérica
Diari de Girona  | Diario de Ibiza  | Diario de Mallorca | El Diari  | Empordà  | Faro de Vigo  | Información  | La Opinión A Coruña  |  La Opinión de Granada  |  La Opinión de Málaga  | La Opinión de Murcia  | La Opinión de Tenerife  | La Opinión de Zamora  | La Provincia  |  La Nueva España  | Levante-EMV  | Regió 7  | Superdeporte  | The Adelaide Review  | 97.7 La Radio  | Blog Mis-RecetasEuroresidentes | Loteria de Navidad | Oscars | Premios Goya