Besichtigungstour mit dem Leihrad: Strampeln und Staunen

Strand- und Stadtbesichtigung mit dem Leihrad: Auf einer Tour von der Playa de Palma in die Stadt erfahren die Teilnehmer mehr über Mallorca und radeln 30 Kilometer

06-05-2010  

SILKE DROLL Kaum kommt die Frühlingssonne auf Mallorca heraus, werden viele Residenten wieder zu Teilzeit-Reiseleitern. Ein Besuch nach dem anderen rückt aus der Heimat an und quartiert sich im Wohnzimmer ein. Dann kommen wieder Fragen wie: „Warum steht da Platja und nicht Playa?" oder „Warum gibt es dort so viele Windmühlen?" Residenten, die selber keine Zeit und Energie für die Insel-Einführung haben, können den Mallorca-Grundkurs Willi Kramme (58) überlassen. Bei dem früheren Chefreiseführer von Neckermann und LTU gibt es die Antworten zu Geschichte, Politik und Botanik vom Fahrradsattel aus – bei den Stopps einer mehr als 30 Kilometer langen Radtour von der Playa de Palma ins Stadtzentrum und zurück.

An diesem Tag strampeln mehrere Ehepaare und zwei Freundinnen aus den umliegenden Hotels mit. Morgenstimmung liegt in der Luft, auf der Strandpromenade ist noch kaum Betrieb, erste Rollläden von Geschäften werden hochgezogen. Der frische Fahrtwind im Gesicht tut gut, der Blick aufs Meer macht gute Laune.

Nach ein paar hundert Metern wird zum ersten Mal angehalten und Willi holt zu Erklärungen aus: Er spricht über die Entstehung der Playa de Palma und den Unterschied zwischen Spanisch und Mallorquinisch. Die langjährige Erfahrung als Reiseleiter in der ganzen Welt merkt man ihm an. Er spricht deutlich, er betont, weiß Pointen zu setzen. Ein paar Kilometer weiter, im wilden Küstenstreifen Es Carnatge in der Abflugschneise des Flughafens, gibt es die nächsten Infos. Auch Mallorca-Kenner können dabei Neues erfahren. Oder wer weiß schon, dass genau dort die Franquisten im Bürgerkrieg ihre Flugabwehrschütze positionierten und ein Teil der Steine der Kathedrale aus dem Gebiet stammen?

Auch die heutigen Teilnehmer sind nicht nur Insel-Neulinge. „Wir waren schon neun- oder zehnmal auf Mallorca", erzählt Martha Holtick (68) aus Bocholt in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Rad nach Palma gefahren ist sie auch schon. „Aber als Urlauber kennt man sich ja nicht so aus wie Willi." Für ihren Mann Franz (76) ist die Radtour sowieso die ideale Betätigung. Zu Fuß ist der Ex-Physiotherapeut des Deutschen Fußball Bundes (DFB) nur noch mit Stock unterwegs, aber Radfahren funktioniert hervorragend.

Kurz bevor die Gruppe in die Altstadt einbiegt, passiert das Malheur. Willis Hinterrad ist platt. Dabei beweist der Rad-Reiseführer, dass er in Rekordtempo einen Reifen wechseln kann. Dabei wurde er erst in den vergangenen Jahren zum Velo-Experten. „Ich bin seit meiner Schulzeit nicht mehr Fahrrad gefahren, bis ich die Idee zu der Tour hatte", erzählt er. Darauf kam er, als 2003 der Radweg am Meer entlang fertig gebaut war. „Da dachte ich mir, da müsste man touristisch was daraus machen." Mittlerweile spinnt er an einer weiteren Tour, bei der er die neuen Radwege um die Avenidas und den Friedhof einbeziehen will. „Das wird dann sehr nekrophil."

Mystik gibt es auch schon bei Willis bestehender Radreise durch Palma. Vor der Mittagspause wird im Santa-Clara-Kloster angehalten. Aus gleißendem Sonnenschein geht es in die dunkle kühle Kirche, die nur von einem leuchtenden Rosettenfenster erhellt wird. Aus dem Seitenschiff dringt das Rosenkranz-Gebet der Nonnen. Eine andere Welt. Und schon sitzen wieder alle auf dem Rad, schauen in alte Innenhöfe, halten vor dem Rathaus, an der Lonja und erfahren die Geschichte von Juniper Serra, dem Franziskanermönch, der die Missionsstationen im heutigen Kalifornien nach den Heiligen benannte, die in seiner Dorfkirche in Petra zu sehen waren: San Diego, Santa Ana, San Francisco, Los Angeles.

Das Schöne an der Radtour für die Mallorca-Residenten, die den Besuch hinterher wieder in Empfang nehmen: Die Gäste wollen nicht mehr um die Häuser ziehen, sondern fallen müde ins Bett.

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