Rosengarten auf Mallorca: Berühren erlaubt

Anfang Juni blühen die Rosensträucher im Garten von Yannick Vu und Ben Jakober. Die MZ hat auf dem Anwesen Sa Bassa Blanca bei Alcúdia vorbeigeschaut

16-07-2010  
Klettert fleißig am Mandelbaum – die „Honey Dyson?.
Klettert fleißig am Mandelbaum – die „Honey Dyson?. Foto: Nele Bendgens

BARBARA POHLE Es ist ein Fest für die Sinne – ­etwa hundert Rosensträucher, die zeitgleich blühen. Wohl nirgendwo auf Mallorca lässt sich das so schön erleben wie im Garten der Stiftung Jakober bei Alcúdia. Vor den grünen Hügeln der Halbinsel Sa Victòria breitet sich ein Teppich mit weißen, gelben und rosa Farbtupfern aus.

Doch die Schönheit des Gartens liegt im Detail. Wenn sich morgens Tautropfen wie Perlen auf den Blüten sammeln und das eine Blatt wie Seide schimmert, das andere wie Samt. Keine Blüte, das weiß ein jeder Rosenfreund, ist wie die andere.

Ganz nahe kommt man den Blütenköpfen auf einem schmalen Durchgang zwischen zwei Beeten. Hier streifen die Rosenblätter die bloße Haut. Berühren ist hier nicht verboten – man kann sogar die Nase so tief in die Blüte stecken, bis einem vom Duft fast schwindlig wird.

„Alte Rosen und englische Züchtungen haben das intensivste Aroma", sagt Yannick Vu. Aus diesem Grund wählte die Künstlerin ausschließlich diese beiden Rosenarten für ihre Gartenkollektion aus. Vor 20 Jahren setzte Vu den ersten Strauch. Kurz zuvor hatte eine Schlammlawine viel Erdreich weggeschwemmt. Rasen, Lorbeerbäume und Rosensträucher sollten fortan mit ihren Wurzeln die Erde des Grundstücks festhalten, das etwa 30 Meter lang und 15 Meter breit ist.

Das Experiment ist gelungen. Die Rosen sind heute erwachsen, sie klettern an Mauern, Bäumen und einem kleinen Turm empor. Zwischen der mit Rosen bewachsenen Pergola und einer frei stehenden Rosenhecke ist ein Nutzgarten mit Gemüse und Kräutern angelegt. Die Besucher sollen sehen, dass man sich mit wenigen Quadratmetern mit Gemüse selbst versorgen kann.

Auch in diesem Paradies lauert Ungeziefer – und zwar nicht nur die vielen Mücken, die hier herumschwirren. „Wir arbeiten ohne chemische Gifte", sagt Franc Sánchez, der Gärtner von Sa Bassa Blanca. Er stammt aus Sevilla und lebt seit Jahrzehnten auf der Insel. „Das Wichtigste für die Pflanzen ist Kompost", alle Gartenabfälle häckselt er sorgfältig, erst nach zwei, drei Jahren Lagerung wird das organische Düngemittel im Garten verteilt.

Für die Rosen kommt noch spezieller Rosendünger dazu – vor und nach der Blütezeit versorgt Sánchez sie ausgiebig mit den Nährstoffen. Täglich schickt das Bewässerungssystem Feuchtigkeit an die Wurzeln. „Die Blüten dürfen nicht nass werden, die zarten Blätter vertragen kein Wasser."

Schnell hin
Der Weg zur Stiftung ist von Alcúdia aus ausgeschildert. Es gibt dort auch wunderbare Ausstellungen mit Kinderporträts und zeitgenössischer Kunst (Tel.: 971-54 98 80 sowie gratis 900-77 70 01). Di 9.30 - 12.30, 14.30 - 17.30 Uhr, Eintritt frei, Mi bis Sa nur in Verbindung mit Führungen und nach Anmeldung (11 u. 15 Uhr, Eintritt: 15 Euro, Senioren: 7 Euro, Kinder gratis). E-Mail: visitas@fundacionjakober.org

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