Auf dem Segway schweben

Für Urlauber, denen Spazierengehen zu langsam, Autofahren zu schnell und Radeln zu langweilig ist

16-09-2010  
Profilreifen sei Dank: Auch ein Ritt am Strand ist mit dem X2 möglich.
Profilreifen sei Dank: Auch ein Ritt am Strand ist mit dem X2 möglich. Foto: Rolshoven

MARTIN ROLSHOVEN Er heißt X2, ist die Off-Road-Version eines Segways und soll das Sightseeing auf Mallorca revolu­tionieren. Segways – das sind futuristisch anmutende Elektro-Roller, die im Stehen und hauptsächlich durch Gewichtsverlagerung gesteuert werden. Der eine oder andere wurde vielleicht schon mal von einem dieser Dinger überholt – vor allem Kreuzfahrt­urlauber düsen damit regelmäßig in Palma hin und her. Im Unterschied zu den Flitzern auf dem Paseo Marítimo kann man mit dem X2 allerdings auch ins Gelände. Grund genug, sich die Querfeldein-Variante mal näher anzusehen.

Vermietet werden die Off-Road-Modelle derzeit nur an der Ostküste, in Cala Millor. Entweder minutenweise oder im Paket mit einer geführten Ausflugsfahrt. Veranstalter Segtours bietet unter anderem eine Tour zum Piratenturm Sa Punta de n´Amer an. Klingt spannend, die soll es sein.
Bevor es losgeht, zeigt mir Claudia Ripper, Österreicherin und rechte Hand von Stationsleiter Karl Wagner, wie ein Segway funktioniert. So einfach wie es aussieht, ist es anfangs nicht.

Zunächst die Theorie: Alles spielt sich auf der Bodenplatte des Gerätes ab. Sie ist Gaspedal und Bremse zugleich: Schalter oder Knöpfe gibt es keine. Verlagert man das Gewicht nach vorne, wird der Segway schneller und umgekehrt. Will man nach links oder rechts, zieht man den Lenker vor sich in die jeweilige Richtung – die Neigungssensoren registrieren die Schwerpunktverlagerung zur Seite und leiten eine Kurvenfahrt ein. Der Wendekreis ist praktisch gleich null: Beide Räder werden unabhängig voneinander angetrieben, man kann sich also sozusagen auf der Stelle drehen.

Jetzt zur Praxis: Die ersten 50 Meter bin ich extrem unsicher, stehe verkrampft und beiß mir vor Aufregung fast die Zunge ab. Doch schon nach zehn Minuten verfliegen Angst und Zweifel im Fahrtwind: Ich will mehr, raus ins Gelände. Rasch noch lernen, wie man eine Vollbremsung macht, und ab zum Piratenturm.

Karl Wagner, ebenfalls Österreicher, fährt vor und zeigt mir, wo es langgeht. Zuerst die Küste entlang nach Sa Coma. Fußgänger, Kinderwagen und Verkaufsständer: Auf der Strandpromenade kann man prima Slalomfahren üben. Beim Überqueren einer Fußgängerbrücke machen sich die 4,8 Pferdestärken der beiden Elektromotoren bemerkbar – damit hängt man alle ab.

Weiter geht´s nach s´Illot und in etwas raueres Gelände, über wackelige Holzplanken und holprige Schotterpisten. Wichtig: Bei Unebenheiten stets in die Hocke gehen und mit den Beinen abfedern, sonst meldet sich schnell die Wirbelsäule, und der Rücken schmerzt noch, wenn die Tour längst zu Ende ist.

Noch mehr Spaß macht die Pipeline-Fahrt durchs angrenzende Naturschutzgebiet, Schreckmoment inklusive: Die schmalen und sandigen Wege sind links und rechts teilweise von kleinen Schutzwällen eingefasst, die man rauf und runter fahren kann – sofern es das eigene Können zulässt. Als blutiger Anfänger reißt es mich um ein Haar vom Segway – dabei sah es bei Carlos, so wird Karl von allen genannt, recht einfach aus. Auch beim Segwayfahren kommt Selbstüberschätzung vor dem Sturz.

Dann kommen wir zur Punta de n´Amer: auf dem Berg der Turm, unten wir. Mühelos bringen uns die Segways hinauf, bis zu 35 Prozent Steigung können sie meistern. Nach einer Kaffeepause – Segtours spendiert jedem Teilnehmer ein Getränk – geht es zurück nach Cala Millor. Der Spaßfaktor ist jetzt noch höher, denn mit jeder Kurve wird man sicherer.

Fazit: Segwayfahren ist wie schweben, nur wesentlich schneller, als man es sich vorstellt. Und die Dinger sind so klein und wendig, dass man auch dort hinkommt, wo für Autos Endstation ist – ohne dass es anstrengend wird. In puncto Sightseeing setzen Segways neue Maßstäbe, denn auch wenn man mit 18 km/h unterwegs ist, kann man sich noch in Ruhe die Umgebung anschauen. Das Erlebnis hat seinen Preis: Je nach Modell und Vertriebspartner kostet ein Segway zwischen 7.300 Euro und 8.200 Euro – aber auf Mallorca kann man sie ja auch mieten.

Infos:
Off-Road-Segways kann man bei Segtours in Cala Millor mieten (C/. de Sumba, Tel.: 971-81 39 67, 634-09 98 08): 15 Minuten (19 Euro), 30 (29 Euro) und 60 Minuten (39 Euro). Angeboten werden auch geführte Touren wie zum Piratenturm (2 Stunden, 69 Euro + Freigetränk), eine Stadtrundfahrt (45 Minuten, 39 Euro) und eine Bootsfahrt nach Porto Cristo (3,5 Stunden, 54 Euro). Mehr Infos: www.segtours.org


In der Printausgabe vvom 16. September (Nummer 541) lesen Sie außerdem:

- Alle Trachten dieser Insel: Mallorca-Mode aus 200 Jahren
- Kindermenu: Kerzen selber machenn

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