Mit dem Navi zum Mallorca-Strand

Ein in Kanada beheimateter Wanderautor hat einen Mallorca-Strandführer vorgelegt. Der Clou: Für jedes Ziel sind die GPS-Koordinaten zur Eingabe in das Navigations-Gerät angegeben.

24-06-2010  
Sa Marjal Platja des Rivell – ein Traumstrand zwischen Son Servera und Costa des Pins.
Sa Marjal Platja des Rivell – ein Traumstrand zwischen Son Servera und Costa des Pins.  Foto: Zintl

BARBARA POHLE Wenn man´s genau nimmt, hat Mallorcas Küste 512 Strände. Auf diese stattliche Zahl freilich kommt man nur, wenn man jede winzige Bucht mitzählt, auch wenn dort gerade mal ein Handtuch Platz hat. Der unlängst erschienene „Strandführer Mallorca" im handlichen Taschenformat grenzt das Thema ein und stellt 159 Strände vor, die bequem mit dem Auto oder – auf einer kleinen Wegstrecke zu Fuß – erreichbar sind.

Für den Hausgebrauch der Inselbewohner reicht das allemal. Man ist auch dann gerüstet, wenn Gäste nach einem Naturstrand mit bestem Service fragen. Für Urlauber stellt die Broschüre eine Ergänzung zum Reiseführer dar – die Auswahl an Badebuchten ist dort üblicherweise begrenzt.

„Wir belegten zeitweise Platz drei unter den Mallorca-Reiseführer bei Amazon", sagt Autor Wolfgang Zintl. Der 45-Jährige ist Wander- und Jagdguide in der kanadischen Provinz British-Columbia. Im Nebenberuf ist er Fotograf. 2008 kam er erstmals zur Motivsuche nach Mallorca. Bis dahin habe die Insel, wie er sagt, nicht gerade zu den Favoriten unter seinen Reisezielen gezählt.

Doch Zintl entdeckte in ­jenem Sommer einsame Buchten, änderte seine Meinung und brachte ein stattliches Fotoarchiv mit Mallorca-Fotos nach Hause, die er mit großem Erfolg im Internet verkaufte. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin ­Angela Wrede entstand die Idee, einen Strandführer im Selbstverlag herauszubringen, den sie „Scout" nannten.

Im Juli 2009 kam der Autor noch einmal auf die Insel und wanderte die im Buch beschriebenen Strände entlang. „Ich suchte für jeden Strand ein typisches Motiv." Zintl wollte vermeiden, dass ein Strand wie der andere aussieht. Dabei hatte er keine Zeit, „stundenlang auf gutes Licht zu warten". Das sieht man vielen Fotos durchaus an, aber da sie nur klein gedruckt und Teil eines weiter angelegten Konzeptes sind, tut das dem Nutzwert des Strandführers keinen Abbruch.

Die Strände sind nach Himmelsrichtungen sortiert, die Seiten in vier verschiedenen Farben angelegt, so dass man schon am Buchblock von außen erkennt, welches Kapitel aufzuschlagen ist. Und der Clou: Für jedes Ziel sind die GPS-Koordinaten zur Eingabe in das Navigations-Gerät angegeben.

Was man vorfindet, wenn das Ziel erreicht ist, beschreibt der Autor dann in kurzen Anmerkungen. Die schöne Cala Matzoc bei Artà beispielsweise schildert er so: „Von Cala Mitjana aus fahren Sie nur wenige hundert Meter um die nächste Kurve. Hier parken Sie und folgen dem Pfad entlang der Küste etwa 1,3 Kilometer. Sie gelangen an einen weiteren wilden Strand. Auch hier finden Sie keinerlei Service, doch eine schöne, von Dünen und Bäumen umgebene Landschaft." Auch dass man dort manchmal Algen vorfindet, ist erwähnt.

Das Seitenlayout ist übersichtlich. Neben dem Foto befindet sich ein Kasten mit Namen und Strandbeschaffenheit. So ist zu erfahren, ob es sich um einen Sand-, Kies- oder Felsstrand mit oder ohne Vegetation und Promenade handelt.

Zu jeder Strandbeschreibung gehört auch eine Tabelle, die Auskunft darüber gibt, ob an dem Ort mit eher ruhigem Meer oder starken Wellen zu rechnen ist und ob der Untergrund eher flach oder stark abfällt. Weitere Informationen geben grüne und rote Punkte. Sie zeigen an, ob der Strand bewacht ist, ein Behindertenzugang existiert und ob Duschen und Toiletten zur Verfügung stehen. Weiterhin gibt es Informationen über die Bewirtung und den Verleih von Sonnenschirmen und Liegen.

Ein größerer Kasten steht für das Stichwort „Zugänge" zur Verfügung. Hier erfährt man, ob und wie lange man zu Fuß gehen muss, mit dem Schiff an den Strand gelangen kann oder Parkplätze zur Verfügung stehen. Rot und Grün signalisieren am unteren Rand der Tabellen, wenn der Strand im Sommer sehr überfüllt ist und ob er sowohl von Touristen als auch von Einheimischen oder von einer Mischung aus beiden besucht wird.

Wie jeder Wander- oder Reiseführer hat auch dieses Buch seine Macken: Auf den Übersichtskarten sind die Straßen kaum erkennbar. Wer also kein GPS hat, tut gut daran, zusätzliche eine Straßenkarte dabei zu haben. Dieses Manko will Autor Wolfgang Zintl bald schon korrigieren. „Wir bereiten derzeit eine neue überarbeitete Auflage vor."

Wolfgang Zintl, Mallorca Strandführer, Mehr als 150 Strände im Detail beschrieben. 11,90 Euro, ISBN 978-3-9813198-0-4,
www.scout-verlag.de

In der Printausgabe vom 24. Juni (Nummer 529) lesen Sie außerdem im Ressort Leben:

- Kindermenü: Das Geheimnis der Glibbertiere
- Inselgeschichten: 100 Jahre Luftfahrt auf Mallorca, Teil 2

Diese Artikel finden Sie auch hier.

  MZ-Fotowettbewerb: Aktiv auf der Insel

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