Telefongesellschaften erhöhen Tarife: Der Kunde ist der Dumme

Telefónica erhöht weitgehend unbemerkt die Preise für bestehende Verträge. Orange und Vodafone ziehen nach. Verbraucherschützer ziehen vor Gericht – doch die Anbieter haben nicht viel zu befürchten

03.05.2017 | 11:18
Telefongesellschaften erhöhen Tarife: Der Kunde ist der Dumme

Wissen Sie, wie lange Sie auf Mallorca arbeiten müssen, um sich ein Jahr lang Telefon und Festnetz leisten zu können? Ungefähr zwei Wochen, Wochenenden nicht mit eingerechnet. In Deutschland ist es statistisch nur etwas mehr als die Hälfte. Und die Kosten in Spanien steigen, weitgehend unbemerkt von den Kunden, noch weiter an.

Die drei großen Anbieter Telefónica-Movistar, Vodafone und Orange marschieren bei den Preiserhöhungen im Gleichschritt, auch wenn beispielsweise Movistar das Gegenteil versprochen hatte. „Para siempre" hieß die Kampagne vor fünf Jahren. In Wirklichkeit hat der Konzern allein in den vergangenen zwei Jahren bereits viermal die Tarife angehoben. Und das nicht etwa für diejenigen, die einen neuen Vertrag abschließen wollen, sondern für Altkunden, die ihren Vertrag seinerzeit mit einer festgelegten Laufzeit zu einem scheinbar festgelegten Preis abgeschlossen hatten.

So wurden etwa kürzlich die Movistar Fusion-Pakete, die Internet, Festnetz und Handy enthalten, um fünf Euro im Monat erhöht. Das günstigste Angebot kostet jetzt 55 Euro. Telefónica-Chef José María Álvarez-Pallete stellt die Erhöhungen unter das Motto: „Mehr Service für ein bisschen mehr Geld." Die „Anpassungen" seien nötig, weil die Ausgaben gestiegen seien, um das Netz zu unterhalten und schneller zu machen. Und außerdem, fügte er noch an, seien ja auch Milch, Obst und Fisch Preisschwankungen ausgesetzt.

Movistar behauptet, man habe alle Kunden mit einem Brief über die Erhöhung in Kenntnis gesetzt. Wer allerdings nur noch eine digitale Rechnung bekommt, der musste bis ganz ans Ende scrollen, um auf die Änderung aufmerksam zu werden. Gut versteckt, könnte man auch sagen.

„Die drei Telefongesellschaften haben die Preise von bestehenden Verträgen erhöht, ohne die Nutzer zu fragen, ob sie die neuen Leistungen überhaupt wollen", kritisiert Alfonso Rodríguez, Sprecher der Verbraucherschutzvereinigung Facua auf Mallorca. „Wir sind der Meinung, dass die Erhöhung klar illegal ist."

Die Gesellschaften berufen sich darauf, dass sie die Preise nicht einfach erhöht haben, sondern im Gegenzug ihren Kunden nun schnellere Internetverbindungenoder mehr Datenvolumen zur Verfügung stellen. Im Falle von Movistar Fusión Contigo etwa hat sich das Datenvolumen des Handys von 2 auf 4 Gigabyte erhöht. Dafür steigt aber auch die Gebühr für den Rufaufbau beim Handy von bisher 20 auf dann 25 Cent. Dass der Kunde nicht gefragt wurde, scheint nicht von Belang.

Nach der Ankündigung von Movistar dauerte es nicht lange, bis die beiden anderen Großen nachzogen. Auch Orange und Vodafone erhöhten ihre Preise je nach Datenpaket um zwei bis fünf Euro, um im Gegenzug mehr Megabyte zur Verfügung zu stellen. All das geschieht, ohne dass die spanischen Wettbewerbshüter auch nur mit der Wimper zucken. Facua hat vor Gericht zunächst Einspruch gegen die Preiserhöhung von Movistar eingelegt, ist damit aber am vergangenen Dienstag (11.4.) abgeschmettert worden. Der Richter berief sich auf einen Formfehler. Facua hat nun noch bis Anfang Mai Zeit, in Berufung zu gehen. Große Hoffnungen hat der Verbraucherschützer aber nicht. „Die Gerichte sind in Spanien nicht gerade besonders verbraucherfreundlich eingestellt", erklärt Rodríguez.

Was bleibt dem Verbraucher also? Er kann natürlich den Anbieter wechseln, was angesichts der Preiserhöhungen auch ohne Pro­bleme und ohne die Beachtung einer Kündigungsfrist möglich ist. Aber wohin wechseln, wenn alle die Preise erhöhen? Viele resignierten, so Rodríguez. Wirklich etwas unternehmen oder vor Gericht gingen die allerwenigsten. „Die Firmen nutzen diese typisch spanische Trägheit gnadenlos aus, nicht nur im
Telekommunikationsbereich", ärgert sich Rodríguez.

Fast zeitgleich endet eine andere Möglichkeit, in den Genuss günstigerer Tarife zu kommen. Bisher war es möglich, von Spanien aus mit verschiedenen Sparvorwahlen, wie etwa 01052 oder 107082, zum Beispiel nach Deutschland zu verbilligten Tarifen zu telefonieren. Die spanische Wettbewerbskommission schafft diese Nummern ab Juli ab. Wie eine Mitarbeiterin von „Ruf an + spar" in Palma erklärt, wurden solche Sparvorwahlen vor allem von ausländischen Residenten genutzt, um günstiger nach Hause zu telefonieren. In Zeiten von WhatsApp und Skype seien die Nutzerzahlen zurückgegangen, dennoch habe sich das Geschäft für das Unternehmen noch gelohnt. Die Kunden, die bisher automatisch eine Sparvorwahl vorgeschaltet hatten, wurden bereits über die Änderung informiert. Sehr wohl können Kunden aber mit ihrem gesamten Vertrag zu „Ruf an + spar" oder auch anderen Anbietern wie 107082 Telecom wechseln. Und auf diese Weise mit dem Oligopol von Movistar, Vodafone und Orange brechen.

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