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Leben

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    15
    Juni
    2017
    Ich ging ins Bestattungsinstitut, wo die sterblichen Überreste meines Freundes R. aufgebahrt waren, um seiner Frau mein Beileid zu bekunden. Es waren nicht viele Leute da...
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    08
    Juni
    2017
     Vor nicht langer Zeit erschlug ein 18-Jähriger in Torrejón de Ardoz, in der Nähe von Madrid, einen 81-jährigen alten Mann, der am Stock ging. Der a...
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    01
    Juni
    2017
    Am Nebentisch fragt eine Frau ihren Mann, ob er Kopfschmerzen hat. "Ich bin es, der meinem Kopf Schmerzen bereitet", antwortet der Mann. Ich hätte nie gedacht, dass ich m...
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    26
    Mai
    2017
     DAS ÄUSSERE, INNERE UND WESENTLICHE ÜBER DEN MALLORQUINEREin mallorquinischer Philosoph - sein Name ist dem Autor leider entfallen - hat das Lebensprinzip der ...
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    25
    Mai
    2017
    Silikon ist eine große Erfindung, aber nicht immer zweckdienlich. Am Wandanschluss der Badewanne wird es mit der Zeit rissig. Und trotz der speziellen Pistolen ist es sc...
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    18
    Mai
    2017
    Korruption nimmt so viel Platz in unserem Leben ein wie Fußball. Es vergeht kein Tag ohne Spiel oder Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Wir leben in einem binä...
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    27
    April
    2017
    Die beste Zeit zum Töten ist der Kaffee, nach einem Essen, das mit den besten Weinen der Welt hinuntergespült wurde. Warum? Der Magen ist befriedet, man fühlt sich eins mit der Welt und tötet mit einem Hauch von Mitleid, vielleicht sogar mit Anstand. „Verzeihen Sie, dass ich Sie töte.“ Ein Henker, der dich um Vergebung bittet, bevor er die Schraube des Würgeeisens anzieht, entwaffnet dich. Franco unterzeichnete die Todesurteile beim Nachtisch, zu diesem Zeitpunkt fühlte er sich großherziger und legte eins von neun oder zehn Todesurteilen beiseite. So die Legende. Wir wissen nicht, wie viele Menschen ihr Leben einem Rinderfilet mit Kartoffeln zu verdanken haben. Die Historiker setzen sich nicht mit diesen Dingen auseinander, weil sie schwer zu dokumentieren sind. Aber niemand zweifelt daran, dass wenn Franco Sodbrennen hatte, massenweise Erschießungen stattfanden. Vor Jahren brach ein Dieb um drei Uhr morgens bei mir zu Hause ein. Da ich schlecht schlafe, hörte ich Geräusche, stand auf und wir trafen uns im Flur: ich, in meinem Schlafanzug, er mit einem Küchenmesser, das im Halbdunkel glitzerte. Als er im Begriff war, mir das Messer in den Leib zu rammen, klingelte sein Handy, er nahm es zur Hand, während er mich weiter bedrohte und brach in Tränen aus, weil seine Mutter gerade gestorben war. Ich musste ihn trösten, lud ihn zu einem Kaffee ein und brachte ihn dann zur Leichenhalle, weil er kein Auto dabeihatte. Vielleicht verdanke ich diesem Anruf mein Leben. Diese Geschichte kam mir in den Sinn, da Trump nach dem Essen befahl Syrien zu bombardieren. „Ich saß am Tisch“, sagte er später, „wir aßen gerade Nachtisch, den schönsten Schokoladenkuchen, den Sie je gesehen haben.“ Und in diesem Moment befahl er, 59 Raketen abzuschießen. Wie viele Raketen hätte er ohne den Schokoladenkuchen abgefeuert? ...
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    07
    April
    2017
    Fernando Alonso braucht dringend einen Seat Toledo, einen Skoda Octavia oder einen Dacia Sandero. Zumindest sollte er die Rennen zu Ende fahren. Einige dieser Autos hatten laut meinem Stamm-Taxifahrer eine Laufleistung von 500.000 Kilometern. Außerdem fahren sie etwas mehr als 200 km pro Stunde. Manchmal liegt die Lösung ganz nahe, beim Autohändler an der Ecke, und wir sind nicht in der Lage, sie zu sehen, geblendet von den Wagen der Oberklasse. Ich mag den Asturianer einfach nicht mehr mitten im Rennen aus seinem Wagen steigen sehen, während seine Konkurrenten ihm nicht das Wasser reichen können. Geben Sie diesem Mann ein normales Auto und Sie werden sehen, was er damit macht. Merkwürdig, dass viele Leute die Rennen von Alonso erst verfolgen, seit er nichts anderes tut, als zu verlieren. So auch ich.  Und nicht etwa, weil ich gefallene Idole mag, sondern aus purer Liebe zu den „umgekehrten“ Helden, die ihr Unglück gelas- sen und mit Humor tragen. Der Formel-1-Rennfahrer hält Mittagsschlaf. Als amtierender Weltmeister konnte er sich diesen Luxus nicht erlauben, er hätte uns enttäuscht. Aber nun, nachdem er sich auf der Kehrseite des Erfolgs eingerichtet hat, kann er nach dem Mittagessen ein Nickerchen halten.  „Ihnen gefällt die Niederlage, weil Sie sich auch besiegt fühlen“, meint mein Psychoanalytiker. „Besiegt, von wem?“, frage ich. „Vom Leben.“ Nun, es ist nicht das Gleiche, vom Leben oder von einem Auto besiegt zu werden. Ich glaube, vom Leben besiegt zu werden, hat mehr Größe. Deshalb mache ich keinen Mittagsschlaf. Denn wie es sich für jemanden gehört, der vom Leben besiegt wurde, leide ich unter Schlaflosigkeit. Wenn ich Fernando Alonso wäre, würde ich mir einen Seat Tole- do oder einen Skoda Octavia besorgen und damit ins Rennen gehen.         ...
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    03
    April
    2017
    In der U-Bahn streiten Mutter und Tochter über Zwangsverhalten. „Es führt zu nichts, sich die ganze Zeit die Hände zu waschen“, sagt die Mutter. „Ich wasche meine Hände nicht die ganze Zeit“, widerspricht die Tochter. „Die ganze Zeit nicht, aber sieben oder acht Mal am Tag“, sagt die Mutter. „Sieben oder acht Mal am Tag ist nicht die ganze Zeit“, entgegnet die Tochter. „Was hast du davon?“, fragt die Mutter. „Vergnügen“, sagt die Tochter, „ich mag es, meine Hände unter fließendes Wasser zu halten, sie einzuseifen, zu sehen, wie der Schaum zwischen den Fingern entsteht, zu spüren, wie er den Schmutz aus den Poren entfernt und die Hände dann abzuspülen.“   Die beiden schweigen einen Moment, dann fragt die Tochter die Mutter, ob es nicht zwanghaft sei, jeden Tag die Metallknäufe an den Küchenschränken zu putzen. Die Mutter sagt, es sei ein Fehler gewesen, welche aus Kupfer zu nehmen, da Kupfer sehr schmutzig sei und man es ständig po- lieren müsse. „Zudem“, fügt sie hin- zu, „mache ich es auch aus hygienischen Gründen, da wir jedes Mal, wenn wir die Schränke öffnen und schließen, eine Menge Keime hinterlassen.“ „Ihr hinterlasst sie“, sagt die Tochter, „meine Hände sind immer sauber.“   Mir wird klar, dass beide zwanghaft sind, obwohl jede glaubt, dass die andere das Problem hat. Ich möchte Ihnen gerne sagen, dass sie das trennt, was sie vereinen sollte, aber ich bin nicht jemand, der sich in ein Gespräch einmischt. Deshalb nehme ich ein Erfrischungstuch, von denen ich immer eins bei mir habe, und desinfiziere mir ostentativ die Hände. Die Mutter stößt ihre Tochter mit dem Ellbogen an, deutet mit dem Blick auf mich und beide lächeln, Komplizinnen, gegenüber einem, den sie für einen Verrückten mit einem Putzfimmel halten. Wie einfach es ist, dazu beizutragen, dass die Menschen sich gut verstehen, denke ich.     ...
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    03
    April
    2017
    Mit Planung schützen wir uns vor dem Zufall. Die Geschichte der Menschheit könnte erzählt werden als Versuch, das Schicksal zu kontrollieren. Deshalb haben wir begonnen zu säen, zu sammeln. Und Tiere zu domestizieren: um regelmäßig Milch und Fleisch zu haben. Doch uns blieben Dürren, die das Gesäte vernichteten, und Epidemien, denen unser Vieh erlag. Manchmal kam beides auf einmal. Dennoch ist unser Gefühl von Unsicherheit so klein geworden, dass alles, was uns passiert, das Ergebnis vorheriger Planung ist. Das glauben wir wenigstens. Wenn jemand stirbt, ist das Erste, was wir fragen, ob er geraucht hat. Dann, ob er getrunken hat. Und danach: ob er Sport getrieben hat. Wir können uns nicht vorstellen, dass jemand, der joggt, keinen Alkohol trinkt und den Tabak meidet, einen Herzinfarkt erleiden soll. Wenn du stirbst, hast du etwas falsch gemacht.   Vielleicht hast du aber gar nichts falsch gemacht. Vielleicht hat der Zufall, unser alter Freund, die Bühne betreten. Der Zufall ist das Leben, und das Leben offenbart sich, wenn man am wenigsten damit rechnet. Neulich wurde Professor Robert Kelly live in der BBC interviewt. Er saß in seinem Arbeitszimmer, als die Zimmertür geöffnet wurde und ein quengelndes Mädchen eintrat. Dahinter ein Baby in einem Laufstuhl. Der Professor sprach weiter, als wäre nichts geschehen, als seine Frau die Kleinen eilig einsammelte. Das Video wurde zum Internet-Hit. Warum? Weil darin das wahre Leben, nicht das aus der Konserve, sichtbar wurde. Ich weiß nicht, worüber der Professor sprach, weil die Nachricht nicht die war, wovon er sprach, sondern was in seinem Arbeitszimmer passierte, während er sprach.   Die Nachricht ist nicht das, was in der Zeitung steht oder was wir im Fernsehen sehen. Die Nachricht ist das, was uns passiert, während wir die Nachrichten sehen. Was uns passiert und das, was uns durch den Kopf geht.       ...