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Leben

  • Leben

  • Blog de
    19
    Januar
    2017
     Die Welt, ein Kartenhaus. Sehen Sie: Trump verbietet einem Automobilhersteller, sich in Mexiko niederzulassen, und die Weltwirtschaft gerät ins Schwanken. Der Ultraliberalismus schadet uns, der Protektionismus bringt uns um. Traditionelle Mittelklasseberufe werden zunehmend durch Automatisierung ersetzt. Das Überleben der Bourgeoisie, der Unternehmerklasse schlechthin, ist in Gefahr. Wir erleben einen rasanten technologischen Fortschritt kombiniert mit einem galoppierenden sozialen Rückschritt. Der eine geht im Uhrzeigersinn, der andere in die entgegengesetzte Richtung. Vielleicht, da Extreme sich berühren, begegnen sie sich in irgendeiner Zeitzone, vielleicht an einem Dienstag oder Mittwoch, so wie Russland und die USA sich in Gestalt von Trump und Putin getroffen haben, vereint in ihrem Männlichkeitswahn, den wir im Niedergang wähnten und hinter dem sich häufig homosexuelle Leidenschaften verbergen.     "Alice im Wunderland" ist eine Erzählung, die mehr denn je ihre Gültigkeit hat. Alles, was auf einer Seite des Spiegels rechts ist, ist auf der anderen Seite links. Da Russland und die USA Spiegelpartner sind, wissen wir weder, wie die Schmeicheleien Putins Trump gegenüber in Washington, noch wie die von Trump Putin gegenüber in Moskau erscheinen. Seit Wochen, wenn nicht Monaten nähern sich die Lippen von Trump und Putin wie die von Narziss und seinem Spiegelbild einander an. Wenn es wahr ist, dass der russische Tycoon die Wahlen manipulierte, um seinem Freund zu helfen, wird man ihm die Rechnung zahlen müssen.     Die Frage ist, wer sie bezahlen wird. Vielleicht haben die Mexikaner schon damit begonnen. Möglicherweise ist die protektionistische Geste von Trump, die so sehr nach dem Geschmack von Putin ist, die erste Rate. Bei der zweiten sind vielleicht Sie oder ich an der Reihe. Die Welt, ein Kartenhaus. ...
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    12
    Januar
    2017
      Das Krimi-Genre wird immer anspruchsvoller, da der Mörder auf zu vieles achten muss. Bis vor Kurzem reichte es, keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Nun musst du sicherstellen, dass dich keine Kamera aufgenommen hat und du am Tatort nicht gehustet hast. Ich schließe dabei das Handy des Mörders ein, da der Versuchung, sich zu filmen und das Video in die sozialen Netzwerke zu stellen, offenbar kaum widerstanden werden kann. Und was den Husten betrifft, so kann ein einziges Niesen die Wände eines Wohnzimmers mit DNA tapezieren. Es ist fast unmöglich, keine Spur zu hinterlassen. Die fiktiven Mörder haben es schwer.   Vielleicht kann ja die Tatsache, dass eine literarische Gattung an der Realität stirbt, Handlung für einen Krimi sein. Mir kommt der Selbstmord eines Autors in den Sinn, dessen Romane sich nicht mehr verkaufen, da sie niemand mehr glaubt. Wie sollen wir auch glauben, dass der Mörder, bevor er das Haus des Opfers verlässt, in dessen Badezimmer auf Toilette geht? Denn auch wenn er an der Kette gezogen hat, bleiben auf dem Porzellan der Toilette Reste seiner DNA. Man müsste es schon mit Bleichmittel und angehaltenem Atem reinigen, da auch der Atem unsichtbare Substanzen verströmt, die auf dem Toilettendeckel kleben bleiben könnten.   Wenn ich nun ein durch DNA und Überwachungskameras ruinierter Krimiautor wäre, würde ich versuchen, mich an der Wirklichkeit zu rächen. Ich würde meine ganze Kraft daransetzen, die Realität zu demontieren. Mit einem Schuss in die Schläfe und dem Versuch, nach dem Tod weder zu husten, noch auf Toilette zu gehen. All dies kommt mir in den Sinn, da ein Schüler der Schreibwerkstatt gesagt hat, er wolle Krimis schreiben und daraufhin von den anderen aus oben dargelegten Gründen ausgelacht wurde. Aber wer würde es wagen, ihn zu einem Schuss in die Schläfe zu überreden?   ...
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    05
    Januar
    2017
    Wenn die Ratten aus ihren Löchern flüchten, verspricht das nichts Gutes. Einer der berühmtesten Romane von Camus, „Die Pest“, beginnt so. Eines Tages geht jemand aus seiner Wohnung und trifft im Hausflur auf einen dieser Nager. Es gibt ein stillschweigendes Übereinkommen zwischen Menschen und Ratten, nicht in das Territorium der anderen einzudringen. Wir brechen es häufiger als sie, nicht um sie auszurotten, was fast unmöglich ist, sondern damit ihr Bestand stabil bleibt und sie nicht ihre Nischen auf der Suche nach Nahrung verlassen müssen. Es wäre ein Skandal, wenn zu Beginn einer Arbeitswoche eine Rattenfamilie die Hauptstraße irgendeiner Stadt überqueren würde. Nun waren vor Kurzem nachts gegen halb zwei ein paar Leute in Madrid unterwegs, als etwas im Inneren eines Geschäftes ihre Aufmerksamkeit erregte. Das Geschäft war eine Bäckerei, auf dessen Auslage in aller Seelenruhe einige Ratten promenierten. Die Leute filmten sie, meldeten den Fall, und er gelangte an die Öffentlichkeit, wo er für großes Aufsehen sorgte. Wir assoziieren Ratten mit Massensterben. Wenn die Ratten, wo auch immer sie leben, herauskommen, schläft niemand ruhig. Sie stellen etwas dar, was uns betrifft, vielleicht etwas, was mit unseren entferntesten Anfängen zu tun hat: etwas, vor dem wir seit Beginn aller Zeiten fliehen. Eine Ratte in einer Bäckerei lässt selbst die Beherrschtesten unter uns erschaudern. Die Polizei geht dem Fall nach. Ratten und Menschen leben nur am Rande der Wirklichkeit zusammen. Dort, wohin die gesellschaftliche Maschinerie diejenigen ausstößt, die sich nicht anpassen, dort, wo die Ratten auf den Körpern schlafender Kinder spazieren gehen. Die Mischung von Kindern und Ratten erschreckt uns, deshalb kommt sie häufig in Horrorgeschichten vor. Aber das, was ich Ihnen hier erzählt habe, ist eine Meldung.       ...
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    02
    Januar
    2017
      In der Schreibwerkstatt erzählt eine Schülerin die Geschichte ihres Onkels, der seine Witwe heiratete. "In unserer Familie sagten wir, er habe seine Witwe geheiratet", erklärt sie, "da er ein Mädchen zur Frau nahm, das 40 Jahre jünger war als er." Doch wie das Leben so spielt, das Mädchen starb vor ihm, und machte ihn zum Witwer seiner eigenen Witwe. "Deshalb ist mein Onkel", fügt die Schülerin hinzu, "ein besonderer Witwer, sozusagen ein doppelter Witwer. Ich würde gern einen Roman über ihn schreiben, weiß aber nicht, wie ich es anstellen soll."     Alle schauen mich an, aber ich weiß nicht, was ich sagen soll. In letzter Zeit weiß ich nie, was ich sagen soll. Ich bin überrascht, dass es Menschen gibt, die schreiben wollen, wo es doch so schwer und unbefriedigend ist. Um das Schweigen zu brechen, frage ich die Schülerin, ob ihr Onkel noch lebe, was sie bejaht. Er wurde mit 70 Jahren Witwer seiner Witwe (jetzt ist er 75) und geht seither kaum aus dem Haus, wo er den ganzen Tag fernsieht. "Ich weiß nicht", sage ich schließlich, "es ist unmöglich zu wissen, ob da eine Geschichte ist. Was du uns erzählt hast, ist eine amüsante Anekdote, mehr nicht. Ein Roman ist etwas anderes."     Während ich spreche, bemerke ich, wie der Hass meiner Schülerin mir gegenüber wächst. Es ist immer das Gleiche. Sie bitten dich um deine Meinung, du gibst sie, und sie reagieren mit unendlichem Hass. Künstler, oder solche, die es werden wollen, sind empfindlich. Du kannst sie mit einer ablehnenden Meinung zerstören. Ich selbst bin mehrmals Opfer dieser Zerstörung gewesen. Die Fähigkeit, sie zu überwinden, gibt eine Vorstellung von schöpferischem Willen. Die Stunde geht zu Ende. In der Woche darauf kommt die Schülerin, die uns die Geschichte ihres Onkels erzählt hat, nicht mehr. Sie hat die Niederlage nicht überwunden. ...
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    22
    Dezember
    2016
      Wenn ich Zeitung lese, notiere ich, was meine Aufmerksamkeit erregt. Heute erregt nichts meine Aufmerksamkeit und so gehe ich raus, um eine Runde zu drehen. Ich setze mich in ein Café in die Nähe eines Mannes und einer Frau, die verliebt zu sein scheinen. Ich beobachte sie verstohlen und entdecke, dass beide am Handgelenk tätowiert sind (sie mit einer Steckdose und er mit einem Stecker). Wenn sie sich die Hand geben, scheint Strom zwischen ihnen zu fließen. Kurz nachdem die beiden gegangen sind, frage ich mich, ob diese Art von Tattoos normal ist oder ob ich gerade eine Ausnahme gesehen habe. Ich gebe den Suchbegriff "Paar-Tattoos" in mein Smartphone ein.     Es gibt sie! Sie sind normal! Ich sehe ein Foto mit zwei Armen, dem eines Mannes und dem einer Frau, auf denen die beiden Hälften einer Avocado zu sehen sind. Die halbe Frucht auf dem Arm des Mädchens trägt den Kern, während die des Jungen den entsprechenden Hohlraum zeigt. Ich scrolle weiter und sehe zwei Hände mit halben Herzen, die sich zu einem zusammenfügen, wenn die Hände sich vereinen. Auf der Innenseite des Oberschenkels einer Frau ist ein Streichholz und auf dem des Mannes sind ein paar zu einem Lagerfeuer aufgeschichtete Holzscheite. Ich entdecke auch Gedichte oder Sätze, die auf einem Körper beginnen und auf dem anderen enden. Je mehr Bilder ich betrachte, desto besser wird meine Laune.     Zu Hause gehe ich noch einmal die Zeitungen durch und stolpere über ein Interview, in dem der Arzt Josep Tabernero sagt, dass "das Gehirn besser funktioniert, wenn es zufrieden ist". Das lässt mich über den Unterschied von Gehirn und Geist nachdenken. Ich kehre zu Google zurück und lese begeistert ein paar Artikel zu dem Thema. Um die Mittagszeit fühle ich mich wie erneuert. Und das alles dank ein paar Tattoos, die meine Lebensgeister geweckt haben. ...
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    15
    Dezember
    2016
      Es gibt Menschen, die die Relativitätstheorie beim besten Willen nicht verstehen. Oder sie verstehen sie eine Sekunde lang, und dann entfällt sie ihnen wieder. So geht es mir. Nicht nur mit der Relativitätstheorie, sondern mit unendlich vielen wissenschaftlichen oder literarischen Fragen, die ich, obwohl sie mich interessieren, einfach nicht begreifen kann. Nicht alles ist eine Frage des Willens, der Anstrengung, es ist auch eine Frage des Könnens. Manchmal kann man nicht. Der Kampf gegen das, was man nicht kann, ist anstrengend, aber er verschafft uns mentalen Nutzen. Von den verlorenen intellektuellen Kämpfen bleibt immer etwas zurück. Das Gefühl, verloren zu haben, ist schon etwas. Von der Depression aus kann man eine Reise in Richtung Euphorie antreten. Aber von der Euphorie aus, wohin geht man da?    Beispiel Zeitung. Wer versteht sie? Wer kann nach der Lektüre von vier oder fünf Tageszeitungen sagen, dass er die Realität versteht? Die politischen Beobachter beteuern, sie zu verstehen, aber ich habe ernste Zweifel. Besagte Beobachter erklären uns seit Tagen die Gründe für den Fall von Renzi, die sie mit dem Brexit in Zusammenhang bringen und mit der Zunahme des Populismus in Europa. Wenn wir die gemeinsamen Punkte solcher Ereignisse miteinander verbinden würden, so sagen sie, entstünde ein Bild. Ich habe sie miteinan­der verbunden und kann nichts erkennen. Und trotzdem lese ich weiterhin Leitartikel.     Nie wurde so viel über die Realität gesprochen wie jetzt. Was über die Realität gesprochen wird, nimmt mehr Platz ein als die Realität selbst. Die Realität und ich. Was für eine ewig vergebliche Anstrengung, mich in sie einzufügen. Aber von diesem Scheitern bleibt immer etwas zurück: der Wunsch, es erneut zu versuchen, ein wenig in der Art von Fliegen, die gegen Scheiben fliegen.   ...
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    09
    Dezember
    2016
    Immer weniger Kiner werden am Samstag und Sonntag geboren, lese ich in der heutigen Zeitung. Spüren sie etwa, dass es schlechte Tage sind, um auf die Welt zu kommen, weil die Notaufnahmen der Krankenhäuser überlaufen sind? Nein, es liegt daran, dass viele Ärzte am Wochenende ans Meer oder in die Berge fahren und am Freitag einen Kaiserschnitt durchführen. Es gibt keine Statistiken über den Freitag, aber die Wahrheit ist, dass in Spanien mehr Kaiserschnitte durchgeführt werden als in den Nachbarländern. Ich hätte gerne gewusst, an welchem ​​Tag der Woche die meisten Menschen sterben, habe aber keine Statistik darüber gefunden. Ich sage das, weil man auch an einem Kaiserschnitt sterben kann, einem umgekehrten Kaiserschnitt, wenn sie so wollen. Nachteil dieser Methode ist es, dass Sie die Erfahrung des Tunnels versäumen. Es gibt einen Tunnel bei der Geburt und einen beim Sterben. Der normale Kaiserschnitt und der umgekehrte sind Abkürzungen, man kommt früher an, aber abgehetzter. Viele Ärzte neigen dazu, das Problem mit dem Tunnel zu verharmlosen, weil sie das Gläschen Wermut nach der Sonntagsmesse als heilig erachten. "Herr Doktor, diese Patientin wird aller Wahrscheinlichkeit nach am Sonntagmittag gebären. Bereiten Sie alles für einen Kaiserschnitt am Freitag vor." Man gibt den Ärzten die Schuld, doch vielleicht liegt der Fehler im System, das Effi­zienz über Sentimentalität stellt. Die spontane Geburt kann man nicht planen, aber dank Kaiserschnitt können Kinder im Akkord auf die Welt gebracht werden und die Produktivität des Arztes steigern. Ich kenne einen Mann in meinem Alter, der per Kaiserschnitt auf die Welt kam und so eine Sehnsucht nach der Tunnelerfahrung hatte, dass er Kontrolleur bei der Eisenbahn wurde. Er starb kurz vor seiner Pensio­nierung, um weiterhin Tunnel beobachten zu können. ...
  • Blog de
    01
    Dezember
    2016
    M Manchmal höre ich mit dem Handy Musik. Wenn ich den kleinen Schlitz betrachte, durch den die Stimme des Sängers und der Klang der verschiedenen Instrumente strömt, kommt mir eine Gruppe von Menschen in den Sinn, die sich bei einem Feuer vor den Ausgängen eines Kinos zusammendrängt. Die Angst erzeugt einen Stau, in dem sich die Männer nicht von den Frauen unterscheiden, die Kinder nicht von den Erwachsenen, die Jugendlichen nicht von den Greisen. Alle werden zu einer zähen Masse ohne Nuancen. Wobei der Stärkste natürlich derjenige ist, der am meisten auf den anderen herumtrampelt.   Wenn achtzehn verschiedene Klänge darum ringen, aus einem winzigen Lautsprecher zu strömen, geschieht etwas Ähnliches. Wie soll man da eine Violine von einer Gitarre oder eine Trompete von einer Klarinette unterscheiden? Wie in der Stimme des Sängers, die einzelnen Vokale und Konsonanten erkennen und damit die Bedeutung dessen erfassen, was er sagt? Die Klangqualität ist schlecht, weil alle Laute eng beieinander sind und sich nicht voneinander unterscheiden, wie eine Gruppe von Menschen, die vor einem Feuer flieht. Wie man dieses Problem lösen kann? Indem man das Volumen höher stellt. Die Welt ist voller Menschen, die davon überzeugt sind, dass die Dinge sich regeln, wenn man die Lautstärke aufdreht. Sie schalten den Fernseher ein, um eine politische Diskussion zu sehen, und hoffen vergeblich auf Anregungen. Aus Mangel an Ideen sagen sich die Experten: Lasst uns Krach machen. Und sie beginnen zu schreien, sich wie verrückt anzuschreien, als würden ihre Stimmen vor einem Feuer fliehen und alle den Fluchtweg verstopfen, da sie eine einzige undurchdringliche Masse bilden, in der es unmöglich ist, einen Gedanken zu erkennen. Bitte werden Sie nicht lauter, es klingt einfach nur schlimm.       ...
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    24
    November
    2016
      Der Populismus sucht nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme, sagt man. Mag sein, aber offensichtlich ist das Gegenteil: Das Establishment sucht komplexe Lösungen für einfache Pro­bleme. Vor ein paar Tagen starb eine 81-jährige Frau in Reus, die mit Kerzen Licht machte, da ihre Rente für den Strom nicht reichte. Eine der Kerzen fiel auf die Matratze, die Feuer fing und den Tod der alten Frau zur Folge hatte. Wenn sie nicht am Mangel an Strom gestorben wäre, dann hätte sie vielleicht die Kälte getötet. In Spanien gibt es Millionen Menschen, die von der sogenannten Energie-Armut betroffen sind. Mit dem ersten Frost machen die Menschen mit der Gesamtausgabe von Lorca Feuer, die sie in besseren Zeiten auf Raten erworben haben. In jedem Winter erfahren wir von einem Drama, das dem der Einundachtzigjährigen aus Reus ähnelt. Frage: Handelt es sich um ein komplexes Problem, für das es keine einfache Lösung gibt, oder um ein einfaches Problem, für das es keine komplexe Lösung gibt?     Antwort: Es ist ein ernstes Problem mit einer einfachen Lösung. Während der kalten Jahreszeit sollte man niemandem den Strom abstellen dürfen. Die Regierungen sind unter anderem dazu da, Fragen wie diese zu lösen, auch wenn das Oberste Gericht zugunsten der Stromgesellschaften entscheidet.    Die Regierung gibt vor, für das Wohl der Spanier zu kämpfen. Doch gibt es immer mehr arme Spanier mit immer niedrigeren Gehältern. Und der Unterschied wird immer größer zwischen denen, die viel verdienen, wie den Stromgesellschaften, und denen, die wenig verdienen, wie der Rentnerin aus Reus, möge sie in Frieden ruhen. Ist es ein einfaches Problem mit einer komplexen Lösung oder ein komplexes Problem mit einfacher Lösung? Wir sollten diese theoretische Diskussion erst mal beiseiteschieben und uns an die Arbeit machen. ...
  • Blog de
    17
    November
    2016
      In der Schreibwerkstatt fragt Sofía, die normalerweise kaum an Diskussionen teilnimmt, was der Begriff "bedeuten" bedeutet. Esperanza antwortet, dass das Wort Tisch sich auf das Objekt Tisch beziehe und dies eine Bedeutung von "bedeuten" sei. Sergio fügt hinzu, Fieber bedeute, dass es irgendwo im Körper eine Entzündung gäbe. Die anderen nennen weitere Beispiele. Nach einigen Minuten kehrt Sofía zu ihrem Angriff zurück und fragt, was sie den anderen bedeute. Es handelt sich, wie erwähnt, um ein eher stilles Mädchen, in körperlicher Hinsicht normal und auch vom Verhalten her unauffällig. Ihre Frage löst Befremden aus. Doch nach ein paar Sekunden des Schweigens sagt Antonio, der immer in der ersten Reihe sitzt, dass es eine ausgezeichnete Frage sei. "Was bedeutet jeder Einzelne von uns den anderen?", fügt er hinzu.     Ich greife sofort ein, um das Thema zu wechseln, da ich solche Ausrutscher in Privates nicht gestatte. Aber die Mehrheit ist nicht bereit, darauf zu verzichten, da sie es für ein literarisches Motiv hält. Schließlich gebe ich verärgert nach.     In den folgenden Minuten entspinnt sich eine Art Gruppentherapie, in der jeder sagt, was die anderen ihm bedeuten. Ich beobachte entsetzt, wie ein Geflecht billiger Emotionen entsteht, ohne einen Weg zu finden, dem Einhalt zu gebieten. Schließlich bemerkt jemand meine Anwesenheit und fragt mich, was die Schüler mir bedeuten. Um die gefühlige Atmosphäre zu sprengen, sage ich, dass sie mir nichts bedeuten, und dass wir, wenn wir so weitermachen, den ganzen Unterricht mit Banalitäten vergeuden werden. Da schauen sie mich ungläubig an und ich erwidere ihre Blicke mit einem Lächeln, das vorgibt zynisch zu sein. Tatsächlich habe ich einen unbändigen Drang zu weinen und muss überstürzt die Aula verlassen, in die ich nicht zurückkehre. Mal sehen, was ich ihnen morgen sage. ...