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Blog Ingos Welt - Ingothor

Ingothor

In Argentinien aufgewachsen und als Erwachsener nach Deutschland gekommen, zog es Ingo Thor alsbald wieder weg aus diesem mitteleuropäischen Staat nach Spanien.

Über diesen Blog | Gesellschaft

Hier finden sich meist vergnüglich-abseitige Betrachtungen aus dem täglichen Leben auf dieser doch sehr vielschichtigen Insel.


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  • 15
    Dezember
    2017

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    Mallorca Gesellschaft

    Cala Ingo

    Ich wache auf. Wieder beutelt mich dieses Unwohlsein. Die Fluglinie Niki ist pleite! Aaaah, ich komme dieses Jahr zu Weihnachten nicht nach Deutschland! Hinzu kommt, dass ich Schnupfen und leichtes Fieber habe – wie fast immer in dieser Jahreszeit. Grrr...  Es ist mir auf einmal so, als würde ich mich in einer Zwischenwelt zwischen Traum und Wirklichkeit befinden. Als würde ich schweben... Ich schaue auf die Decke meines Schlafzimmers und konzentriere mich, was ich sonst nie tue, auf die für Altbauwohnungen im Zentrum von Palma so typischen braunen Holzbalken....

     

    Oder fliege ich doch am 24.12. wie geplant mit Niki nach Düsseldorf? Ich bemühe mich, nicht darüber nachzudenken, sondern nur zu handeln. Also krabbele ich auf allen Vieren ins Badezimmer. Ich schürze meinen Mund und pfeife leise senkrecht nach oben. Einmal, zweimal, dreimal... Und ich habe Glück: Ja, da ist sie wieder, die Kakerlake Paquita! Ich brauche ihren Rat.... Was soll ich tun, um meiner Seelenpein zu begegnen? Das Insekt antwortet mir nicht... Mal wieder...

     

    Doch dann packt mich aus dem Nichts ein Energieschub. Ich fühle mich, als wäre mir ein kalter Waschlappen ins Gesicht geworfen worden. Ich weiß: Sie hat Besitz von mir genommen... Paquita. Wie ein Roboter steige ich unter die Dusche und wie ein Roboter putze ich mir die Zähne... Mich übermannt der verrückte Wunsch, eine kleine, mir bekannte Cala unterhalb des Beachclubs Mhares aufzusuchen. Ich setze Paquita in einen kleinen Käfig mit Holzgitterstäben und nehme sie mit. Wie von einem Magneten angezogen bewege ich mich leicht zombiehaft zu meinem Auto. Ich sage mir: Du musst es tun! Heute!

     

    Nach einer 35-minütigen Fahrt nähere ich mich dieser famosen steil abfallenden Straße, von wo man einen kalifornisch anmutenden Weitblick aufs Mittelmeer hat. Der ist mir heute einerlei. Unten angekommen, steige ich zackig nach einem unkomplizierten Parkvorgang aus dem Pkw. Gepackt von einer gewissen Hektik renne ich fast. An der Cala angekommen, sehe ich Felsen und – oh Glück – feuchten Sand. Ich beginne, eine Büste zu bauen. Zuerst die Schultern, dann der Hals, dann den Kopf. Mit einem kleinen Stein meißele ich Gesichtszüge... Ich bin happy. Und dann sehe ich mich selbst. Ich knie und flüstere: Habe ich diese Büste nicht verdient? Ich lache, Paquita schweigt. Ich weiß aber: Sie hat mich fest im Griff. Ich stehe auf und schleudere dem Meerwasser entgegen: Willkommen in Cala Ingo!

     

    Dann bin ich auf einmal so gelöst. Ich strecke meine Füße ins Wasser und sage in mich hinein: Wer hier jetzt hinkommt, kann nur mein Feind sein. Das ist meine Cala. Ich muss mich verteidigen. Doch es kommt niemand. Stattdessen sehe ich ein Flugzeug beim Landeanflug auf den Airport Son Sant Joan. Ist es ein Flugzeug von Niki? Es wäre zu schön, um wahr zu sein....

     

     

     

     

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