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Blog Ingos Welt - Ingothor

Ingothor

In Argentinien aufgewachsen und als Erwachsener nach Deutschland gekommen, zog es Ingo Thor alsbald wieder weg aus diesem mitteleuropäischen Staat nach Spanien.

Über diesen Blog | Gesellschaft

Hier finden sich meist vergnüglich-abseitige Betrachtungen aus dem täglichen Leben auf dieser doch sehr vielschichtigen Insel.


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  • 12
    September
    2017

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    Mallorca Gesellschaft

    Die Rumpelpassagierin

    Wie mich das Warteverhalten einer nervigen Frau im Flughafen von Palma bass erstaunte

     

    Es ist früher Morgen in diesem riesigen verschachtelten Insel-Airport. Ich warte auf einen Flug nach Köln/Bonn mit Eurowings. Auf einem dieser Sitze in den Wartebuchten male ich mir aus, wie es wohl sein würde, wenn der Abstand zwischen den Sitzreihen diesmal besonders knapp ausfiele. Ich tröste mich damit, mir vorzustellen, wie schön es doch wäre, wenn neben mir ein Platz frei bliebe und ich schräg die Beine strecken könnte... Glasig schaue ich aus dem Fenster, der Airbus A320 der Fluggesellschaft, bei der ich ein besonders günstiges Ticket erstanden hatte, ist noch nicht da.... Und wenn es doch sehr eng wird? Ich verdrehe die Augen und fletsche ein wenig die Zähne, ohne dass es jemand bemerkt. 

     

    Auf einmal schrecken mich zackige Bewegungen aus der morgendlichen Halb-Lethargie. Mehrere deutschsprechende ältere Leute, zumeist Frauen, rumpeln vor das Pult mit einer Airline-Beschäftigten, die die Passagiere einchecken soll. Neugierig geworden, reibe ich mir die Augen. Kerzengerade steht da eine mutmaßliche Rentnerin trotz sommerlicher Wärme im rotbraunen Mantel, bewegt hastig den Kopf nach rechts und links und fragt die spanische Eurowings-Mitarbeiterin auf Deutsch, wann denn endlich das Flugzeug komme. "Bald", antwortet diese mit ortsüblichem Langmut in gebrochenem Deutsch. Die Passagierin bewegt sich daraufhin unruhig von rechts nach links und von links nach nach rechts. Und das immer wieder. Die anderen älteren Leute hinter ihr bewegen sich nicht, stehen dafür kerzengerade herum und blicken ausdruckslos wie Vogelscheuchen drein. 

     

    Das Spektakel amüsiert mich immer mehr. Was würde wohl passieren, wenn ich der Frau die Zunge herausstrecken würde, frage ich in mich hinein. Ich verkneife mir dieses Verhalten. Wäre ich angetrunken, würde ich mich vielleicht trauen, einen Mini-Eklat vom Zaun zu brechen.

     

    Nach sieben bis zehn Minuten ist das Flugzeug von Eurowings noch immer nicht da. Das muss es auch nicht, denn es fehlen noch etwa 40 Minuten bis zum Abflug. Da stürmt die Frau im Mantel erneut zur Airline-Beschäftigten. Sie bewegt sich wie ein Zinnsoldat, rollt mit den Augen. Sie fragt mit einem bellenden Unterton, wann denn das Flugzeug komme. "Puntualmente", so die Antwort diesmal auf Spanisch.

     

    Die mutmaßliche Rentnerin dreht sich zu den anderen Reisenden um. "Ich will endlich weg", unkt sie missgelaunt halblaut und scharrt wie ein unruhiges Pferd mit ihren Füßen auf dem blankgewienerten Boden. Ich beobachte sie derweil mit sicherlich großen Augen. 

     

    Pünktlich taucht das Flugzeug auf, pünktlich wird eingecheckt. Die Frau im rotbraunen Mantel zückt Bordkarte und Personalausweis hervor. Sie wird lässig durchgewunken. Dann rennt sie hastig ins Flugzeug.

     

    Na sowas, denke ich mir. Es ist nicht das erste Mal, dass die Realität das Vorstellungvermögen überholt. 

     

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