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Blog Ingos Welt - Ingothor

Ingothor

In Argentinien aufgewachsen und als Erwachsener nach Deutschland gekommen, zog es Ingo Thor alsbald wieder weg aus diesem mitteleuropäischen Staat nach Spanien.

Über diesen Blog | Gesellschaft

Hier finden sich meist vergnüglich-abseitige Betrachtungen aus dem täglichen Leben auf dieser doch sehr vielschichtigen Insel.


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  • 05
    Oktober
    2017

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    Mallorca Gesellschaft

    Willkommen im Forn de Son Ferriol

    Um zu frühstücken, begebe ich mich gegen 7.40 Uhr morgens gern in das Café Forn de Son Ferriol in der Olmos-Fußgängerzone in Palma. Der Grund: Man kennt mich dort, man bedient mich schnell, und das Croissant nebst Milchkaffee kostet obendrein nur 2 Euro... Klar, dass dort anders als in Cappuccino-Cafés vor allem Mallorquiner herumsitzen... Arbeitnehmer vor dem Gang in ihre Büros... Außerdem befindet sich unweit von diesem Etablissement mein Lieblingsgeldautomat.

     

    Was ich im Forn de Son Ferriol erlebe, erheitert mich zuweilen bis unter die Knochenhaut: So wie heute. Ich sitze dort, und ich sehe ein älteres Paar – vermutlich Eheleute – an einem Tisch. Sämtliche Zeitungen, die im Forn de Son Ferriol ausliegen, liegen auf ihrem Tisch. Ich traue mich nicht, die Gäste anzusprechen, um sie zu fragen, ob sie mir ein Exemplar des "Diario de Mallorca" oder eines von "El Mundo" ausleihen könnten. Denn sie brüllen immerzu wild durcheinander. "Tomeu", rasselt die übergewichtige Frau, doch ihr Partner schaut nicht auf. "Tomeeeuuu." Der Mann röhrt etwas Unverständliches. Die Frau hat eine riesige Lupe in der Hand, liest, sagt manchmal leise etwas, dann laut, blickt ihren Gefährten an und rasselt wieder: "Tomeeeuuu"...

     

    Ich mümmel derweil leicht gefrustet an meinem Croissant und schaue auf die weißen Tauben, die unten neben den Auslagen mit Ensaimadas und Cocas herumspazieren. Gern fixiere ich diese Tauben. Ich tue es immer wieder mit Spaß an der Sache, wenn ich hier bin. Heute reagieren sie jedoch nicht auf meine Blicke, und das macht mich leicht traurig. 

     

    Und dann stört mich bei meinem Tete-a-Tete mit den gefiederten Gesellen zwei Tische weiter auch noch ein älterer Mann, der mir durch sein abseitiges Verhalten auffällt. Ich fühle mich durch seine Anwesenheit nachgerade gestört, weil er mehrere Minuten mit einem Zuckerbeutel in der Luft herumschlackert. Und das ganz laut. Es ist nicht das erste Mal, an anderen Tagen war er auch schon hier... Schlacker, schlacker, schlacker...Sein Geist funktioniert wohl nicht mehr so wie früher, sage ich mir. Auch andere Frühstücksgäste blicken den Mann verstohlen an. 

     

    Und ich sitze hier ohne Zeitung, weil die mutmaßlichen Eheleute mir offenbar nichts abgeben wollen. Grrrr! Aber was soll's.... Ich mümmel weiter. 

     

    Und dann durchzuckt mich eine Art Blitz. Ich gebe mir einen Ruck, stehe auf und frage die übergewichtige Frau, ob ich denn eine "Última Hora" haben könnte. Sie lese das Blatt ja ohnehin gerade nicht, füge ich betont zurückhaltend hinzu. "Porrr favorrr...." säusel ich. Die Frau blickt mich leicht irritiert an und rasselt: "Por supuesto." 

     

    Vor Freude kann ich mich kaum einkriegen und grummel drei- bis viermal halblaut "Shalalalaaa" vor mich hin. Keiner hört mich, weil ich das ja auch nicht will. "Shalalalaaaa..."

     

     

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