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Blog Med-in-Mallorca - Javier Moreno

Javier Moreno

Seit 1998 lebe ich, Javier Moreno, auf Mallorca und betreibe eine kardiologisch-/internistische Praxis. In diesen Jahren habe ich in der Arbeit mit unseren Patienten die Erfahrung gemacht, dass “gute Medizin” auch v.a. Problem lösen heisst: ehrliche Information, Empathie und Hilfsbereitschaft in kleinen und grossen Dingen. Medizin ist ein so vielfältiges und interessantes Feld, dass ich seit einigen Jahren versuche, auch anderen Menschen, die nicht als Patienten in meine Praxis kommen, über meinen Praxis-Blog (in Spanisch und Deutsch) mein persönliches Verständnis zu Themen gesundheitlichen und medizinischen Inhalts näherzubringen und mich mit ihnen auszutauschen.

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  • Der gute Ruf der Sonnenstudios

    Der gute Ruf der Sonnenstudios

    Der lange, dunkle Winter in Deutschland ist für viele schon hart. Dann ist ja auch auf die Billigfluggesellschaften kein Verlass mehr, die einen mal schnell in die Wärme und die Sonne transportieren könnten, um ein bisschen Licht und Wärme zu tanken. Und überhaupt, die Woche vergeht zwischen Wohnung und Job, zu dem man eventuell sogar noch per U-Bahn hinkommt. Also alles immer schön dunkel bis schummerig – und das über Wochen und Monate. Dass man da käseweiss oder sogar depressiv werden kann, ist ja kein Wunder.

    Irgendwann wohl in den 80-ern des letzten Jahrhunderts wurden die Sonnenstudios erfunden und es wurde auch gleich Mode, ab und an (oder auch sehr oft) mal dorthin zu gehen und sich dort wenigstens eine Weile auf die Bank zu legen. Das dunkelte den Teint und erhellte damit die Stimmung. Jahrelang ging das gut, bis diese Studios ihren guten Ruf verloren. Wer was auf sich und seine Gesundheit hielt, ist da nicht mehr hingegangen (oder vielleicht doch, obwohl es nicht mehr cool war). Sonnenstudio ist ja seit ein paar Jahren fast gleichzusetzen mit Rauchen. Das macht nur noch ein ganz bestimmter Typ Menschen. Die Unverantwortlichen, zumindest mit ihrer Gesundheit.

     Nun wurde dieses fast todesähnliche Urteil über die Bräunungsstudio mal gründlich untersucht: was stellt sich heraus? Einen kausalen Zusammenhang zwischen Solariennutzung und einem erhöhten Melanom-Risiko gibt es gar nicht. Solange man es massvoll nutzt! Zu diesem Schluss kommt tatsächlich ein internationales Forscherteam unter Leitung von Professor Jörg Reichrath vom Uniklinikum des Saarlandes in einer Metaanalyse, also eine Analyse, die sich verschiedene Veröffentlichugnen (u.a. auch die, mit denen unsere Brüsseler Bürokraten und die Weltgesundheitsorganisation WHO arbeiten) vornimmt und vergleicht, bzw. auswertet.

    Mangelnde Daten

    Tatsächlich bestätigte die Analyse der Forscher eine gering erhöhte Melanom-Rate bei Solariumbesuchern. Doch diese Daten sind so mangelhaft, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen der Sonne aus der Steckdose und der Melanom-Rate nachgewiesen werden kann. Wahrscheinlich sind es auch andere Faktoren, die diese beeinflussen. Wie zum Beispiel häufiges ungeschütztes Sonnenbaden überhaupt. Das geht auch auf Malle oder in der DomRep.

     Die Wissenschaftler kritisieren deshalb sowohl die WHO wie auch die EU und werfen den Institutionen unvollständige, unausgewogene und unkritische Literaturauswertung vor. (Erst kürzlich noch wurden Berichte veröffentlicht, nach denen die UV-Strahlung in Solarien für einen beträchtlichen Anteil sowohl von hellem Hautkrebs als auch von Melanomen verantwortlich ist.)

    Die Schlussfolgerung der Reichrath-Metastudie: Beim derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand kann man nicht davon ausgehen, dass eine maßvolle Solariennutzung das Risiko, an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, erhöht.

    Na, man darf gespannt sein, ob und wann aus Brüssel, dem Zentrum eine Stellungnahme kommt. Hell oder dunkel, Hautkrebs ist eine ernste Krankheit. Und als Bürger fühlt man sich gern informiert und nicht bevormundet.

    Bleiben Sie gesund!

    (Quelle: aerztezeitung.de, 30.01.2018)

     

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