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Blog Med-in-Mallorca - Javier Moreno

Javier Moreno

Seit 1998 lebe ich, Javier Moreno, auf Mallorca und betreibe eine kardiologisch-/internistische Praxis. In diesen Jahren habe ich in der Arbeit mit unseren Patienten die Erfahrung gemacht, dass “gute Medizin” auch v.a. Problem lösen heisst: ehrliche Information, Empathie und Hilfsbereitschaft in kleinen und grossen Dingen. Medizin ist ein so vielfältiges und interessantes Feld, dass ich seit einigen Jahren versuche, auch anderen Menschen, die nicht als Patienten in meine Praxis kommen, über meinen Praxis-Blog (in Spanisch und Deutsch) mein persönliches Verständnis zu Themen gesundheitlichen und medizinischen Inhalts näherzubringen und mich mit ihnen auszutauschen.

Über diesen Blog | Gesundheit

Neuigkeiten und Meinungen zu Medizin und Gesundheit


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  • 04
    September
    2017

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    Mallorca Gesundheit Schule Ernährung Lehrplan

    Ernährung auf den Lehrplan?

    Ernährung auf den Lehrplan?

    In der Schule sollte man ja für das Leben lernen. Zu meiner Zeit und in meiner Schullaufbahn war der klassische Lernstoff Rechnen, Schreiben, Lesen, und steigerte sich dann langsam zu neusprachlichem Englisch, altsprachlichem Latein, Physik, Bio, etc., alles aufgemischt mit guter alter humanistischen Basis. Zwischendurch gab es mal ein Jahr lang Sexualkunde, wo wir nur neugierig kicherten oder Eltern sich vielleicht entrüsteten.

    Inzwischen hat sich einiges geändert. Ich meine, nicht unbedingt zum Besten. Denn seit Jahren sehen sich die Lehrkräfte in den Schulen ja gezwungen, den Unterricht mit einem Frühstück zu beginnen. Nicht, weil gemeinsam essen so nett ist, sondern weil die Kinder übernächtigt (zumindest hier in Spanien) und hungrig (weil mit leerem Magen) in der Schule erscheinen. Da geht dann schonmal ein bisschen Zeit hin, bis die Augen auf und der Blutzucker wieder hochgefahren ist.

    Nun sagen die Verantwortlichen z. Bsp. der DAK: "Gesundheit und Ernährung gehören auf den Lehrplan… Das ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch des Wie…” In der langfristig angelegten Studie der DAK sind erstmals die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Bewegung, Konsum psychotroper Substanzen, Stress und körperlichem Wohlbefinden bei Schülern der Klassen 5 bis 10 untersucht worden – mit den befürchteten  Ergebnissen:

    • "Zwölf Prozent der Schüler sind übergewichtig, in der neunten Klasse 14 Prozent.
    • Fast ein Viertel der Schüler ernährt sich mindestens mehrmals pro Woche mit Fastfood, sieben Prozent sogar täglich. 39 Prozent greift häufig zu Softdrinks, drei Viertel essen oft süße, 40 Prozent salzige Snacks. 27 Prozent frühstücken überhaupt nicht, 18 Prozent nur manchmal. Kinder, die nur am Wochenende oder seltener gemeinsame Mahlzeiten in der Familie haben, essen mehr Fastfood und weniger Obst und Gemüse.
    • Nur 17 Prozent der Schüler sind jeden Tag mindestens 60 Minuten körperlich aktiv, in der fünften und sechsten Klasse sind es noch 23 Prozent, in der neunten/zehnten Klasse nur noch zwölf Prozent."

    Das führt dann ebenso nachweislich zu somatischen und psychischen Beschwerden, Stress, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Übergewicht usw. – eben die ganze Palette. Folglich nun sollte dringend “Gesundheit und Ernährung” in die Lehrpläne eingebunden werden.

    Ich will gerecht sein: zu meiner Zeit gab es Handarbeiten und Werken; es gab sogar ein “Hausfrauen-Abitur”, wie es verächtlich genannt wurde. Das allerdings brachte einen Abschluss, mit dem frau (Männer wählten das irgendwie nicht) sich an tolle Berufe heranarbeiten konnte.

    Heute wird folglich immer öfter gefordert, dass dringendst mehr Kenntnisse in den Unterricht eingebaut werden müssen, die früher allgemein anerkannt Aufgabe der Eltern und Familien waren. In der Praxis waren Ernährung und Gesundheit solche Themen. Auf einer “höheren” Ebene während der Schullaufbahn entsprachen dem dann Fächer wie Biologie und Sport.

    Als Grund für das notwendige Schulfrühstück gilt heute die langsame aber stetige Auflösung des traditionellen Familienalltags durch die Veränderungen der Arbeitswelt, denen die Familien unterliegen oder bewusst annehmen. Richtige Ernährung und einen gesunden Lebensstil zu “theoretisieren” und in den Schulen zu unterrichten ist natürlich eine Möglichkeit. Aber haben wir in der Schule tatsächlich für das Leben gelernt?

    Quelle: ärztezeitung.de

     

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