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RECHT, WIRTSCHAFT, MALLORCA

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Blog RECHT, WIRTSCHAFT, MALLORCA - Armin Reichmann

Armin Reichmann

in Barcelona aufgewachsen, Rechtsanwalt mit deutscher (Frankfurt) und spanischer (Palma de Mallorca) Zulassung, vereidigter Dolmetscher und Übersetzer.

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nur weil ich Anwalt bin sollte niemand erwarten, dass ich nur über rechtliche Dinge schreibe; und dann ev auch noch mit vielen Paragrafen, da ist doch klar, dass keiner mehr weiterliest... Hier werden sie also alles finden, was mir so einfällt, auffällt und manchmal auch zufällt. Gerne können Sie mich auch direkt kontaktieren: reichmann@dr.reichmann.com


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  • 07
    November
    2016
    Mallorca  Lokales 

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    Wenn der Staat Immobilien erbt

    Die spanische Immobilienkrise, die nun gottlob Vergangenheit ist, wurde vor allem dadurch ausgelöst, dass Immobilienverkäufer in einer Phase übertriebener Preissteigerungen Immobilien in der Hoffnung auf einen weiteren Preisschub erworben hatten, dann aber in die Krise rutschten und statt des erhofften Weiterverkaufs mit sattem Gewinn sich plötzlich mit der nir geplanten Rückzahlung von Krediten beschäftigen mussten. Genau diese Kredite aber waren in keiner Weise auf die Einkommensverhältnisse der Kreditnehmer angepasst, da auch die Banken großzügig das Geld verteilten, weil sie ebenfalls auf einen weiter steigenden Markt setzten. Die Folge waren Kreditausfälle in erheblichem Umfang, weil die Kreditnehmer nicht in der Lage waren, aus dem eigenen Einkommen die Kreditraten zu bezahlen. Angesichts der nun beginnenden Immobilienkrise gab es auch keine Chance, die Immobilie zum gleichen Preis weiterzuverkaufen.

    In dieser Situation wurde von vielen eine politische Lösung in der Weise gefordert, dass doch die Banken unter Verzicht auf die Rückzahlung der bestehenden Darlehen die Immobilie übernehmen sollten. Dies wiederum führte zu einer erheblichen Schieflage bei verschiedenen Banken und Sparkassen, denn diese konnten weder mit den Immobilien etwas anfangen, noch waren oder sind sie auf Immobilien An- und Verkauf vorbereitet. Folge waren Bankenschließungen und eine Fusionswelle, insbesondere bei Sparkassen. Damit sich aber diese Banken und Sparkassen wieder auf ihr Hauptgeschäft konzentrieren konnten, wurden die vielen jetzt in der Krisensituation völlig überteuerten Immobilien samt deren Kredite bei einer „bad bank“ (SAREB) geparkt. Nun aber ist die Krise vorbei und die SAREB verkauft nach und nach ihr anfangs durchaus riesiges Immobilienportfolio zu den inzwischen gestiegenen Marktpreisen.

    Was passiert aber in einem Erbfall? Wenn der Kreditnehmer verstirbt und die Erben, angesichts der völligen Überschuldung des Nachlasses durch die überteuert gekaufte Immobilie kein Interesse an der Annahme der Erbschaft haben? Denn wenn es keine Erben gibt, erbt letztlich der Staat. Dies ergibt sich aus Art. 913 des spanischen codigo civil (c.c.). Leider fehlen uns für Spanien hierzu konkrete Angaben, die aber für Deutschland sehr wohl vorliegen. Demnach hat der deutsche Staat bislang mehr als 10.000 Immobilien geerbt, wobei die Gründe hierfür durchaus vielschichtig sind. Zum einen liegt der Grund naturgemäß einerseits darin, dass die Erben die Erbschaft ausgeschlagen haben, beispielsweise weil der Nachlass überschuldet ist, zum anderen aber auch, weil nach dem Tod des Immobilieneigentümers einfach keine Erben gefunden wurden, dies auch ein Zeichen des demographischen Wandels mit einer immer älter werdenden Bevölkerung und vielen Einzelhaushalten.

    Ob der Staat aber damit wirklich glücklich wird und zu größerem Vermögen kommt ist aber durchaus fraglich. Meistens handelt es sich um Schrottimmobilien ohne größeren Wert, zudem meist in ländlichen Gebieten, oder, schlimmer noch, um Eigentumsanteile innerhalb einer Erbengemeinschaft. Viel Geld lässt sich damit, gerade angesichts eines hohen Verwaltungsaufwandes, nicht erlösen und so kann man sich kaum vorstellen, dass der bayrische Staat eine Eigentumswohnung in Bestlage im Großraum München erben würde.

     

    Dr.Armin Reichmann

     

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