Auf ein Schnitzel mit Deutschlands bekanntestem Fernsehkoch Tim Mälzer

21-02-2008  
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Tim Mälzer vor dem "Viena" in Cas Concos. Nele Bendgens

Tim Mälzer hat als Erster bewiesen, dass Kochen durchaus unterhaltsam sein kann. Und das nicht nur im Fernsehen. Zu seinen Koch-Events auf verschiedenen Veranstaltungsbühnen in Deutschland kamen bis zu 4.000 Zuschauer, sein Buch „Der Küchenbulle" wurde ein Bestseller. Die MZ traf Mälzer am Montag (18.2.) zum Mittagessen im Restaurant Viena in Cas Concos, bei - gastronomisch ganz unspektakulär - Wiener Schnitzel und Roséwein. 

Von Thomas Zapp

Dürfen wir Sie als Neu-Mallorquiner willkommen heißen?
Wir bleiben jetzt erst einmal für drei Monate auf der Insel, um zu sehen, wie es mir gefällt. Meine Freundin ist hier schon angekommen, die fühlt sich total wohl, vermisst momentan nichts, obwohl sie Ur-Hamburgerin ist.

Was ist mit Ihnen?
Ich probiere es mit fliegendem Wechsel, also vier Tage in Deutschland, drei Tage auf Mallorca. Vielleicht kann ich das irgendwann einmal umdrehen. Aber ich eröffne in Kürze ein neues Restaurant in Hamburg, da kann ich noch nicht komplett auf die Insel ziehen.

Ist Ihnen die Insel etwa zu langweilig?
Momentan genieße ich hier die Ruhe sehr, weil ich gerade aus Hamburg und dem prallen Leben dort komme. Auf längere Sicht muss ich mal sehen?

Wie sieht es mit dem Kauf einer Finca aus?
Ich muss hier nichts besitzen, schon gar nicht bei den abartigen Preisen hier. Wenn ich aber ein altes Bauernhaus sehen würde, dass man für überschaubares Geld renovieren könnte ?

Überschaubar?
Ich weiß, das wünschen sich alle, aber warum sollte ich schlauer sein? Ich würde halt gerne einen Bauernhof haben, das ist mehr so mein Ding. Fußbodenheizung müsste allerdings sein. Das ist nicht dekadent, sondern einfach wärmer. Sonst bekommst du die Kälte nicht wieder raus aus den Knochen. Momentan wohnen wir aber lieber zur Miete.

Warum besitzen Sie kein Haus auf der Insel, dafür aber einige Olivenbäume bei Alcúdia?
Die habe ich vor drei Jahren geschenkt bekommen, von dem Olivenöl-Produzenten Pep Oliver.

Wie kam das?
Bevor wir unser Mallorca-Special von "Schmeckt nicht, gibt´s nicht´ (Mälzers erste Kochshow auf Vox, d.Red.) drehten, bekamen wir eine Flasche Olivenöl von Oliver zugeschickt, als kleines Werbegeschenk sozusagen. Daraufhin haben wir mit ihm Kontakt aufgenommen, dann vor Ort zwei Stunden gedreht und anschließend sieben Stunden gegessen. Das artete richtig aus, wir mussten anschließend alle unser Auto stehen lassen. Dabei hat mir der Pep Oliver ein paar Bäume geschenkt. Fünf Monate später kam ich zur Olivenernte wieder auf die Insel. Das war der Anfang meiner engen Beziehung zu Mallorca.

Und die veranlasste Sie dazu, im vergangenen Jahr als balearischer Öl-Botschafter bei der Tourismusmesse in Berlin aufzutreten?
Ich habe das gemacht, weil ich die Mallorquiner mag. Die haben mich mit dem Titel des Olivenöl-Botschafters überrumpelt.

Ist das Öl wirklich so gut?
Das ist wirklich gut. Die Mallorquiner begreifen so langsam, dass sie stolz auf ihre eigenen Produkte sein können und versuchen jetzt, sie besser zu vermarkten. Ich habe es auf Wochenmärkten selten so stark erlebt wie hier, dass man Wert darauf legt, woher die Produkte kommen.

Das Schnitzel kommt. „Der Teller ist heiß", sagt die Bedienung, die den prominenten Gast offensichtlich nicht erkennt. „Ich bin das gewohnt, ich bin Koch", antwortet Mälzer höflich.

Genießen Sie es, einmal nicht erkannt zu werden?
Ich genieße es, unerkannt durch Palma zu gehen. Aber ich will ja kein Aussteiger werden, dann darf ich nicht nach Mallorca gehen. Mir gefällt gerade, dass man sich hier schnell zurechtfinden kann und auch mal Landsleute treffen kann. Und wenn ich eine schöne Ecke sehe, an der schon einmal einer war, ist mir das doch egal. Es ist aber angenehm, hin und wieder seine Ruhe zu haben.

Wie wird man als Koch ein Fernsehstar?
Ich wurde 2003 in meinem Restaurant entdeckt, weil ich mit den Gästen immer viel gequatscht habe. Erst habe ich das Angebot von dem Sender abgesagt, dann haben wir es ausprobiert. Die Quoten haben sich innerhalb von vier, fünf Tagen verdreifacht. Warum, weiß keiner. Ich bin auch leid, es zu hinterfragen. Dann kam noch die Kerner-Sendung, das war der zweite Schub. Die Aufmerksamkeit, die wir genießen dürfen, ist schon enorm.

Was war Ihr Erfolgsrezept?
Es geht nicht nur um den besten Koch. Es gibt viele, die besser sind als ich. Ich mache aber keine Kochsendung, um zu zeigen, wie gut ich kochen kann, sondern damit die Leute zu Hause es begreifen. Ich bereite wenig vor, koche jedes Gericht in Echtzeit und nehme Produkte aus dem Supermarkt. Also nicht das Meersalz aus der Salahari-Wüste. Diese Spezialitäten haben mich immer gelangweilt an den Kochsendungen. Was soll eine Hausfrau damit? Ich nehme auch einmal Kartoffelpüree aus der Tüte. Ich finde es in Deutschland nervig, dass das Können eines Kochs erst dann anerkannt wird, wenn er ganz exotische Sachen zaubert. Ein einfacher Salat kann doch genauso gut sein wie ein Steinbutt mit Trüffel.

Einfach kochen und locker-flockig unterhalten: Das war neu?
So etwas gab es noch nicht. Nur Jamie Oliver (Populärer Starkoch aus England, d.Red.) machte so etwas. Aber der war im deutschen Fernsehen einfach ganz schlecht synchronisiert.

Stimmt es, dass Sie beide befreundet sind?
Wir haben früher in London zusammengearbeitet. Wir sehen uns nicht alle vier Wochen, aber wir sind Freunde. Er besitzt mehr internationales Format, ist sozusagen der Elvis Presley in der Küche. Ich dagegen bin wie Ted Herold. Der hatte in Deutschland aber auch seinen Erfolg gehabt.

Warum sieht man sie jetzt nicht mehr mit einer eigenen Show im Fernsehen?
Ich habe 500 Sendungen gemacht, das hat mir irgendwann gereicht. Ich konnte nichts mehr erzählen und wollte auch nicht zum 30. Mal Ratatouille machen, nur mit gelben statt roten Paprika. Deswegen haben wir jetzt eine kleine Pause gemacht, damit ich irgendwann wieder etwas zu erzählen habe.

Ihr Burn-out ist Geschichte?
Das ist zwei Jahre her und nicht der Grund, dass ich auf Mallorca bin. Ich gehöre zu den Leuten, die sich manchmal kräftig die Nase stoßen müssen, sonst verstehen sie einige Dinge nicht. Jetzt habe ich sie aber verstanden.

Was zum Beispiel?
Es wurde zum Schluss einfach zu viel gekocht. In jeder Service-Sendung war einer am Brutzeln, das wurde mit der Zeit lächerlich. Auch ich habe 2006 den Fehler gemacht, in einer WM-Show zu kochen. Fußball und Kochen! Das kannst du in einen Schraubstock spannen, das wird nichts. Meine einzige Entschuldigung: Ich kam in jedes Stadion rein

Ziehen Sie sich jetzt ganz aus dem TV-Geschäft zurück?
Ich will nicht aufhören. Ich überdenke nur gerade aus der Distanz, warum ?Born to cook´ nicht geklappt hat (Mälzers bislang letzte Sendung bei Vox, d.Red.). Ich bin einer der Ersten, der Kochen mit Entertainment verbunden hat - und der Erste, der damit wieder aufhört

Also keine Aussteiger-Pläne?
Nein, dann würde ich hier nicht mehr sitzen und ein Interview geben. Das hatte ich mal überlegt, als ich die Burn-out-Phase hatte. Jetzt möchte ich kreativ sein, nicht nur auftreten, weil ich ?Tim Mälzer´ bin. Es muss wieder um Qualität gehen. Es wird auch eine neue Sendung geben, aber das sind noch ungelegte Eier.

Was halten Sie von spanischen Köchen?
Die sind weltweit führend, ganz klar! Ich habe gerade einige in Madrid auf der Madridfusión getroffen (Mälzer wurde dort als bester deutscher Fernsehkoch geehrt, d.Red.). Was Ferran Adrià mit den physikalischen Experimenten macht, ist zwar nicht meine Baustelle, aber ich bewundere das (Der Katalane gilt als Vertreter der Molekularküche und wurde durch experimentelle Lebensmittelvorbereitung, -zubereitung und -präsentation bekannt, d.Red.). Er weiß oft selbst nicht, was er mit den Ergebnissen anfangen soll und stellt seine Experimente ins Netz. Andere verwenden das und entwickeln daraus Gerichte. Die Spanier haben keine Allüren, und auch miteinander einen tollen Umgang. Ich war sofort integriert, obwohl ich keinen Stern habe.

Gibt es Pläne für ein Restaurant auf Mallorca?
Ich kann mir das schon vorstellen, aber eher was Kleineres. Mit einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Das fehlt hier noch auf der Insel.

Gehen Sie gerne hier essen?
Von den mallorquinischen Restaurants auf der Insel bin ich ganz überrascht. Hier kannst du richtig gut essen gehen, viel besser als auf dem spanischen Festland. Die Vorspeisen sind besser als die Hauptgänge. Weil sie relativ wenig Liebe in die Zubereitung der Sidekicks (Beilagen, d.Red.), der Gemüsesorten und der Saucen investieren.

Haben Sie für uns einen Tip?
In Caimari steht eines meiner Lieblingsrestaurants. Das gehört drei Mädels, die auf historische Sachen der mallorquinischen Küche zurückgreifen und denen einen ganz leichten Anstrich verpassen. Eine sehr weibliche Küche. Es gibt aber noch viele Restaurants, wo ich mich nicht reintraue, weil ich nicht die falsche Karte haben will. Ich werde aber Spanisch lernen, suche mit meiner Freundin schon einen geeigneten Kurs.

Sie kennen sich erstaunlich gut in der Gastronomie-Szene der Insel aus ?
Ich esse eben gerne. Das ist meine Leidenschaft.

Für die üppige Portion Wiener Schnitzel hat der Appetit dann doch nicht gereicht. Der TV-Koch ließ den Rest vom Fleisch für seinen Hund einpacken. 

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