Der Stoff aus dem die Insel ist: Regisseur Dieter Wedel recherchierte in der MZ-Redaktion

28-02-2008  
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Lustige Gesprächsrunde: Dieter Wedel mit Lebensgefährtin Dominique Voland und den beiden Redakteuren Holger Weber und Andreas John (v.li.) beim Besuch in der MZ.  Nele Bendgens

Dieter Wedel ist an diesem Freitagnachmittag zum Arbeiten in die Redaktion der Mallorca Zeitung gekommen. Nicht, um ein Interview zu geben. „Heute stelle ich mal die Fragen", sagt Deutschlands bekanntester Fernsehregisseur und legt ganz demonstrativ sein Aufnahmegerät auf den Konferenztisch.

Von Andreas John

Wo es denn am ehesten zu Reibungen zwischen deutschen Residenten und Mallorquinern auf der Insel komme, will der 65-jährige Regisseur wissen. Oder: Wie entwickelt sich der Immobilienmarkt? Agiert Mallorcas Polizei tatsächlich immer so lasch, wie man von ihr behauptet? Wer sind die Macher auf der Insel? Wie sieht es mit dem Umweltschutz hier aus? Wohin führt die Baupolitik? Ferner will Wedel wissen, wie man auf der Insel mit der Korruption umgeht und welches Profil Mallorca-Aussteiger besäßen.

Die Fragerei hat ihren Grund. Wedel sucht Stoff. Den Stoff, aus dem Mallorca gemacht ist, und aus dem er im kommenden Jahr sein Drehbuch für einen geplanten TV-Dreiteiler stricken will. Der Sendetermin steht bereits fest. „Das ZDF hat den Film für Januar 2011 eingeplant", sagt der Autor von deutschen Fernseherfolgen wie „Der Schattenmann" (1995), „Der „König von St. Pauli" (1998) oder „Die Affäre Semmeling" (2002).

Eine Art Liebeserklärung
Doch um was es soll es bei seinem Mallorca-Film genau gehen? „Es wird eine Komödie", verrät Wedel. Eine über blauäugige Aussteiger, über Glücksritter, über Spekulanten, über Touristen, Mafiosi und korrupte Politiker. Vor allem aber über das Mehr-Schein-als-Sein. „Der Film soll schildern, was mich selbst auf der Insel bewegt. Mit ihm sollen die Zuschauer aber auch meine Liebe zu Mallorca zu spüren bekommen", sagt Wedel. Und er liebe die Insel wirklich - trotz allem, was ihm hier widerfahren sei.

Die langjährigen persönlichen Erfahrungen auf der Insel seien es auch, die in ihm die Idee für das Filmprojekt ausgelöst hätten. Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus, dass Wedel irgendwann den größten Teil des Jahres in einer Eigentumswohnung in Cala Llamp verbringen würde. „Ich habe mich früher immer über Leute lustig gemacht, die auf der Insel eine Immobilie besaßen." Noch bis Ende der 90er Jahre quartierte sich Wedel bei seinen Mallorca-Aufenthalten monatelang in Hotelzimmern ein, um hier die Drehbücher für seine späteren Fernseherfolge wie „Die Affäre Semmeling" zu schreiben. Irgendwann rief die damalige Teilzeit-Residentin Friede Springer bei ihm an. Sie wisse von einer tollen Wohnung mit Meerblick im Südwesten der Insel, ein echtes Schnäppchen. „Damals wusste ich noch nicht, was Frau Springer unter einem Schnäppchen versteht", erinnert sich Wedel amüsiert. Dennoch war der Regisseur von der Wohnung begeistert. Und schlug zu.

Wochen später verwandelte sich das Paradies in eine Hölle: In unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner Wohnanlage wurde mit dem Bau einer riesigen Apartmentsiedlung begonnen. Wedel litt unter dem Staub, Dreck und Lärm der Großbaustelle echte Qualen. „Das war eine Art Enteignung." Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem Bauträger durch die Instanzen, den „ich vor wenigen Wochen gewann", so der Regisseur. Hätten die Richter anders entschieden, wäre er wohl auch nach Deutschland zurückgekehrt.

Eine Abrechnung oder gar Racheakt für den ganzen Ärger soll der geplante Dreiteiler aber nicht sein. „Was mir hier passiert ist, hätte genauso gut auch woanders passieren können. Die Insel ist daran gewiss nicht schuld."

Auch gegen Andratx´ Ex-Bürgermeister Hidalgo, mitverantwortlich für die „verantwortungslose und korrupte Zubetonierung" von Cala Llamp, hegt er keine Rachegefühle. Im Gegenteil. „Ich finde die Figur Hidalgo höchst interessant." Dass sie in seinem Dreiteiler namentlich vorkommen wird, kommt für Wedel nicht in Frage. „Natürlich wird es Ähnlichkeiten zu wahren Personen, Begebenheiten und Plätzen geben."

Das Image der Insel prägen
Dass sein Mallorca-Film für reichlich Zünd- und Gesprächsstoff auch über die Inselgrenzen hinaus sorgen wird, steht für Wedel außer Frage. „Er wird das Image Mallorca über Jahre hinaus prägen. Darauf spekuliert man schließlich auch beim ZDF." Bis zum Sendetermin werden allerdings noch drei Jahre vergehen, eine Zeit, die Wedel unter anderem für weitere Recherchen auf der Insel nutzen will. Derzeit sind zwei Mitarbeiter auf Mallorca unterwegs, um für ihn weitere Eindrücke und Informationen zu sammeln. Ab September beginnt Wedel, der den ganzen Sommer über als Intendant und Theater-Regisseur bei den Nibelungenfestspielen in Worms beschäftigt ist, die Dreharbeiten zu seinem aktuellen Fernsehfilm „Mit Glanz und Gloria", der Geschichte des Hochstaplers und Wirtschaftskriminellen Jürgen Harksen. „Wir werden auch eineinhalb Wochen auf Mallorca drehen." Weitere Schauplätze sind Deutschland und Südafrika. Spätestens im Frühjahr nächsten Jahres will Wedel dann mit dem Schreiben des Drehbuchs für den Mallorca-Film beginnen.

Nach mehr als zweieinhalb Stunden stellt der Regisseur schließlich sein Aufnahmegerät ab. Die Arbeit in der Mallorca Zeitung ist für ihn zu Ende. „Wenn Sie möchten, können Sie mich jetzt etwas fragen", sagt Wedel. „Ich weiß jetzt alles, was ich wissen wollte."

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