Es gibt viel zu tun: Unternehmerinnen und die Krise

23.10.2008 | 02:00
Die Bierkönigin.
Die Bierkönigin.

"Bier wird auch in den schlechtesten Zeiten konsumiert - vielleicht sogar mehr." Wie eine Bierkönigin, eine Kranfahrerin und eine Malerin ihre Firmen durch schwierige Zeiten lenken

Die Bierkönigin: "Getrunken wird auch in Krisenzeiten"

"Anständig, pünktlich, ehrlich und effizient." Das Credo der Firma hat Carmen Sastre schon als kleines Kind von ihrem Vater eingetrichtert bekommen. Heute führt sie in der Inselhauptstadt in der vierten Generation den Getränkevertrieb "Distribuidora Bordoy" und ist dafür verantwortlich, dass auf Mallorca keine Bar auf dem Trockenen sitzt. 18 Millionen Liter Bier der katalanischen Marke Estrella Damm verteilen die rund 150 Mitarbeiter mit etwa 70 Auslieferungsfahrzeugen auf der ganzen Insel. Und das ist nicht alles: Auch Whisky, Wasser und Milch gehören zum Getränkerepertoire des Unternehmens, dem Carmen Sastre heute allein vorsteht.

Ihr 80-jähriger Vater schaut nur noch dann und wann einmal herein, ist aber nach wie vor ihr wichtigster Ratgeber. Der Krise begegnet die 46-Jährige mit großer Zuversicht: "Sie wird genauso wieder verschwinden, wie sie gekommen ist." Und: "Bier wird auch in den schlechtesten Zeiten konsumiert - vielleicht sogar mehr."

Carmen Sastre bezeichnet sich selbst als eine Vollblutunternehmerin. Neben dem familiären Getränkevertrieb führt sie zudem einen kleinen Elektrozubehörhandel namens Feixina. Ihrer Arbeit und ihrem 14-jährigen Sohn gehört ihre ganze Aufmerksamkeit. "Ich kann nicht verstehen, wie man neben dem Unternehmen und der Familie noch Zeit für Hobbys haben kann", sagt sie.

Die Kranführerin: "Nur die Starken überleben"

Catalina Pol liebt den Wettbewerb - im Job wie auf ihrem zwölf Meter langen Regattaboot "Bambuda". Die Chefin des Unternehmens Grua Pol ist Herrin über neun schwere Kranwagen, 40 Lkw sowie 68 Mitarbeiter.

So sehr das Unternehmen vom Bauboom profitiert hat, so sehr leidet die Firma jetzt in Krisenzeiten unter einer rückläufigen Zahl von Aufträgen und säumigen Zahlern. "Ich schlafe schlechter." Dennoch: Ihre Firma und sie würden die Probe bestehen, ohne einen ihrer 68 Mitarbeiter zu entlassen, sagt sie. Die Krise betrachtet sie als einen natürlichen Ausleseprozess: "Nur die Starken werden überleben." Catalina Pol ist sich sicher, dass ihr Unternehmen dazuzählen wird. Die Verlagerung der Firma von der Insel runter zum Beispiel nach Osteuropa, wo es noch Bauaufträge gibt, käme für sie einer Flucht gleich. Die Firma bleibt, auch weil es der Vater und Unternehmensgründer so will.

Catalina Pol ist jetzt 40 Jahre alt, sie hat zwei Kinder im Alter von 11 und 20 Jahren. Schon mit 20 trat sie in die Firma ein und beherzigte den Ratschlag ihres Vaters, mit den Mitarbeiter so umzugehen, als gehörten sie zur Familie. Wer Tonnen über Köpfe hinweg transportiere, habe schließlich eine große Verantwortung. Nur zufriedene und ausgeglichene Mitarbeiter seien auch verantwortungsbewusst, sagt sie. Die Philosophie ihres Vaters ist auch ihre: "Ser un señor" (Sei ein Ehrenmann). Zahle deine Rechnungen, mach deine Arbeit, belüge deinen Kunden nicht, und vor allem: Transportiere die Dinge, um die der Kunde dich bittet.

Die Malerin: "Die Insel braucht einen Anstrich"

Mallorca in der Krise ist grau. Was die Insel braucht, ist Farbe", sagt Maria Antonia Pons. Und davon hat sie in ihrer Firma Pintura Bendix genug. Wandfarbe für den Anstreicher, Materia­lien für den Künstler, Verdünnungsmittel für den Heimwerker stapeln sich in ihrer Lagerhalle im Industriegebiet Son Castelló. Im industriellen Herzen Mallorcas finde man die Gründe für die wirtschaftliche Talfahrt, glaubt die 46 Jahre alte Unternehmerin: Son Castelló sei isoliert, schwer zugänglich, überfüllt. Ein Beweis dafür, wie einfallslos auf der Insel die Politik sei. "Wir werden nicht unterstützt, sondern nur kontrolliert."

Ihr Geschäft ist für sie wie ein Zufluchtsort. Farben seien das beste Antidepressivum. Viele Einsame, Verzweifelte würden durch ihre Produkte wieder glücklich, indem sie ihr Leben mit einem neuen Anstrich ein wenig bunter machten.

Das Unternehmen wurde 1950 von ihrem Vater gegründet, der in der Lagerhalle eigentlich Kleber herstellen wollte, dem Material jedoch zu viel Wasser bei-mischte. Das Resultat war Farbe, sagt Pons lachend. Ein Lachen, das offenbar ansteckend ist, wie man beim Blick in die Gesichter ihrer acht Angestellten schnell feststellt. Die Krise könne dem Unternehmen nicht viel anhaben. Im Gegenteil: "Sie stimuliert uns, sie motiviert uns, daraus schöpfen wir neue kreative Energie", sagt Pons. Sie kann abschalten, wenn sie mit ihrer 18-jährigen Tochter zusammen ist oder mit den drei Hunden. "Wenn ich sterbe", sagt sie, "möchte ich in den Himmel für Hunde kommen."

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