Ur-Residenten Gunter und Gabriele Stalter: Rastlose Touristiker

04-12-2008  
Gabriele und Gunter Stalter mit ihren beiden Labrador-Hündinnen Lola und Mila im Hintergrund.
Gabriele und Gunter Stalter mit ihren beiden Labrador-Hündinnen Lola und Mila im Hintergrund.  Foto: Feldmeier

FRANK FELDMEIER "Wissen Sie schon, was Sie essen möchten?", fragt Gunter Stalter ins Telefon. "Zum Nachtisch gibt es Pudding oder Obst." Eine neue Anmeldung für den nächsten Residenten-Treff. Dabei sollte heute ausnahmsweise nicht von den Treffen die Rede sein, die Stalter seit Jahren für Residenten organisiert und die regelmäßig überlaufen sind. Vielmehr sollen Gunter und Gabriele Stalter selbst im Mittelpunkt stehen - schließlich ist das Ehepaar mit inzwischen 42 Jahren auf der Insel so etwas wie mallorquinisches Urgestein.

Es war der 19. März 1966, als das Schicksal Stalter nach Mallorca verschlug. Die Insel war nur eine weitere Station in einem internationalen Werdegang: Anfang der 60er Jahre hatte der Deutsche bereits in London gejobbt und Englisch gelernt, anschließend in Luxushotels in Paris gearbeitet, wo er seine heutige Frau kennenlernte.

Als er das Angebot eines Hoteliers annahm, in einem neuen Haus an der Playa de Palma zu arbeiten, war ein Kulissenwechsel angesagt. Als Rezeptionist im Hotel Arenal Park - heute heißt das Haus der Riu-Gruppe Playa Park - kümmerte sich Stalter im beginnenden Tourismusboom um britische Touristen, die sich nicht langweilen durften. "Viel verdient hat man nicht, aber damals war das Leben ja auch noch billiger", sagt Stalter.

Die Karriere ging in schnellen Schritten vorwärts: Stalter wurde Reiseleiter, dann Chefreiseleiter und organisierte die Arbeit von 30 Mitarbeitern - eingeschlossen auch die von Gabriele Stalter, die seit Mai 1969 seine Frau war. Stalters Dienstfahrzeug war zunächst ein Moped, und die Arbeitsbedingungen im fernen Cala Millor gewöhnungsbedürftig. Er erinnert sich, dass Telefonverbindungen oft nur unter Schwierigkeiten zustande kamen - vermittelt wurde in der Zentrale in Son Servera. Und die nächste Bank war in Manacor oder Portocristo. "Da bin ich oft mit anderthalb Millionen Peseten (rund 9.000 Euro) nach Hause gegangen." Auf das Geld habe dann sein damaliger Boxer aufgepasst, "der hat niemanden reingelassen." Erst am nächsten Tag dann wurde das Geld bei der Bank abgeliefert.

Die Insel wurde spätestens zum Lebensmittelpunkt der Stalters, als sie sich 1971 ihr Haus in Sa Cabaneta kauften. Wo heute hohe Zäune gezogen sind, hinter denen Hunde bellen, wurde damals nicht einmal die Haustür abgeschlossen, erinnern sich die Stalters. Und eine Müllabfuhr gab es noch nicht. Stattdessen schaffte ein privat engagierter Mann mit einem Eselskarren den Müll weg. "Wohin, das wissen wir nicht."

Im von Nonnen geführten Krankenhaus in Manacor kam schließlich 1973 Stalters Sohn Sebastian zur Welt - er arbeitet heute als Anwalt und gehört zur zweiten Generation der Mallorca-Deutschen, die fließend Spanisch, Deutsch und Mallorquinisch spricht. "Der fühlt sich gar nicht als Deutscher", so Stalter.

Der Beruf des Reiseführers ist für den heute 69-Jährigen eine Passion. Da wären nicht nur die 27 Jahre, die Stalter für den Reisekonzern Thomson arbeitete und während der er den Touristen alle Ecken Mallorcas zeigte. Selbst im Urlaub ging es weiter mit den Besichtigungen - schließlich reiste das Ehepaar dank Firmenrabatt für den halben Preis um die Welt. Und heute profitieren die Fans der Residenten-Treffs von Stalters professioneller Neugier.

Als Stalter im Jahr 1994 den Job bei Thomson an den Nagel hängte, blieb er der Tourismusbranche treu und leistete fortan Pionierarbeit in der Flugbranche: Der Einzelplatzverkauf musste in Spanien aufgebaut werden. Waren bis dato nicht ausgelastete Flieger ein Übel, das Reiseveranstalter in Spanien in ihren Kalkulationen hinnehmen mussten, konnte nun aus dem Verkauf der Restplätze Gewinn geschlagen werden. "Das war die Glanzzeit", sagt Stalter über seine Arbeit bei First Choice. "Als ich dann mit 65 Jahren aufhörte, begann das Internet-Zeitalter, und jeder buchte seine Flüge selbst."

Jetzt wird der Ruhestand genossen. Die Stalters haben Zeit für ihre rund 40 Hühner sowie für die Labrador-Hündinnen Lola und ­Mila, die gerade auf dem Sofa schnarchen. Die Reiselust ist geblieben, die Stalters machen jetzt aber Urlaub, wie es sich für spanische Rentner gehört: Gebucht wird bei Imserso, dem Senioren-Programm des spanischen Staates.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:
- Überraschungsparty: Heino wird 70
- Stern-Fotograf auf Ibiza gestorben
- Nassau-Beach-Club eröffnet
- Die Kurzgeschichten der Anna Tiefenbacher


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