Gudio Westerwelles Urlaub auf Mallorca: Lesen, Golf spielen und ein gutes Essen

19-08-2010  
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Sonnenbrille, Hemd – auch im Urlaub ist der Außenminister korrekt gekleidet
Sonnenbrille, Hemd – auch im Urlaub ist der Außenminister korrekt gekleidet DPA

Der Außenminister urlaubt fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Was den Außenminister bewegt und wie er versucht, sich zu entspannen

GABRIELE RICKE Spaziergänge am Strand, bummeln in der Stadt oder ein Besuch in der Kathedrale? Fehlanzeige. Vom deutschen Außenminister Guido Westerwelle und seinem Lebensgefährten Michael Mronz ist an diesen Orten keine Spur. Wie dann verbringt der Vizekanzler seinen in der vergangenen Woche begonnenen Mallorca-­Urlaub?

In der gemieteten Villa in Palmas Nobelviertel Son Vida gehe es ruhig zu, berichten Passanten. Nur gelegentlich sehe man Guido Westerwelle außerhalb seines Feriendomizils. Einer der Termine war dienstlich: Der „Bild am Sonntag“ gab er am Freitag, wie schon in den vergangenen Jahren, ein politisches Sommer-Interview. Dafür reisten nicht nur Redakteur und Fotograf, sondern auch Westerwelles Pressesprecher aus Berlin an. Eigentlich sollte der Foto-Termin für das Interview im Pueblo Español stattfinden. Die Redaktion entschied sich dann aber doch für die Felsen am Paseo Marítimo als „lebendigeren ­Hintergrund“.

Guido Westerwelle sucht vor allem eines: Ruhe. Der Außenminister, so heißt es, nutze seinen Aufenthalt, um zu entspannen, er lese viel. Kann man als ­Außenminister überhaupt so richtig entspannen? Ja und nein. Fest steht: Guido Westerwelles ­Handy ist rund um die Uhr in Betrieb. „Das geht in meinem Amt nun mal nicht anders.“ Die Probleme der Welt machen schließlich auch keinen Urlaub – siehe die Flutkatastrophe in Pakistan. Ausschlafen, so lange er will? Kann der Außenminister nicht, denn jeden Morgen gibt es eine Lagebesprechung mit dem Büro in Berlin. Seit er im Amt ist, dauern die Besprechungen auch im Urlaub etwas länger als zu Zeiten des FDP-Vorsitzes. Auch die Sicherheitsbestimmungen haben sich für den Politiker Guido Westerwelle verschärft. Im Urlaub ist er umringt von mindestens vier Bodyguards, so berichten Passanten. Apropos Bodyguards: Wenn ein Außenminister Urlaub macht, reicht ein Haus natürlich nicht aus. Für den Personenschutz vom Bundeskriminalamt ist eine zweite, größere Villa nebenan gemietet worden, in der auch Comedian Oliver Pocher schon einmal untergekommen ist. Geschätzter Mietpreis: rund 8.000 Euro pro Woche. Dort geht es scheinbar lustiger zu als beim Vizekanzler. Passanten wollen dort auch Damenbesuch und ausgelassene Stimmung am Pool beobachtet haben.

Ansonsten sei alles wie immer auf Mallorca, sagte Westerwelle zur „Bild am Sonntag“. Seit seiner Kindheit ist er hier Stammgast. Warum, erklärt Westerwelle so: „Die Insel versetzt einen in gute Laune, sobald man sie betritt.“ Mallorca genießen – das heißt zum Beispiel, wie vergangene Woche geschehen, im Sterne-Restaurant „Tristán“ in Puerto Portals einen Abend zu verbringen. Dort „freute man sich sehr“ über den Besuch des Außenministers, obwohl man natürlich „alle Gäste gleich behandelt“. Am besten abschalten aber lässt sich wohl beim fast täglichen Golfspiel – vor allem in Son Vida – mit dem Lebensgefährten Michael Mronz (43). Auf den Greens ist Berlin ganz weit weg. Da kann Westerwelle Kraft tanken für den Herbst. In die Hauptstadt geht es nach zwei Wochen am Sonntag (22.8.) zurück.

Im Gespräch mit der „Bild am Sonntag“ wertete der Vizekanzler die vergangenen zwölf Monate als „das härteste Jahr“ in seinem Leben. Rückblick: Tatsächlich kamen nach dem Sieg der schwarz-gelben Koalition im September 2009 Monate voller Auseinandersetzungen. Schon im Januar hieß es, die Koalition sei zerstritten. Im Februar sorgte Westerwelles Äußerung zur Neuberechnung der Hartz-IV-
Sätze, die „sozialistische Züge“ trage, für einen Sturm der Entrüstung. Im März dann Vorwürfe von SPD und Grünen, er vermische sein Ministeramt mit Partei-Interessen, habe auf Reisen Unternehmer mitgenommen, die für die FDP gespendet haben. Das Wahl-Debakel am 9. Mai, als Schwarz-Gelb bei den NRW-Wahlen das größte Bundesland an Rot-Grün verlor, war ein weiterer Tiefpunkt. Kurz vor seinem Urlaub dann gleich noch eine schlechte Nachricht: Laut Umfragen kommt die FDP nur noch auf knapp fünf Prozent.
Rückendeckung kam kürzlich von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher. In einem Interview sagt er: „Es ist ja nicht so, dass jeder Außenminister von Anfang an populär war. Westerwelle wird es packen!“ Und nach so einem Urlaub …

In der Print-Ausgabe vom 19. August (Nummer 537) lesen Sie außerdem:
- Im Gespräch: Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers
- Königlicher Familienurlaub mit Segeln, Eis und Stierkampf
- Die Prinzessin von Italien: Maria Gabriela von Savoyen im Interview

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