Beate-Uhse-Enkel Philipp Rotermund: ´Sie Oma zu nennen, war streng verboten´

Ein Gespräch über seine berühmte Großmutter und Erotik als Geschäft

04-02-2011  
 

GABRIELE RICKE Während des Mandelblüten-Golfturniers in Canyamel an der Ostküste von Mallorca bei kühlem, stürmischem Wetter fühlte Philipp Rotermund (31) sich fast wie zu Hause. „Das ist ja wie Flensburg im Sommer!" Der Unternehmer und begeisterte Sportler lebt inzwischen in der Schweiz. Und hat mit dem von seiner Großmutter gegründeten Erotikhandel nichts mehr zu tun. Dem Geschäft mit der Erotik ist er trotzdem treu geblieben.

Wie haben Sie Ihre Großmutter erlebt?

Sie war keine Großmutter im klassischen Sinne. Mit ihr war es anders. Oma oder Omi zu sagen, war zum Beispiel streng verboten. Deswegen war sie eben Beate. Sie hat mit uns zusammen Sport gemacht. Als wir noch klein waren, hat sie gefragt, was wir später werden wollen, und hat uns erzählt, wie es im Berufsleben so ist. Sie war komplett anders. Wir fanden sie immer cool.

Gibt es etwas, worin Sie ihr ähneln?

Sie hatte eine gewisse Stehauf-Mentalität. Bei all den Hürden die ihr in den Weg gelegt wurden, ihre Krebserkrankung zum Beispiel, hätten viele aufgegeben. Bei Gegenwind gebe ich auch nicht auf. Das ist eine Eigenschaft, die ich an ihr sehr geschätzt und übernommen habe.

Sie hat sich der Moral ihrer Zeit entgegengestellt. Ist es heute einfacher, Geschäfte mit der Erotik zu machen?

Grundsätzlich wird das Thema Erotik immer noch belächelt oder als Randerscheinung gesehen. Aber es ist ein riesiger Markt, eine Industrie, die Arbeitsplätze schafft.

Sie haben Ihre eigene Firma, die Media Partners. Was machen Sie genau?

Wir beraten Medien und handeln mit Filmrechten im Erotik-Segment. Wir kaufen Filmlizenzen ein, veräußern sie weiter an große Pay-TV-Stationen in Deutschland, aber auch international.

Wie sind Sie darauf gekommen?

Ich habe schon im Studium bei einer Tochterfirma von Beate Uhse gearbeitet, die sich um Filmrechte in der Erotik-Branche kümmert. Als sich meine Familie von den Aktien trennte, habe ich dort aufgehört und mich selbstständig gemacht. Auch wenn meine Firma nicht mehr den Namen Beate Uhse führt – der Spirit ist drin. Der erotische Film ist eine Kernkompetenz von uns. Aber nicht ausschließlich. Wir machen alles, was Männer interessiert. Neben Erotik sind das Motor- und Kampfsport, mit Sky TV haben wir ein großes Golfturnier gemacht.

Früher war Sexualität im öffentlichen Raum tabu. Heute scheint sie allgegenwärtig.

Es hat ein Wandel stattgefunden. Man muss anerkennen, dass meine Großmutter dazu einen großen Teil beigetragen hat. Schauen Sie sich mal Magazine an – selbst ´Stern´ oder ´Spiegel´ haben alle zwei Wochen eine nackte Frau auf dem Titel, die ´Bild´ sogar jeden Tag. Erotik und Sexualität gehören grundsätzlich zum Alltag. Immer wieder gibt es natürlich die Diskussion: Was sollte man tun, was darf man zeigen und was nicht?

Verliert Nacktheit aufgrund der starken Präsenz in den Medien nicht zunehmend an Reiz?

Doch. Ich finde, sie wird zu viel benutzt. Andererseits: Wenn es das ist, was die Gesellschaft möchte … Um Erotik zu sehen, muss man sich keinen erotischen Film ansehen. Schauen Sie sich doch die Musikvideos an: Von Britney Spears bis Shakira – alle arbeiten mit Sex. Auch Sarah Connor läuft halb nackt in ihren Musikvideos herum, Sex wird zumindest ständig angedeutet. Weil jeder weiß, dass Sex ein sales pitch ist, der funktioniert.

Wie viele Männer haben schon mal einen Porno gesehen?

99,9 Prozent. Viele regelmäßig, sonst würde unser Geschäft nicht funktionieren.

Gibt es Trends in der Erotik?

Etwas Bahnbrechendes wird es da nicht mehr geben. In anderen Bereichen schon. Das Thema Wrestling läuft nach wie vor gut, Kampfsport allgemein.

Was ist daran so faszinierend?

Das frage ich mich auch. Aber von meinem ersten Chef habe ich gelernt, dass man Fernsehen nicht für sich selbst macht. Wir sind ja keine Produzenten, sondern Händler. Wir versuchen, uns an die Markttrends anzupassen. Wenn der Konsument nach etwas fragt, es denjenigen gibt, der es produziert, schlagen wir möglichst schnell zu. Und verkaufen das Produkt dann an den, der es wiederum an den Endkunden verkauft. Das ist unser Geschäft.

Privat bevorzugen Sie Golf, vor allem aber Regatta-Segeln. Bis 2002 waren Sie unter den Top 15 weltweit: Sie sind die ´Princesa Sofía´ und die ´Copa del Rey´ auf Mallorca gesegelt, im vergangenen Jahr bei der Kieler Woche deutscher Meister geworden. Was reizt Sie am Segelsport?

Ich bin in Flensburg aufgewachsen, habe Salzwasser im Blut! Der Kick liegt für mich darin, sich auf hohem Niveau zu messen, Leistung zu erbringen. Um in Richtung Olympia zu gehen, fehlte uns aber der Sponsor. Damals haben wir entschieden: Dann gehen wir jetzt arbeiten. Seither segle ich höchstens noch sieben Events. Während des Studiums war ich fast jedes Wochenende auf dem Wasser, im Winter oft auf Mallorca.

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