Geheimnisse über Maria Schell: Glanz und Elend ganz nah

Marie Theres Kroetz Relin über ihre Mutter Maria Schell und das, was für sie wirklich zählt

07-04-2011  
Marie Theres Kroetz Relin
Marie Theres Kroetz Relin Foto: Gutiérrez

GABRIELE RICKE Marie Theres Kroetz Relin (44) hat gerade eine Lesetour durch Deutschland hinter sich, um ihr neues Buch „Meine Schells" (Langen Müller, 19,95 Euro) vorzustellen. „Inklusive Anreise von Teneriffa macht das 11.500 Kilometer in 14 Tagen – das schlaucht ganz schön!", sagt sie beim Telefonat von Insel zu Insel. Von Erholung kann auch zu Hause nicht die Rede sein. Seit 1996 lebt sie auf der Kanareninsel: „Weil zwei unserer Kinder Asthma hatten." Kroetz Relin ist genervt, wenn sie dem typischen Vorurteil begegnet, mit dem auch Mallorca-Residenten zu kämpfen haben: „Nur weil man auf einer schönen Insel lebt, denken manche Leute, ich würde den ganzen Tag auf dem Liegestuhl verbringen. Dabei mache ich alles selbst: Ich bin Autorin, meine eigene Sekretärin, PR-Frau, ich bin Köchin, Putzfrau und vor allem Mutter!"

Rechtfertigen muss sie sich eigentlich seit ihrer Geburt. „Zuerst war ich die Tochter von Maria Schell, dann die Frau von Franz Xaver Kroetz. Das immer zu hören und zu lesen, war nicht schön." Das Buch war für sie auch ein Mittel, sich aus dem Schatten zu befreien. „Mein Verdienst ist, dass ich drei Kinder habe, fünf Sprachen spreche, Autorin bin und es so lange mit Franz Xaver Kroetz ausgehalten habe." Das mit dem Aushalten ist eher liebevoll gemeint: Nach 18 gemeinsamen Jahren ließ sich Kroetz Relin 2006 vom „Dichter-Genie" und „Super-Macho" scheiden. „In seinen Büchern versteht er die Frauen immer sehr gut. In der Praxis leider weniger. Ich musste mich erst von ihm trennen, damit er mich ernst nahm." Leider sei bei so vielen Auseinandersetzungen die Liebe auf der Strecke geblieben, „aber heute sind wir enge Freunde, verstehen uns bestens".

Für ihn hatte sie, mit gerade mal 21 Jahren, eine sehr vielversprechende Schauspielkarriere aufgegeben. „Mit 28 war ich dann dreifache Mutter." Mit 35 zettelte sie, übrigens auf Mallorca, ihre „Hausfrauenrevolution" an. Als ihr klar wurde, dass die Zukunftsaussichten für „Nur"-Hausfrauen
äußerst spärlich sind, gründete sie die gleichnamige Bewegung: „Mütter sind Managerinnen zum Nulltarif, ohne wirtschaftliche Anerkennung und ohne Altersvorsorge."

Teneriffa hat sie inspiriert, Bücher zu schreiben. Den Begriff Inselkoller mag sie gar nicht: „Auch ­Bayern oder jeder andere Ort kann eine Insel sein, wenn man nie dort wegkommt." Bis auf die Schulferien, die sie in Bayern verbringt, lebt Kroetz Relin auf ihrer isla bonita, wie sie Teneriffa nennt. Mit den Ausländern dort geht sie hart ins Gericht: „Es gibt zwei Arten: Die einen sind sehr kreativ – die anderen sind hier nicht überlebensfähig." Das Kanarenvölkchen sei eben speziell, aber überaus herzlich. Ihr Freundeskreis dort bestehe fast ausschließlich aus Einheimischen.

In dieser Umgebung fand sie die Kraft für ihr aktuelles Buch – vier Jahre Recherche sind keine Kleinigkeit. Es handelt von mehreren Generationen ihrer Familie. Natürlich ist auch ihre eigene Geschichte Thema. Die Kindheit mit einer Mutter, die jeder kannte, die Kroetz Relin selbst aber nur selten zu Gesicht bekam: „Ich wuchs bei meiner Großmutter auf. Trotzdem hat es meine Mutter immer verstanden, präsent zu sein. Durch Karten oder kleine Geschenke, die sie uns Kindern nach Hause schickte." Für Kroetz Relin war es selbstverständlich, dass Weltstars zum Freundeskreis der Familie gehörten. Ob Romy Schneider oder auch Liz Taylor, die Maria Schell aus ihrer Hollywoodzeit kannte. Maria Schell half Liz Taylor sogar, in Deutschland ein Adoptivkind zu finden: „Sie drehte damals in Rom ´Cleopatra´. Und kam heimlich für acht Tage zu uns nach Wasserburg in Bayern." Man kannte sich halt. Ihre eigenen Begegnungen mit Hollywood-Stars reichen von Grace Jones über Faye Dunaway bis Jon Voight, dem Vater von Angelina Jolie, der sich in die junge, vielversprechende Schauspielerin Kroetz Relin verguckt hatte, „ein Gefühl, das ich aber nicht erwidern konnte".

Trotz allen Ruhms seien die Mitglieder ihrer Familie, auch ihr berühmter Onkel Maximilian, „bodenständig und ohne Starallüren. Höchstens ein wenig weltfremd. Aber dass man zum Beispiel nicht weiß, wie man einen Flug bucht, ist doch normal, wenn man immer eine Sekretärin hatte."

Kroetz Relin gibt wenig auf Promi-Status: „Mir ist nur eines wichtig: Herzensbildung." Wie schnell Berühmtheit verfliegt und wie nah beieinander Glamour und Elend liegen, beschreibt sie auch, als es um den Tod ihrer Mutter geht. Die letzten zehn Jahre ihres Lebens war Maria Schell (1926-2005) bettlägerig. Für ihre Familie eine schwere Zeit. Kroetz Relin beschönigt nichts. Auch nicht wie unwürdig es ist, wenn die eigene Mutter dement und inkontinent ist und von einstigen Freunden vergessen wird: „Von vielen, die sich zu Lebzeiten und in Talkshows als ihre Freunde bezeichnet hatten oder Kollegen waren, kam nichts – kein Brief, kein Blumenstrauß. Weder von Senta Berger noch von Siegfried Rauch." Kroetz Relin erzählt das nüchtern: „Der Mensch ist eben sehr egozentrisch veranlagt." Schockierend fand sie es trotzdem. Auch, dass zum Beispiel der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Internet ein Trauerschreiben veröffentlichte, sich bei der Familie aber mit keinem Wort meldete.

Sie selbst hat sich, durch die intensive Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte, „selbst gefunden". Kroetz Relin ist überzeugt, dass sich viele Familienschicksale wiederholen, weil es ein Familiengedächtnis gibt: „Wenn zum Beispiel schon die Mutter Schwierigkeiten hatte mit Männern, wird die Tochter sie auch haben. Das ist tief in uns verankert." Nur wenn man sich diese Mechanismen klar mache, könne man sich daraus befreien. Kroetz Relin hat ihre Rolle gefunden. Sie sprudelt nur so vor Ideen. Sie plant ein neues Buch, ein Öko-Tourismusprojekt und engagiert sich für Mütter in Peru.

In der Printausgabe vom 7. April (Nummer 570) lesen Sie außerdem:
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