´Jungs-WG´ auf Mallorca: ´Am Schluss ist jeder ein Held´

"Big Brother" mit pädagogischem Anspruch: Wie es den fünf Teenagern der KiKa-Sendung auf der Insel erging

18-08-2011  
Die „Jungs-WG
Die „Jungs-WG" auf Mallorca: Charlie, Jonas, Alex, Johannes und Danny (v.li.) bei einer Probe ihrer Ferienband Foto: ZDF

ARWEN MÖLLER Turnschuhe fast so groß wie Schlauchboote liegen neben der Tür. Aus der Küche der Villa tönen Stimmen, Lachen. Danny, Jonas und Charlie kochen dort Feigenmarmelade mit Gummibärchen. Eines von vier Kamerateams schaut den dreien dabei auf den Kochlöffel. Ein anderes Team begleitet Alex und Johannes bei einer Fahrrad-Tour. Zusammen sind die fünf Teenager die dritte Staffel der „Jungs-WG" im Kinderkanal KiKa.

„Das macht Spaß, ohne Eltern Urlaub zu machen", sagt Danny. Anfangs hatte der 15-Jährige schon „Schiss", zumal er seine WG-Kollegen nicht kannte. Wie er hatten sie sich für die „Jungs-WG" beworben und sich in einem aufwendigen Castingverfahren mit über 1.000 Bewerbern durchgesetzt.

Seit dem 25. Juli organisieren sich die fünf als WG vor der Kamera. Das heißt: selbst kochen, putzen, Wäsche waschen, Müll rausbringen. Ihre sturmfreie Bude ist eine Villa mit Pool in Cala Llombards. Neben den häuslichen Pflichten haben die Jungs aber vor allem eines: Spaß. Beim Tauchen, Banana-Boot-, Kart-, Quadfahren, im Aquapark, am Strand. „Die meisten Ideen kommen von uns", sagt der 14-jährige Jonas. Seine Mitbewohner sind schon 15.

Einmal pro Woche gibt es für alle eine Überraschungsaktion wie beispielsweise ein Fußballspiel. „Wir haben gegen 12-Jährige verloren", ärgert sich Charlie. Sie sind als Band in einer Bar aufgetreten, und sie haben am Strand einen Eincreme-Service angeboten. Auch ein gemeinnütziges Projekt stand auf ihrem Ferienplan: In Colònia de Sant Jordi haben sie den Strand gesäubert.

„Bei dieser Doku geht es darum, dass die Jungs Spaß haben, was erleben, Mallorca kennenlernen und vor allem ohne Eltern klarkommen", erklärt Georg Bussek von der Produktionsfirma E+U-TV das Konzept. Zielgruppe: Zehn- bis Zwöfjährige. Im Gegensatz zu Casting- und Reality-Shows wie „Big-Brother" werden die Darsteller nicht als klassische Rollen wie „Zicke" oder „Außenseiter" gecastet. „Bei uns ist es wichtig, dass am Schluss der Sendung jeder wie ein Held dasteht", sagt Bussek und betont: „Wir wollen hier niemanden einsperren, im Gegenteil, hier geht es um Freiheit."

Regeln gibt es aber auch. Wie in einem Ferienlager sind auch in der „Jungs-WG" Alkohol und Zigaretten verboten, Mädchen dürfen zum Leidwesen der Jungs nicht in der Villa übernachten. Für Notfälle wohnen zwei Sozialpädagogen rund um die Uhr im Nebenhaus der Villa.

Schon die Auswahl der Jugendlichen sollte Streit und Problemen vorbeugen. Die Produktion unterliegt auch auf Mallorca dem Jugend- und Arbeitsschutz. Für die Teilnahme bei der „Jungs-WG" haben Mutter und Vater eine Einverständniserklärung unterzeichnet. Damit die Jungs einkaufen und sich auf der Insel fortbewegen und vergnügen können, bekommen sie 500 Euro Taschengeld pro Woche. Ansonsten gibt es zwischen Produktionsfirma und Darsteller weder eine Vertrags- noch eine Honorarvereinbarung. „Theoretisch können die Jungs jederzeit gehen", sagt Georg Bussek.

Doch die fünf denken gar nicht daran. „Wenn das ein Beruf wäre, würde ich den immer machen", meint Danny, der sich für die Doku beworben hat, weil ihn die WG-Herausforderung und ein Urlaub ohne Eltern reizten. Auch Charlie möchte seinen Eltern beweisen, dass er alleine klarkommt – um dann, wenn er 16 ist, von zu Hause aus- und in eine WG einzuziehen. Kochen kann er schon ein wenig. „Als wir heute morgen Apfelküchlein mit selbst gemachtem Erdbeereis gefrühstückt haben, da hat das Team ganz schön geschaut", grinst er.

Mittlerweile nehmen die Teenager die sie umringenden Kameras kaum noch wahr. Jungs und Team sind bei den Dreharbeiten zusammengewachsen. „Beim Abschied werden viele Tränen in den Augen haben", prophezeit Alexander Friesberg, der die „Jungs-WG" zusammen mit Bussek produziert. Die Jungs sind – trotz anfänglicher Nervosität und einer Meinungsverschiedenheit zwischen Charlie und Johannes – zu Freunden geworden. Doch Dreharbeiten, WG und Urlaub sind an diesem Freitag (19.8.) vorbei. Den Kontakt untereinander wollen die Jungs halten. Und der erste Besuch von Johannes bei Charlie in Hamburg ist schon abgemacht.

Der Kinderkanal KiKa zeigt ab dem 30. November von Montag bis Freitag die „Jungs-WG" zwischen 15 und 15.25 Uhr.

In der Printausgabe vom 18. August (Nummer 589) lesen Sie außerdem:
- Lottofee im Hier und Jetzt: Heike Maurer in Camp de Mar
- Das Sommerfest vom Inselradio 95,8
- Nachschlag: Comedian Martin Rütter im Auditorium
- Der Dirigent und die Sopranistin

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