Clubs am Ballermann: In Wahrheit mündet der Rhein ins Mittelmeer

Ab September stürmen Vereine die Playa de Palma. Allen voran schon seit Jahrzehnten "Merowinger" und "Radio Eller"

15-09-2011  
Lust auf Party und Strand: Deutsche am Ballermann
Lust auf Party und Strand: Deutsche am Ballermann Foto: Sebastián Terrassa

ARWEN MÖLLER Wenn die Schulferien vorbei und die jungen Wilden endlich weg sind, geht für die nächste Ballermann-Generation die Sause los: das partybewusste Publikum 35 plus, das mit Verein oder Club und gerne auch als reine Männer- oder Frauen-Gruppe an die Playa de Palma kommt. Unter der Herbstsonne Mallorcas stechen derzeit zwei Gruppen besonders hervor: Am Balneario 3 die gut 80 „Merowinger" aus Köln und am Bal­neario 7 die über 250 „Radio Eller" aus Düsseldorf. Mit wehenden Fahnen belagern beide Gruppen ab Ende der zweiten September­woche den Strand. Und wie das unter Nachbarstädten wie Köln und Düsseldorf so ist, steht man auch am Strand in freundschaftlicher Konkurrenz zueinander.

Die „Merowinger" sind das traditionsbewusste Urgestein an der Playa de Palma und feiern diese Saison ihr 40-jähriges Ballermann-Bestehen. Der Verein aus der Kölner Südstadt hat mit nur 17 Mann am Balneario 3 und im Hotel Dunas Blancas in Arenal angefangen.

„Wir haben den Karneval und das Kölsch auf die Insel gebracht", sagt Werner Dive. Der 67-jährige Wirt des Clubheims „FC Merowinger" hat mit dem dazugehörigen Kegelclub im Schlepptau damals den Mallorc­aurlaub für den Verein entdeckt. Was mit ein paar Fässern Kölsch im Fluggepäck und einem „Orginal Kölner Frühshoppen" im Hotel begann, wurde bald zum Selbstläufer. Immer mehr Vereinsmänner kamen mit. Irgendwann musste das Kölsch per Lkw auf die Insel geschafft werden. Heute feiern die „Merowinger" mit 80 Mann und ein paar Frauen den Partyurlaub.

„Freiheit" und „Sau rauslassen", das ist die Devise der Feier­ferien. Höhepunkt der Woche ist ein Frühshoppen mit Kölsch und Gulasch, der traditionell mittwochs ab 11 Uhr im Hotel Dunas Blancas stattfindet und mittlerweile an die 400 Kölner Inselresidenten und Urlauber anlockt. Da weht dann auch eine ordentliche Prise Kölner Karneval durchs Hotel. Zwei Koffer sind mit Kostümen gefüllt. Ein ehemaliger Karnevalsprinz feiert mit.

Patriotismus muss sein: Die ganze Woche über sind Hotel und Strand rot-weiß und mit Merowingerwappen geflaggt. Am Balneario 3 stehen an die 40 reservierte Liegestühle, um Sonne, Strand und Meer zu genießen. Anfangs sonnten sich die Merowinger noch auf Handtüchern. Damals waren auch die balnearios noch Holzhütten. Erst später wurden sie zunächst zu Buden und dann zu Edelstahl-Pavillons ausgebaut.

„Dieser ganze Urlaub ist auf meinem Mist gewachsen", sagt Dive, der Flüge, Hotel und Getränkepauschale für Strandfest, Frühshoppen und Abschlussfeier organisiert. Inklusive Strandfest am Dienstag mit rund 13.000 Flaschen San-Miguel-Bier.

Am Donnerstag findet dann im kleineren Kreis der Vereinsmitglieder die Abschlussfeier statt. Mit Wunderkerzen und kölsche Lieder wie „Ich möcht zu Fuß nach Kölle jon". Von den ersten Ballermännern der Merowinger sind noch sechs dabei. Dank des Nachwuchses reicht die Alterspanne von 19 bis 76 Jahren. „Selbst die stärksten Männer haben beim Abschied Tränen in den Augen", erzählt Dive, und seine Augen werden feucht.

Eine Gruppe, so vielfältig wie die Düsseldorfer Bevölkerung, das ist „Radio Eller". Ohne Eintrag im Vereinsregister setzen sich die 250 kollektiven Ballermann-Urlauber aus Abordnungen von Schützenvereinen, Kegelclubs, Karnevalsgruppen, offizielleren Institutionen wie denen der Stadtwerke und der Neusser Häfen, dem Lügentisch in der Düsseldorfer Altstadt und einigen mehr zusammen. Der Altersschnitt wird auf 40 plus geschätzt.

Gründer der Gruppe waren vor 24 Jahren rund 20 „Alte Herren" des Fußballvereins Eller 04, die sich mit Kofferradio zum Ballermann-Urlaub aufmachten. Bald schon musste eine richtige Musikanlage her, und auf zwei Euro-Paletten gaben die „Radio Eller" verstärkt durch Schlagerstars dann ihr Bestes.

„Am Anfang hatten wir immer am Strand Programm, am Sonntag beispielsweise hielt unser Pastor Ballerarsch in Talar eine Büttenrede", erzählt Günter Sichelschmidt. Der 53-Jährige ist seit 16 Jahren ein „Radio Eller" und zieht mit zwei Mitstreitern die Strippen für den Mallorca-Urlaub. Es gibt einiges zu organisieren: Ankunft der Delegationen ist traditionell der zweite Freitag im September. Buchen kann man über ein Düsseldorfer Reisebüro, das routinemäßig die Flüge reserviert. Ab Samstag stürmen die „Radio Eller" dann mit Fahnen und Campingliegen im Schlepptau den Strand. Die reservierte Maximalzahl von 215 Strandliegen am Balneario 7 stockt man mit Camping-Möbeln auf die Gruppenstärke auf. Mit den Besuchen der Düsseldorfer Inselresidenten und sonstigen Urlauber kommen teilweise bis 400 Strandbesucher zusammen – Männer und mittlerweile immer mehr Frauen.

Damit für „halb Düsseldorf" die längste Theke der Welt auch an den Strand kommt, haben die Organisatoren bereits vor Abflug durch den Verkauf von Strandkärtchen fünfstellige Beträge eingesammelt, fürs Trinken an ihrer Ballermann-Bar. Eingekauft wird im Supermarkt in Arenal, der auch die Kühltaschen der Gruppe lagert und dank des großen Umsatzes Rabatt gewährt. Höhepunkt ist seit vier Jahren die „Radio Eller"-Party am Urlaubsmontag im Mega­Park, diesmal mit Andreas Caballier und vielen eigenen Künstlern. 800 Mann können ihre Eintritts-Bändchen fürs Fest exklusiv am Ellerschen Strand kaufen.

„Seit wir im MegaPark sind, ist die Party explodiert", sagt ­Sichelschmidt. Doch den guten alten Zeiten, als die Stars auf den zwei Euro-Paletten am Strand von „Radio Eller" auftraten, trauert er trotzdem nach. Über 3.000 Zuschauer hätten dort schon Steve Young und Jürgen Drews bestaunt. Dann drehte die Polizei der Strandparty den Saft ab. Doch das Abschlussritual lässt man sich nicht nehmen: Am letzten Urlaubstag nehmen sich alle Radio-Eller am Strand an der Hand und singen „Goodbye My Love Goodbye". Und auch bei ihnen kullern dann die Tränen.

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